"Evangelisierung und Globalisierung": Deutsche Bischofskonferenz stellt neues Dokumentüber die Weltmission vor
ID: 1756256
hat die Deutsche Bischofskonferenz heute (24. September 2019) in
Fulda ein neues Dokument zur weltweiten Mission vorgestellt. Anlass
der Veröffentlichung ist der von Papst Franziskus ausgerufene
außerordentliche Monat der Weltmission (Oktober 2019). Das
Bischofswort knüpft an zwei frühere Worte der Deutschen
Bischofskonferenz an, die im zurückliegenden Jahrzehnt vorgelegt
wurden: zum einen "Zeit zur Aussaat. Missionarisch Kirche sein"
(2000), ein Dokument, das den Blick auf die Situation in Deutschland
richtet, zum anderen "Allen Völkern Sein Heil. Die Mission der
Weltkirche" (2004). Das neue Bischofswort analysiert die globalen
Entwicklungen der Gegenwart und der jüngeren Vergangenheit und fragt
nach deren Bedeutung für die Weiterentwicklung der christlichen
Mission.
"Der Aufruf Jesu, das Evangelium 'bis an die Grenzen der Erde'
(Apg 1,8) zu verkünden, galt vor 2.000 Jahren - und er gilt heute.
Selbstgenügsamkeit und Selbstbezüglichkeit sind der Kirche zu keiner
Zeit gestattet", erklärte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche,
Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), bei der Präsentation des
neuen Missionswortes. Die Kirche habe den Auftrag, "Gottes Sorge für
alle Menschen in jeder geschichtlichen Stunde zu bezeugen". Sie könne
die Menschen mit der Botschaft des Glaubens jedoch nur erreichen,
wenn sie die heutige Weltsituation, die Lebenswelten und die
prägenden kulturellen Entwicklungen begreife und berücksichtige. Das
neue Bischofswort lege dar, dass die aktuelle weltgesellschaftliche
Situation durch eine fortschreitende Globalisierung, das heißt eine
Vernetzung aller Lebenssphären (z. B. Wirtschaft, Wissenschaft,
Kultur), durch Migration und weltumspannende Informations- und
Kommunikationstechnologien charakterisiert sei. Auf der religiösen
Ebene werde das Zeitalter durch Pluralisierung und Differenzierung
ebenso wie durch Säkularisierung und Fundamentalismus bestimmt.
Mission, so Erzbischof Dr. Schick, habe im Laufe der
Kirchengeschichte stets eine Übersetzung der Frohen Botschaft
bedeutet: eine Übersetzung der Schriften in die verschiedenen
Sprachen, aber auch eine Übersetzung in die kulturellen Kontexte
hinein. Angesichts der Globalisierung sei es heute notwendig, die
Kirche stärker als globalen Akteur und als weltweites Netzwerk zu
gestalten: "Um die Chancen zu nutzen, die die heutige Situation für
die Verbreitung des Glaubens bietet, ist es erforderlich, dass wir
uns als Kirche immer mehr und intensiver als globale Gebets-,
Solidar- und Lerngemeinschaft vollziehen. Auch in Deutschland dürfen
wir der Gefahr eines kirchlichen Provinzialismus nicht erliegen,
sondern müssen - sehr viel zupackender noch als in der Vergangenheit
- am Netz der Weltkirche mitknüpfen." Dies sei eine Aufgabe der
Amtsträger und der Missionare, ebenso aber auch jedes einzelnen
Christen. Erzbischof Schick verwies in diesem Zusammenhang auf die
Vielzahl von internationalen Partnerschaften zwischen Diözesen und
Kirchengemeinden und auf Dienste wie die "Missionare auf Zeit", die
von jungen Leuten übernommen würden. Auch die Unterstützung der
kirchlichen Hilfswerke sei ein Teil der globalen Netzwerkbildung in
der Weltkirche. Das neue Bischofswort unterstreiche, wie Erzbischof
Schick betonte, die Einheit von Glaubensverkündigung und sozialem
Auftrag in der christlichen Mission: "Das Mühen um Frieden und
Gerechtigkeit ist Teil der kirchlichen Mission, es gehört zur
Verkündigung des Reiches Gottes."
Prof. Dr. Margit Eckholt (Universität Osnabrück) hob die im
Bischofswort beschriebene zentrale Wechselbeziehung von Ortskirche
und Weltkirche im Zeitalter der Globalisierung hervor: "Kirche ist
immer konkret, 'vor Ort', aber genau hier ist die 'Welt' präsent. Wir
schließen uns nicht in unseren 'Kontexten' ab, wir nehmen immer mehr
wahr, was sich an anderen Orten ereignet, wir sind herausgerufen,
Verantwortung über unsere Ortskirche hinaus wahrzunehmen." Prof.
Eckholt spannte einen Bogen zum Missionsverständnis von Papst
Franziskus, das im Wort der deutschen Bischöfe ausdrücklich bekräftig
werde. So akzentuiere das Dokument ein Verständnis von
Evangelisierung, in dem sich die mystische und politische Dimension
des Evangeliums verbinden: Zum einen bedeute es das "Eintreten für
Menschenwürde, für Gerechtigkeit und Frieden und Kritik an jeglicher
Form von 'Gleichgültigkeit' angesichts des Leidens der anderen".
Außerdem meine Evangelisierung im Sinne von Papst Franziskus auch
"Selbstkritik, aufzubrechen aus unseren Egoismen, mit Hochachtung
Glaubenden anderer christlicher Konfessionen und anderer Religionen
zu begegnen, gemeinsam auf den je größeren Gott hin zu wachsen - im
Dienst am guten Leben und der 'Sorge für das gemeinsame Haus'".
Professor em. P. Dr. Michael Sievernich SJ (Mainz/Frankfurt)
erläuterte anhand der Etappen der christlichen Missionsgeschichte,
wie es der Kirche bei allen Brüchen gelungen sei,
Übersetzungsprozesse des Evangeliums in die unterschiedlichen
Kulturen zu gestalten. Vor dieser Aufgabe stehe die Kirche auch im
Zeitalter der Globalisierung. Er beschrieb die Kirche als "lernendes
Sozialsystem, das auf Wandel reagieren und sich daher selbst
reformieren kann, ohne an eine bestimmte Kultur oder Politik gebunden
zu sein". Der Erfolg der missionarischen Bemühen werde aber in hohem
Maße davon abhängig sein, "dass die Mitglieder der Teilkirchen in
aller Welt mit der Aufgabe der Evangelisierung bei sich selbst
anfangen, also Selbstevangelisierung betreiben."
Hinweise: Die Statements von Erzbischof Schick, Prof. Dr. Eckholt
sowie Professor em. P. Dr. Sievernich SJ sind als pdf-Dateien unter
www.dbk.de verfügbar.
Das Dokument Evangelisierung und Globalisierung aus der Reihe "Die
deutschen Bischöfe" (Nr. 106) kann auf www.dbk.de in der Rubrik
Publikationen als Broschüre bestellt oder heruntergeladen werden.
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Datum: 24.09.2019 - 13:30 Uhr
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