Gassen-Vorschlag greift zu kurz - Bessere Versorgungsstrukturen statt neue Kassentarife
ID: 1752104
Baden-Württemberg halten von dem Vorschlag des Vorsitzenden der
Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, nichts.
Seine Vorstellung, einen günstigeren Kassentarif für Versicherte
einzuführen, die sich an einen koordinierenden Arzt binden, greife zu
kurz. Zusammen mit der koordinierenden Arztfunktion müssten laut
Vertragspartner zwingend besser vernetzte Versorgungsstrukturen
einhergehen. Sie zusammen führten zu mehr Qualität und zu sinnvoller
Häufigkeit von Arztkontakten. In Baden-Württemberg ist dies bereits
seit 11 Jahren Realität, von der die 1,65 Millionen freiwilligen
Teilnehmer an der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) der AOK
Baden-Württemberg und ihrer ärztlichen Partner und die rund 700.000
Teilnehmer am Facharztprogramm profitierten.
Die Vertragspartner betonen, dass in mittlerweile vier
Evaluationen überzeugend belegt sei, dass die angestrebte
Lotsenfunktion des Hausarztes in der HZV Realität sei und zu einer
umfassend besseren Versorgung mit Überlebensvorteilen speziell für
chronisch Kranke führe. Von wissenschaftlicher Seite sei wiederholt
bestätigt worden, dass es allein für das Jahr 2016 rund 1,2 Millionen
unkoordinierte Facharztkontakte weniger gab. Aktuelle Zahlen aus dem
AOK-Facharztvertrag Kardiologie zeigen zudem, dass die
Überweisungsquote in diesem Facharztvertrag bei nahezu 100 Prozent
liegt, in der Kontrollgruppe der Regelversorgung bei lediglich zwei
Dritteln. "In der freiwilligen Alternativen Regelversorgung in
Baden-Württemberg kommen Versorgungssteuerung und Versorgungsqualität
idealerweise zusammen. Das ist der zielführende Weg zu besserer
Patienten- und Ärztezufriedenheit", sagt Dr. Christopher Hermann,
Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg.
"Die HZV in Baden-Württemberg und bundesweit ist und bleibt ein
Ergebnis fehlender Lösungsstrategien der tradierten ärztlichen
Selbstverwaltung für die damaligen und aktuellen Probleme der
hausärztlichen Versorgung, das wir gemeinsam gegen viele Widerstände
erreicht haben", so Dr. Berthold Dietsche, Chef des
Hausärzteverbandes Baden-Württemberg. Zusätzlich entfalten weitere
Steuerungsinstrumente ihre Wirkung: Etwa eine einfache Abrechnung mit
deutlich höheren Fallwerten durch eine leistungsgerechte Honorierung
in festen Eurobeträgen ohne Budgetierung und mit verbindlichen
Fortbildungsstrukturen. Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender
von MEDI Baden-Württemberg und MEDI GENO Deutschland, ergänzt: "Wir
gestalten unsere regionale Versorgung seit Jahren deutlich besser und
koordinierter, weil wir sie selbst in die Hand genommen haben.
Deswegen liegen unsere Vorschläge für eine Förderung der
Facharztverträge per gesetzlicher Vorgaben beim Bundesministerium für
Gesundheit, um die Patientenströme besser zu lenken. Um die
gemeinsame Patientenversorgung auf Basis besserer Koordination,
Kommunikation und Kooperation weiter voranzubringen sind wir als
Erste landesweit mit der elektronischen Vernetzung der Praxen
gestartet."
Derzeit nehmen 5.000 Haus- und Kinderärzte und 2.500 Fachärzte und
Psychotherapeuten an der Alternativen Regelversorgung von AOK
Baden-Württemberg, MEDI und Hausärzteverband Baden-Württemberg teil.
Pressekontakt:
AOK Baden-Württemberg - Telefon: 0711 2593-229
MEDI Baden-Württemberg - Telefon: 0711 806079-223
Hausärzteverband Baden-Württemberg - Telefon: 0172 201 0390
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Datum: 10.09.2019 - 16:22 Uhr
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