Volvo im Abgasskandal: Temperaturgesteuerte Abgasmanipulation entdeckt
ID: 1789042
Verdacht, illegale Abschalteinrichtungen zur Abgasmanipulation verbaut zu haben.
Untersuchungen zweier unabhängiger Prüfinstitute ergaben, dass der schwedische
Konzern temperaturgesteuerte Abschalteinrichtungen in einigen Geländewagen
einsetzt.
Thermofenster in zwei Volvo-Modellen
Bei einem Test des zur Deutschen Umwelthilfe gehörigen
Emissions-Kontroll-Instituts (EKI) konnte festgestellt werden, dass der Volvo
XC60 mit 2.0 Liter Motor und Abgasnorm Euro 5 die gesetzlich vorgegebenen
Grenzwerte für Stickoxide (NOx) bei weitem überschreitet. Der Grund: Je nach
Höhe der Außentemperatur fährt das Fahrzeug die Abgasreinigung herunter. Bei
Temperaturen um 20 Grad filtert der Volvo-Geländewagen die Abgase in vollem
Umfang. Liegt die Temperatur jedoch darunter - wie es in Deutschland mit einer
Durchschnittstemperatur von zehn Grad die Regel ist -, wird die Abgasreinigung
gedrosselt oder komplett abgeschaltet. Bei dieser Funktion handelt es sich um
das sogenannte Thermofenster, das nach Ansicht von Experten und
Verbraucherrechtsanwälten unzulässig ist.
"Es handelt sich hier ganz klar um eine bewusste Täuschung des Verbrauchers:
Volvo-Kunden wurde ein Fahrzeug mit einer temperaturgesteuerten
Abschalteinrichtung verkauft, das die meiste Zeit die gesetzlichen Grenzwerte
für Schadstoffe nicht einhält. Der Volvo-Halter fährt also ungewollt mit einem
Auto, das weit gesundheits- und umweltschädlicher ist, als beim Kauf
angenommen", erklärt Rechtsanwalt Johannes von Rüden von der
Verbraucherrechtskanzlei VON RUEDEN. "Wir raten Fahrzeughaltern, in deren Auto
eine Abschalteinrichtung verbaut ist, Ansprüche auf Schadensersatz gegen den
Hersteller zu prüfen und mit anwaltlicher Hilfe durchzusetzen."
Schadstoff-Grenzwerte um das Fünffache überschritten
Eine Untersuchung des britischen Prüfinstituts Emissions Analytics kommt zu
einem ähnlichen Ergebnis wie das EKI: Auch die Volvo-Geländewagen XC60 und XC90
mit der Abgasnorm Euro 6 können die gesetzlichen Vorgaben für Stickoxide nicht
einhalten. Die Grenzwerte wurden bei den Testfahrten mitunter um das Fünffache
überschritten. Statt der zulässigen 80 mg/km Stickoxide setzten die Geländewagen
414 mg/km NOx frei.
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Datum: 30.01.2020 - 11:04 Uhr
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