25 Jahre Ozon-Alarm: Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts steigender Ozonbelastung konsequente Absenkung der Stickoxide aus Dieselabgasen
ID: 1740283
Ozon-Alarms in Deutschland ist die Belastung auf Rekordwerte
angewachsen - Der Süden und der Westen der Republik leidet aktuell
unter extremen Ozon-Belastungen - Dieselfahrzeuge und Lösemittel sind
Hauptquellen für die Ozonbelastung - Deutsche Umwelthilfe fordert
endlich wirksame Maßnahmen und rechtliche Regelungen zur Minderung
der Vorläufersubstanzen von Ozon wie Stickoxide und
Kohlenwasserstoffe
25 Jahre nach Ausruf des ersten Ozon-Alarms in Hessen fordert die
Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine wirksame Minderung der
Vorläufersubstanzen dieses gesundheits- und klimaschädlichen
Reizgases. Die DUH kritisiert, dass die Bundesregierung es bis heute
versäumt hat, eine effektive Nachfolgeregelung für die 1995 außer
Kraft getretene Ozonverordnung einzuführen, die bei Werten wie den
aktuell gemessenen, zu Fahrverboten und
Geschwindigkeitsbeschränkungen auch auf Autobahnen geführt hätte.
Je höher die Lufttemperatur, desto höher ist bei gleichzeitig
hohen Belastungswerten von Stickoxiden oder Kohlenwasserstoffen die
Bildung von bodennahem Ozon. Mit dem Fortschreiten der Klimaerwärmung
ist insbesondere bei ausbleibenden Maßnahmen der Luftreinhaltung mit
einer weiteren Erhöhung der Ozon-Belastung zu rechnen. Umso
dringlicher ist es, dass endlich wirksame Maßnahmen und rechtliche
Regelungen zur schnellstmöglichen Minderung der Vorläufersubstanzen
von Ozon, wie Stickoxide und Kohlenwasserstoffe, ergriffen werden.
"In den kommenden Jahren werden wir noch häufiger hohe sommerliche
Temperaturen erleben. Dabei wandeln sich die innerstädtisch in hoher
Konzentration vorhandenen Stickoxide, die dort vor allem aus den
Dieselabgasen stammen, in Ozon um. Verschärft wird die Lage durch das
Versagen der Politik, Kohlenwasserstoffe aus der Industrie und
alltäglichen Produkten wie Farbsprays und Klebstoffe, drastisch zu
reduzieren. Der jahrzehntelange Abgasbetrug der Dieselkonzerne ist
maßgeblich dafür verantwortlich, dass wir in den Städten nach 25
Jahren immer noch zu hohe Ozonwerte im Sommer verzeichnen, unter
denen Menschen und Umwelt leiden. Verkehr und Industrie sind die
Hauptquellen der Stoffe, die zur Bildung von Ozon führen. In beiden
Sektoren versagt die Bundesregierung, was die Durchsetzung von
Abgasstandards angeht, um die Ursachen der Belastung anzugehen",
kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.
Nach Angaben des Umweltbundesamtes steigt seit 1990 die
durchschnittliche Ozon-Konzentration in der innerstädtischen Atemluft
vielerorts weiter an. Ozon bildet sich aus den Vorläuferstoffen
Stickoxiden (NO und NO2) und flüchtigen Kohlenwasserstoffen (VOC) und
ist an einen photochemischen Prozess gebunden. Daher tritt besonders
an sonnigen und heißen Tagen in den Nachmittags- und Abendstunden
eine hohe Ozonbelastung auf.
Die Ozonverordnung aus dem Jahr 1995, die in den 90er Jahren
Fahrverbote bei zu hoher Belastung vorsah, trat 1999 außer Kraft.
Heute gilt auf Basis der 39. Verordnung zum
Bundes-Immissionsschutzgesetz eine sogenannte Informationsschwelle
von 180 µg/m3 als 1-Stunden-Mittelwert sowie eine Alarmschwelle von
240 µg/m3 als 1-Stunden-Mittelwert. Die Weltgesundheitsorganisation
empfiehlt einen Grenzwert von 100 µg/m³ im 8-Stunden-Mittel, der
jedoch nach Angaben der Europäischen Umweltagentur an nur 4 Prozent
aller und nur an zwei der insgesamt 537 Messstationen im ländlichen
Hintergrund im Jahr 2016 eingehalten wurde. Für das Jahr 2015 gibt
die Agentur in ihrem jährlichen Bericht zur Luftqualität (2018) 3.000
vorzeitige Todesfälle für Deutschland aufgrund zu hoher Ozonbelastung
an.
"Dass die Bundesregierung es bis heute versäumt hat, eine
effektive Nachfolgeregulierung für die Ozonverordnung von 1995
einzuführen, ergänzt die Reihe massiver umweltpolitischer
Versäumnisse dieser und der Vorgängerregierungen. Zur Bekämpfung der
Ozonbelastung sind Bund und Länder gefordert, und zwar im
Zusammenspiel mit den europäischen Nachbarn, denn Ozon ist ein
flächendeckendes Problem. Einige unserer Nachbarn, wie etwa
Frankreich und auch die Schweiz, handeln hier entschlossener. Wir
brauchen dringend ein Gesamtkonzept zur Minderung der entsprechenden
Vorläufersubstanzen für Ozon. Dazu gehört, dass wir konsequent alle
schmutzigen Dieselfahrzeuge entweder mit Fahrverboten belegen oder
durch Hardware-Nachrüstungen wieder sauber machen aber auch die
Minderung der Kohlenwasserstoff-Emissionen zum Beispiel aus
Lösemitteln", so Resch weiter.
Erst im Juni dieses Jahres hatte die französische Regierung ein
Fahrverbot für etwa 60 Prozent aller Fahrzeuge im Großraum Paris
aufgrund hoher Ozonbelastung bei heißen Außentemperaturen verhängt.
Hintergrund:
Erhöhte Ozonkonzentrationen können Reizung der Atemwege, Husten,
Kopfschmerzen und Atembeschwerden bis hin zu Einschränkungen der
Lungenfunktion und Lungenkrankheiten hervorrufen. Sie führen aber
auch zu Schädigungen von Pflanzen, insbesondere einjährigen
Nutzpflanzen und somit zu immer höheren Ertragseinbußen.
Die Ozon Verordnung von 1995, basierend auf Paragraph 40 des
Bundes-Immissionsschutzgesetzes, sah Fahrverbote für Fahrzeuge ohne
Katalysator ab einer Belastung von 240 µg/m³ im Mittelwert über eine
Stunde vor. Ab einer Konzentration von 180 µg/m³ galten
Geschwindigkeitsbegrenzungen von 90 km/h auf Autobahnen und 80km/h
auf Landstraßen.
Die Ozon-Verordnung aus dem Jahr 1995, die Fahrverbote bei zu
hoher Belastung vorsah, trat 1999 außer Kraft. Kurzfristig wirksame
Maßnahmen wie das Fahrverbot von einst sind nicht mehr Gegenstand der
Regulierung. Bei Ozon-Werten ab 180 µg/m³ wird gesundheitlich
empfindlichen Personen, insbesondere Kindern und älteren Menschen
empfohlen, auf anstrengende Tätigkeiten oder sportliche Aktivitäten
im Freien zu verzichten. Bei Werten ab 240 µg/m³ richtet sich diese
Empfehlung an alle Bürgerinnen und Bürger. Weiterhin gilt ein
Zielwert von 120 µg/m³, der an höchstens 25 Tagen im Jahr, gemittelt
über drei Jahre, überschritten werden darf. Dieser Wert, der ab 2020
als 8-Stunden-Mittelwert im Kalenderjahr einzuhalten ist, wird nach
Aussage des Umweltbundesamts in ganz Deutschland überschritten.
Links:
Hintergrundpapier "Bodennahes Ozon - das unterschätzte Problem":
http://l.duh.de/p190725c
Pressekontakt:
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer
0171 3649170, resch@duh.de
Dorothee Saar, Leiterin Verkehr und Luftreinhaltung
0302400867-72, saar@duh.de
DUH-Pressestelle:
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Datum: 25.07.2019 - 14:19 Uhr
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