Negativzins? Nein danke - ein Marktkommentar von Werner Rüppel
ID: 1779496
dass künftig ab einer bestimmten Summe oder grundsätzlich Negativzinsen für
Einlagen auf dem Girokonto fällig werden. Andere zahlen bereits dafür,
Liquidität bei einem Kreditinstitut zu halten. Grund dafür ist natürlich, dass
die Europäische Zentralbank von den Banken negative Zinsen auf Einlagen bei ihr
erhebt. Und dass dieser Negativzins wohl noch eine Weile anhalten wird. Schön
ist es dennoch nicht, für Liquidität auf dem Konto auch noch dauernd Geld zu
berappen.
Doch niemand muss den Negativzins einfach hinnehmen. Zum einen kann man ja zu
einer Bank gehen, die (noch) keine negativen Zinsen erhebt. Am einfachsten fällt
dies denjenigen, die bereits mehrere Bankverbindungen haben. Doch lässt sich
auch ein neues Konto eröffnen. Dabei ist freilich Vorsicht geboten, besteht doch
die Gefahr, dass auch der neue Finanzpartner gleich mit negativen Zinsen um die
Ecke kommt. Daher ist es ratsam, sich auf jeden Fall eingehend zu erkundigen, ob
ein in Frage kommendes Institut auch dabei bleibt, keine negativen Zinsen auf
Einlagen zu erheben. Völlige Sicherheit darüber wird es aber nicht geben.
Zum anderen, und das ist die wirklich gute Botschaft, bietet der Kapitalmarkt
zahlreiche Möglichkeiten, dem Negativzins zu entgehen und laufende Einkünfte für
das Ersparte zu kassieren. Dazu muss man zwar ein gewisses Risiko in Kauf
nehmen, doch steigt das Risiko bei genauer Auswahl der Investments nebst einer
Streuung derselben auch nicht extrem an. Zudem gibt es genügend gute und
bewährte Anlagen.
Ein genaues Hinsehen ist auf jeden Fall erforderlich, das zeigt nicht zuletzt
der Blick auf die Anlageskandale der vergangenen Jahre wie Container, dubiose
Goldplattformen oder Schrott- und Ostimmobilien. Auch Einzelaktien können
gefährlich sein, und nicht jeder Kauf von Anteilsscheinen deutscher Banken war
erfolgreich.
Sehr viel Sinn macht es, am Aktienmarkt auf Dividendenwerte zu setzen, die
langfristig durch mindestens stabile, häufig ansteigende und vor allem auch hohe
Ausschüttungen überzeugen. So bieten Deutsche Euroshop, Hamborner Reit, BASF,
Allianz und Munich Re auf Basis der im Jahr 2020 erwarteten Ausschüttungen
aktuell üppige Dividendenrenditen zwischen 3,8 Prozent und 6,0 Prozent im Jahr.
Und wer die Titel bis Mitte 2021 hält, kassiert gleich zweimal Dividende.
Wem Investments in mehrere dieser Werte zu kompliziert sind oder wer nicht
genügend Zeit hat, sich um seine Anlagen zu kümmern, der kann auch auf gute und
bewährte Dividendenfonds zurückgreifen. Diese legen meist weltweit in Titel mit
hohen und stabilen Dividenden an und füllen den Säckel der Anleger durch
attraktive Ausschüttungen.
Im Vergleich zu herkömmlichen Aktieninvestments überzeugen solche
Dividendenstrategien durch ein niedrigeres Risiko. Entsprechendes gilt für
Income-Fonds, die sich durch eine breite Streuung über mehrere Assetklassen und
einen klaren Fokus auf regelmäßige Ausschüttungen auszeichnen. Auch hier gibt es
mehrere gute und bewährte Fonds, die wir in dieser Zeitung und in unserem
Anlagemagazin "rendite" bereits des Öfteren aufgezeigt haben.
Um dem Negativzins zu entgehen, sind auch offene Immobilienfonds gut geeignet.
Wie die Ratingagentur Scope ausgerechnet hat, liegt der Renditevorsprung dieser
risikoarmen Assetklasse gegenüber Staatsanleihen mit knapp 4 Prozentpunkten auf
Rekordniveau. Offene Immobilienfonds sind aber kein Geldmarktersatz, gilt es
doch die für Neuanlagen geltende Mindesthaltedauer von 24 Monaten und die
Kündigungsfrist von zwölf Monaten zu berücksichtigen.
Natürlich kann man auch dem Negativzins entrinnen, indem man wesentlich mehr
Bargeld hält. Doch können viele Scheine unter dem Kopfkissen oder im Geldbeutel,
zum Beispiel beim Besuch eines Weihnachtsmarkts, auch gefährlich sein. Da ist es
besser, den Kapitalmarkt zu nutzen, um zu sagen: Negativzins? Nein danke.
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Datum: 13.12.2019 - 20:30 Uhr
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