Männer führen Firmen doppelt so häufig in eine Insolvenz wie Frauen
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Weltfrauentages (08.03.2020) analysiert, ob eher Männer oder Frauen an der
Spitze eines insolventen Unternehmens stehen. Grundlage dabei waren die 19.005
Firmenpleiten aus dem Jahr 2019.
Themen wie "Firmeninsolvenzen" und "Frauen in Führungspositionen" werden in
regelmäßigen Abständen öffentlich diskutiert. Die beiden Themen scheinen auf den
ersten Blick wenig miteinander zu tun zu haben. Bei der genaueren Analyse
ergeben sich jedoch interessante Zusammenhänge. Denn hinter jeder
Firmeninsolvenz steckt mindestens eine verantwortliche Person. Zudem gelten
Managementfehler weiterhin als eine der häufigsten Ursachen für eine Insolvenz.
Unternehmerlandschaft in Deutschland von Männern dominiert
Obwohl Frauen mit 51 Prozent mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland
stellen und 44 Prozent der Berufstätigen weiblich sind, sind Chefinnen in
Deutschland weiterhin unterrepräsentiert. Lediglich 22,6 Prozent der
Führungspositionen werden in Deutschland derzeit von Frauen bekleidet.
Für diese Analyse hat CRIFBÜRGEL circa 2,3 Millionen Führungspositionen in über
einer Million Unternehmen ausgewertet (Stand 5.3.2020). Bei den Positionen
handelt es sich um Geschäftsführer, Aufsichtsratsmitglieder und -vorsitzende,
geschäftsführende Gesellschafter sowie um Vorstandsmitglieder und -vorsitzende.
Die Geschlechterverteilung bei den Führungspositionen schwankt je nach
Bundesland zwischen rund 28 und 19 Prozent. Die ostdeutschen Bundesländer nehmen
beim Thema Frauen in Führungspositionen eine Vorreiterrolle ein. Brandenburg
liegt mit einer Frauenquote in Führungspositionen von 28,5 Prozent bundesweit an
der Spitze. Aber auch in Sachsen (27,3 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (26,4
Prozent) liegt die Frauenquote in Spitzenpositionen deutlich höher als im
Bundesdurchschnitt (22,6 Prozent). Hessen liegt mit einer Quote von 22,8 Prozent
fast im Bundesdurchschnitt. Nachholbedarf hinsichtlich der Frauenquote haben vor
allem Baden-Württemberg (18,5 Prozent), Bayern (19,1 Prozent) und
Nordrhein-Westfalen (20,1 Prozent).
Mehr Firmen durch Männer als durch Frauen insolvent
CRIFBÜRGEL hat zudem untersucht, ob mehr Männer oder Frauen an der Spitze von
insolventen Unternehmen stehen und dazu die 19.005 Firmeninsolvenzen aus dem
Jahr 2019 analysiert. Das Ergebnis ist dabei eindeutig: Männer führen
Unternehmen nahezu doppelt so häufig in eine Insolvenz wie Frauen. Dies belegen
sowohl die absoluten als auch die relativen Vergleichszahlen.
Beim dem aussagekräftigeren relativen Vergleich wurden die insolventen
Unternehmen inklusive der Anzahl der Entscheider in das Verhältnis zur
Gesamtzahl der Unternehmen in Deutschland gesetzt. Die Erhebung von CRIFBÜRGEL
zeigt, dass in mehr als doppelt so vielen Fällen ein oder mehrere Männer an der
Spitze eines insolventen Unternehmens stehen. So melden 83 je 10.000 (0,83
Prozent) Unternehmen mit einem oder mehr männlichen Entscheidern eine Insolvenz
an - im Vergleich dazu sind es nur 41 je 10.000 Firmen (0,41 Prozent) mit einer
oder mehreren Frauen in der Führungsetage. Auch gemischt geführte Unternehmen
sind weniger von einer Zahlungsunfähigkeit betroffen (48 je 10.000 Unternehmen;
0,48 Prozent).
Aufgrund der Dominanz von Männern in Führungspositionen ist es nicht
verwunderlich, dass in der absoluten Betrachtungsweise mehr Unternehmen eine
Insolvenz anmelden mussten, bei denen ein oder mehr Männer verantwortlich sind.
Der simple Grund dafür: Ein Großteil der insolventen Unternehmen wird von
Männern geführt. Bei 15.375 (80,9 Prozent) der insolventen Unternehmen gab es
nur eine verantwortliche Person (Geschäftsführer, Inhaber, etc.) an der
Firmenspitze. Bei rund 80,0 Prozent dieser Firmen war die verantwortliche Person
männlich. Bei 2.131 (11,2 Prozent) der insolventen Unternehmen im Jahr 2019
saßen zwei Entscheider auf dem Chefsessel. Auch bei diesen Firmen ist der Anteil
von Männern größer, als der der weiblichen Führungskräfte. In 62,6 Prozent der
Fälle wurden die insolventen Firmen von zwei oder mehr Männern geführt.
Demgegenüber sind nur 3,7 Prozent der Unternehmen mit zwei oder mehr Frauen in
der Führung von einer Insolvenz betroffen. Der restliche Anteil (34,7 Prozent)
entfällt auf Firmen mit einer gemischt geschlechtlichen Geschäftsführung (Männer
und Frauen).
Frauengeführte Unternehmen sind weniger insolvenzanfällig
Nicht nur bei den Firmeninsolvenzen, sondern auch hinsichtlich der Bonität und
Zahlungsfähigkeit haben frauengeführte Unternehmen die Nase vorn. Die Anzahl der
finanzschwachen Unternehmen liegt in Deutschland derzeit bei 312.000
Unternehmen, d.h. 8,7 Prozent der Firmen in Deutschland haben aktuell ein
erhöhtes Insolvenzrisiko. Diese Unternehmen verfügen derzeit über einen
Bonitätsindex im Bereich zwischen 4,5 bis 6,0.
Bei Unternehmen mit lediglich Frauen auf Entscheiderebene ist das
Insolvenzrisiko niedriger. Hier liegt der Anteil der finanzschwachen Unternehmen
bei 7,1 Prozent. Der Anteil insolvenzgefährdeter Unternehmen, die ausschließlich
von Männern geführt werden liegt hingegen bei 9,1 Prozent.
Auch auf der anderen Seite der Skala - also bei den Top-Bonitäten - liegen
Unternehmen mit Frauen an der Spitze vorn. Bei Firmen mit Frauen in der
Geschäftsführung beträgt der Anteil von Unternehmen mit einer sehr guten Bonität
(1,0 bis 1,3) 0,95 Prozent - gemessen an allen Unternehmen in Deutschland. Bei
von Männern geführten Unternehmen liegt der Anteil bei 0,83 Prozent.
Darüber hinaus hat CRIFBÜRGEL über 2,7 Millionen Unternehmen hinsichtlich des
Bonitätsindex und der Geschlechter-Unterschiede untersucht. Bei Unternehmen, die
von Männern geführt werden, liegt der durchschnittliche Bonitätsindex bei 2,76.
Mit einem Durchschnitt von 2,64 ist dieser auch bei den von Frauen geführten
Unternehmen niedriger, wobei ein niedrigerer Bonitätsindex eine niedrigere
Ausfallwahrscheinlichkeit prognostiziert und damit positiver zu interpretieren
ist.
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Datum: 10.03.2020 - 12:06 Uhr
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