Norddeutsche Intensivstationen dauerhaftüberlastet

Norddeutsche Intensivstationen dauerhaftüberlastet

ID: 1791884
(ots) - Fehlendes Pflegepersonal auf Intensivstationen führt zunehmend
zu Engpässen bei der Notfallversorgung in norddeutschen Kliniken. Nach
Recherchen des NDR Politikmagazins "Panorama 3" hat sich die Lage in
Niedersachsen und Bremen im letzten Jahr weiter verschärft.

"Panorama 3" hatte Einblick in ein internes Kommunikationssystem zwischen
Rettungsleitstellen und Kliniken. Darüber melden sich Stationen ab, wenn sie
keine Patienten mehr aufnehmen können. So sollen Rettungswagen gezielt zu
Krankenhäusern mit freien Kapazitäten gelenkt werden. "Panorama 3" hat Millionen
von Daten für den Bereich der Intensivstationen in Niedersachsen und Bremen
analysiert. Die sieben Kliniken der Stadt Bremen zusammengenommen haben demnach
eine Abmeldequote für die Intensivstationen von mittlerweile 66 Prozent. Auch in
der Region Hannover hat sich die Situation verschlechtert: So lag hier die
Abmeldequote für die chirurgischen Intensivbetten bei inzwischen 32 Prozent, im
Bereich der internistischen Intensivbetten bei zusammengerechnet 53 Prozent der
Gesamtzeit.

In einer vergleichbaren Analyse aus dem Jahr 2018 waren die Zahlen noch
niedriger. Für die Intensivstationen in Bremen hatte "Panorama 3" damals eine
Abmeldequote von knapp 50 Prozent errechnet. In der Region Hannover lag die
Abmeldequote für die chirurgischen Intensivstationen im selben Zeitraum bei rund
einem Viertel, im Bereich der internistischen Intensivstationen bei
zusammengerechnet über 40 Prozent der Gesamtzeit.

Offenbar sind einige Intensivstationen dauerhaft überlastet. So meldeten sich in
Bremen an mehr als jedem dritten Tag alle Intensivbereiche der Kliniken
gleichzeitig ab. An elf Tagen sogar länger als acht Stunden. In dem
Auswertungszeitraum hatten sich an einem Tag alle Kliniken sogar 20 Stunden lang
abgemeldet.

Ein Grund für die zunehmenden Engpässe ist offenbar die Personalnot. Fehlt


Personal, werden Betten dauerhaft gesperrt. Nach "Panorama 3"-Recherchen können
in manchen Krankenhäusern bis zu einem Drittel der vorhandenen
Intensivkapazitäten nicht genutzt werden, da die notwendigen
Intensivpflegekräfte fehlen. Bettensperrungen in der Intensivmedizin sind nach
Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft ein bundesweites Problem.

Offenbar haben die seit Januar 2019 geltenden Personaluntergrenzen das Problem
an einigen Häusern noch verschärft. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft
bewertet die neuen Grenzen angesichts von 17.000 unbesetzten Stellen "hoch
problematisch". Die Untergrenzen führten dazu, dass "zusätzliche
Versorgungskapazitäten abgemeldet werden und Versorgungsengpässe entstehen",
sagt Georg Baum, Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG).

Die Daten der Auswertung stammen aus dem Onlinesystem "Ivena", das im Norden von
den Bundesländer Bremen und Niedersachsen genutzt wird. "Panorama 3" konnte
zwischen August 2019 bis Januar 2020 über vier Monate hinweg auf die
"Ivena"-Daten von 84 Kliniken mit Intensivstationen in Niedersachsen und Bremen
zugreifen. Der Datenauswertung Ende 2018 lagen Daten von Anfang November bis
Anfang Dezember 2018 zugrunde. Eine Abmeldequote von 66 Prozent - wie im
Beispiel Bremen - bedeutet, dass alle Intensivstationen der sieben Kliniken in
Bremen in dem erhobenen Zeitraum von vier Monaten 66 Prozent der Auswertungszeit
auf Rot standen, also abgemeldet waren.

"Panorama 3" am Dienstag, 11. Februar um 21.15 Uhr im NDR Fernsehen. Weitere
Informationen zur Sendung unter www.NDR.de/panorama3

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Presse und Information
Ralf Plessmann
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