Mit 50 zum alten Eisen - Deutsche Personalchefs verschlafen den demografischen Wandel
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Bonn/Nürnberg - Weder Kampagnen der Bundesagentur für Arbeit (BA) http://www.arbeitsagentur.de noch Appelle von Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden vermochten die Misere zu beseitigen: Wer in Deutschland mit Mitte 50 seinen Job verliert, hat nur noch geringe Chancen auf eine neue Stelle. In kaum einer anderen westeuropäischen Volkswirtschaft ist der Anteil der älteren Arbeitslosen so gross wie in der Bundesrepublik - allein im November waren 391.000 Männer und Frauen über 55 Jahre arbeitslos, so Klaus Tscharnke im Bonner General-Anzeiger http://www.general-anzeiger-bonn.de.
Alarmiert über die Entwicklung in Deutschland zeige sich inzwischen auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie appellierte an die Bundesregierung, dringend die Erwerbstätigkeit älterer Menschen zu fördern, so der Autor. Nachholbedarf habe Deutschland besonders bei der Weiterbildung und der Vermittlung älterer Arbeitsloser.
Nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) http://www.iab.de könne sich die deutsche Wirtschaft den Luxus einer Belegschaft ohne ältere Kollegen in einigen Jahren nicht mehr leisten. Angesichts des dramatischen Rückgangs der Bevölkerung in den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten drohe der deutschen Wirtschaft ein akuter Fachkräftemangel. Nach Projektionen des IAB, dem Forschungsinstitut der BA, dürfte die Zahl der so genannten Erwerbspersonen von derzeit 44,5 im Jahre 2050 auf 39,7 Millionen sinken.
"Vor diesem Hintergrund sorgen die Vorbehalte vieler Personalchefs gegenüber älteren Stellenbewerbern bei Arbeitsmarktexperten immer wieder für Erstaunen", schreibt der Journalist. Aber auch der Gesetzgeber trage einen Teil der Verantwortung für die vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit älterer Bürger. Die Politik habe mit finanziellen Anreizen das frühzeitige Ausscheiden Älterer aus dem Arbeitsleben geradezu begünstigt.
Allein im Jahr 2004 hätten 80.000 Beschäftigte Altersteilzeit-Regelungen genutzt. Über viele Jahre hätten zudem attraktive Konditionen für Arbeitslosengeld-Bezieher dazu geführt, dass ältere Beschäftigte dem Drängen ihrer Chefs in Phasen forcierten Jobabbaus nachgaben. Peter Juraschek, der bei dem Düsseldorfer Beratungshaus Harvey Nash http://www.harveynash.de als IT-Spezialist arbeitet, hat für die Altersscheu vieler Arbeitgeber kein Verständnis und meint, dass sogar im IT-Service, der sonst als Jugenddomäne gilt, einige ältere Mitarbeiter den Jüngeren weit voraus sind: "Wenn wir zum Beispiel eine IT-Stelle von einem Unternehmen besetzen müssen, haben wir oft keine andere Wahl, als einen älteren Kandidaten einzusetzen. Ein junger Mitarbeiter kommt überhaupt nicht in Frage, wenn es gilt, einen Grossrechner zu programmieren, denn sie kennen keine auch weiterhin gefragten Programmiersprachen wie Assembler und Cobol. Die Kenntnisse solcher Programmiersprachen werden an deutschen Universitäten einfach nicht vermittelt. So kommt es vor, dass ein junger Programmierer trotz seiner Internet- und Java-Kenntnisse passen muss."
Harvey Nash setzt bewusst auf das Prinzip "Seniorität" und vermittelt Mitarbeiter, die 57, 58 oder 63 Jahre alt sind. Angesichts der demografischen Herausforderungen sei es eine Verschwendung, auf älteres "Humankapital" (so der Begriff des US-Nobelpreisträgers für Wirtschaftswissenschaften Gary Becker) zu verzichten. "Wer 80 oder 90 Jahre alt wird, kann nicht mit Mitte 50 freiwillig oder unfreiwillig in Rente gehen. Ohne Umdenken kollabieren die sozialen Sicherungssysteme. Ausserdem profitiert die Unternehmenskultur von gemischten Belegschaften, in denen ältere und jüngere Mitarbeiter zusammen arbeiten", sagt der Personalexperte Nadolski. Allerdings dürfte die Arbeitssuche für diejenigen, die schlecht qualifiziert sind oder einer körperlich sehr anstrengenden oder stressigen Tätigkeit nachgehen, mit über 50 schwierig bis aussichtslos werden.
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Datum: 29.12.2005 - 19:23 Uhr
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