Brexit: Autohersteller planen Preiserhöhungen in UK
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Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs in der EU. Zahlreiche
Branchen bereiten sich auf den schlimmstmöglichen Fall - den
sogenannten "harten" Brexit - vor. Welche Maßnahmen Autohersteller
vorbereiten und wie sich das auf die gesamte Branche auswirkt,
erklärt Antoine Weill, Automotive-Experte und Partner bei der
globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners.
Weniger als anderthalb Monate vor dem Austrittstermin des
Vereinigten Königreichs aus der EU ist immer noch unklar, wie es mit
den britisch-europäischen Handelsbeziehungen anschließend weitergeht.
Bislang weigert sich das britische Parlament, einem Austrittsabkommen
zwischen London und Brüssel zuzustimmen. Was das bedeutet? Bei einem
"No-Deal-Brexit" gelten beim Handel mit der EU nur noch die
Minimalstandards der Welthandelsorganisation WTO. Da laut diesen die
EU auf Autoimporte aus Drittstaaten, mit denen es keine
Freihandelsabkommen gibt, Einfuhrzölle von zehn Prozent erhebt,
werden von Großbritannien Zölle in derselben Höhe erwartet. Zehn
Prozent höhere Kosten: Das können (oder wollen) die meisten
Hersteller nicht einfach so wegstecken. Und bereiten ihre Kunden
jetzt schon auf entsprechende Preiserhöhungen vor.
Preiserhöhungen im Vorfeld vertraglich absichern
So müssen etwa Porsche-Käufer in Großbritannien seit dem 18.
Januar bei der Bestellung eine Klausel in ihren Verträgen
unterzeichnen, dass sie eine Preiserhöhung bei möglichen Importzöllen
akzeptieren. Dieser könnte bis zu zehn Prozent betragen. Laut
Medienberichten plant Volvo einen Preisanstieg in gleicher Höhe. Und
auch weitere Hersteller schließen solche Maßnahmen nicht aus. Die
Porsche-Strategie klingt simpel: Tritt der "harte" Brexit ein,
bezahlen Kunden entweder zehn Prozent mehr oder müssen ihren Kauf
stornieren. Somit kaufen sie eine Ware, deren Preis bislang nicht
feststeht.
Trotz aller Risiken: Damit bietet der Brexit Porsche die perfekte
Testumgebung. Wie wirkt sich ein höherer Preis auf das
Auftragsvolumen aus? Welche Preiselastizität herrscht im Markt? Und
da zudem keine produktbezogen Preiserhöhung sondern eine pauschale
Steigerung über zehn Prozent quer durch das gesamte Sortiment
vollzogen würde: Um wieviel geht die Nachfrage insgesamt zurück?
Preiselastizität ausloten
Geschäftskritische Erkenntnisse können dabei nicht nur im eigenen
Unternehmen, sondern auch im gesamten Branchenumfeld gewonnen werden:
Andere Hersteller gehen denselben Schritt, manche inländische
Produzenten aber beispielsweise nicht. So können Manager absolute,
also auf die eigenen Preisänderungen bezogene, sowie relative, auf
den Preisabstand zwischen Wettbewerbern angewendete Preiselastizität
noch genauer ergründen.
Porsche kann sich dieser Entwicklung erfahrungsgemäß relativ
entspannt stellen: Porschekäufer sind tendenziell wenig
preissensitiv; Aufträge gehen bei moderaten Preiserhöhungen nur wenig
zurück. Erfahrungen zeigten, dass dem deutschen Hersteller eher
Preissenkungen zu schaffen machten. Hier ist die Elastizität höher
und Auftragsvolumina änderten sich stark, da Porsche-Modelle
plötzlich für Fahrer anderer Marken erschwinglich wurden.
Bei anderen Autohersteller sieht die Situation anders aus. Für
weite Teile der Branche gilt: Preisunempfindliche Kunden sind die
Ausnahme, nicht die Norm! Unternehmen, deren Produktionsstätten im
Vereinigten Königreich liegen und die in die EU exportieren sowie
Firmen, bei denen genau die umgekehrte Situation der Fall ist,
bereiten sich derzeit auf Preisszenarien mit Erhöhungen von über zehn
Prozent vor. Wer hier eher mittel- oder niedrigpreisige Wagen
anbietet, sollte die Preiselastizität seiner Kunden genau messen, um
fatale Preisentscheidung zu vermeiden. Nötig sind umfangreiche
Kenntnisse in Sachen Marketing und Pricing, um sich gut durch diese
Marktturbulenzen zu manövrieren.
Pressekontakt:
Anne Angenvoort (Public Relations Manager)
Tel: +49 221 367 94387
E-Mail: Anne.Angenvoort@simon-kucher.com
www.simon-kucher.com
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Datum: 19.02.2019 - 10:16 Uhr
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