Umfrage: Jeder dritten Bank drohen BaFin-Sanktionen
ID: 1668705
lückenhaft dokumentierte Abläufe. In jedem dritten Institut sind die
Verantwortlichkeiten zudem nicht eindeutig geregelt. Damit verstoßen
die Geldhäuser gegen die Mindestanforderungen an das Risikomanagement
(MaRisk). In solchen Fällen kann die Bankenaufsicht (BaFin) Bußgelder
verhängen und Nacharbeiten fordern. Das ist das Ergebnis einer
Umfrage von Procedera Consult. Befragt wurden 104 Fach- und
Führungskräfte aus der Bankbranche.
Probleme bereitet den Banken auch eine unzureichende
Software-Unterstützung, um Prozesse zu dokumentieren und zu steuern.
Fast 40 Prozent beklagen, dass die IT zu wenig Hilfestellungen
bietet, um diese Aufgaben angemessen zu erfüllen. Das ist gefährlich,
da den Banken dadurch der Überblick fehlt über die internen Abläufe.
Dabei schreibt die MaRisk ausdrücklich vor, dass alle
Geschäftsaktivitäten schriftlich festgehalten und als
Organisationsrichtlinien allen Mitarbeitern zugänglich gemacht werden
müssen (MaRisk AT 5). "Wer bei der Dokumentation schlampt, geht ein
hohes Risiko ein", warnt Gisbert Beckmann, Geschäftsführer bei
Procedera Consult. "Zu den Bußgeldern kommen häufig eng gesetzt
Fristen hinzu, um festgestellte Mängel zu beheben."
Insgesamt kommt das Prozessmanagement vieler Banken schlecht weg.
Nur knapp die Hälfte der Befragten ist mit dem aktuellen Stand
zufrieden. Nachholbedarf besteht besonders darin, Prozesse zu
visualisieren. 57 Prozent vergeben in diesem Bereich die Schulnote 3
oder schlechter. 51 Prozent bemängeln zudem, dass sich die Prozesse
nur schwer anpassen lassen. Das gilt besonders für
abteilungsübergreifende Abläufe, an denen mehr als nur eine Stelle
beteiligt ist. Schuld daran sind neben technischen Unzulänglichkeiten
aber auch fehlende Standards. Nur 58 Prozent sind bei der
Standardisierung gut oder sehr gut aufgestellt. "Die Banken müssen
endlich mental den Schalter umlegen", so Gisbert Beckmann. "Wer das
Prozessmanagement ordentlich aufstellt, erfüllt viele regulatorischen
Anforderungen quasi im Vorbeigehen."
Der Experte für Bankorganisation empfiehlt, Kompetenzen für das
Prozessmanagement in einer eigenständigen Abteilung zu bündeln. "In
der Praxis arbeiten diejenigen Institute am besten, die methodische
Standards wie BPMN beherrschen und anwenden, um die Prozesse zu
modellieren", erklärt Beckmann. "Eine methodisch gut ausgebildete
Bankorganisation, die übergreifend die Fachbereiche steuert, zahlt
sich sehr schnell aus, weil sie Insellösungen verhindert und dazu
beiträgt, das noch immer in vielen Häusern vorherrschende Silodenken
aufzubrechen."
Über die Studie
Im April und Mai 2018 hat Procedera Consult 104 Fach- und
Führungskräfte aus der Bankbranche online zum Stand des
Prozessmanagements befragt. Die Befragten stammen aus Instituten mit
einer Bilanzsumme von mehr als 10 Mrd. Euro (8 Prozent), 5 bis 10
Mrd. Euro (33 Prozent), 1 bis 5 Mrd. Euro (50 Prozent) sowie weniger
als 1 Mrd. Euro (9 Prozent). Sie arbeiten in den Abteilungen IT,
Kundenservice, Kreditwesen, Vertrieb, Controlling, Interne Revision
und Bankorganisation.
Über Procedera Consult
Procedera ist eine auf Organisationsfragen spezialisierte
Unternehmensberatung für Banken und Sparkassen. Seit 2008 unterstützt
das Unternehmen fachlich und technisch Organisationsbereiche von
Kreditinstituten im Prozessmanagement sowie der Umsetzung
regulatorischer Anforderungen. Die Markterfahrung bei der Analyse und
Überarbeitung von Organisationshandbüchern reicht bis 1988 zurück.
Als Umsetzungsberater beschäftigt Procedera Fachspezialisten, die
zuvor selbst jahrelang Organisationsthemen auf Institutsseite
verantwortet haben.
Pressekontakt:
Procedera Consult GmbH
Alexandra Heck
alexandra.heck@procedera.de
Tel.: +49 30 86008220
Emser Platz 2
10719 Berlin
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Datum: 09.11.2018 - 06:50 Uhr
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