Familie Ritter aus Köthen - zuständiger Jugendamtsleiter verteidigt Behörden: "Es ist bewundernswert, was die Stadt getan hat"
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Anhalt-Bitterfeld, Peter Grimm, Ämter und Behörden im Umgang mit der
berüchtigten Familie Ritter aus Köthen verteidigt: "Es ist wirklich
bewundernswert, was die Stadt in diesen Jahrzehnten getan hat", sagte
Grimm am Mittwochabend im Gespräch mit Steffen Hallaschka. Obwohl
Familie Ritter Hilfsangebote konsequent ablehne, habe man immer
wieder den Dialog gesucht: "Vom Jugendamt bis zum Stadtrat, es gibt
ja niemanden, der nicht alles versucht hätte."
Live bei stern TV räumte Grimm ein, dass es auf den ersten Blick
so aussehe, als habe im Fall von Familie Ritter auf behördlicher
Seite "niemand vernünftig gearbeitet". Das sei jedoch nicht der Fall:
"Es gibt kaum ein Kind in dieser Familie, wo der Staat nicht
eingegriffen hätte, wo nicht Heimerziehung angeordnet worden wäre,
bis hin zu Familiengerichten, wo ambulante Leistungen erbracht
wurden."
Dass viele Familienmitglieder den Absprung vom durch Gewalt und
Rechtsextremismus geprägten Umfeld der Familie nicht schafften, liege
laut Grimm im Umgang der Erwachsenen mit ihren Kindern und
Enkelkindern begründet: "Was man in den Beiträgen oft sieht, ist das
Prinzip 'Zuckerbrot und Peitsche'. Dieser vollständige Liebesentzug,
und auf der anderen Seite dieser Überschwang. Niemand macht etwas, es
sind immer andere schuld, die Jungs sind immer unschuldig, werden
unschuldig verhaftet. Alle sind schuld, aber nicht die Familie
selbst." Insbesondere dieser Liebesentzug sei ein Problem innerhalb
der Familie: "Ich würde es fast Entmenschlichung nennen. Diese Kinder
werden völlig niedergemacht, alle Generationen sehnen sich nach
Zuwendung, doch die gibt es dort nicht."
Nachdem stern TV in der vergangenen Woche eine rund 90-minütige
Reportage über die Familie ausgestrahlt hatte, hatte der Köthener
Stadtrat die Obdachlosenunterkunft besucht, die Familienoberhaupt
Karin Ritter bewohnt, um sich selbst ein Bild von den Zuständen vor
Ort zu machen. Demnach sei eine Lösung für die Wohnsituation Karin
Ritters in Sicht - möglicherweise sei bereits eine passende Wohnung
gefunden worden.
Bereits seit 1994 berichtet stern TV über die berüchtigte Familie
Ritter aus Köthen. Schon damals war der Alltag von Mutter Karin
Ritter und ihren Söhnen Norman, Christopher und Andy geprägt von
Verwahrlosung, Gewalt und ausländerfeindlichem Denken.
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Datum: 29.08.2019 - 00:19 Uhr
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