Signal an die Aktionäre, Kommentar zu Continental von Carsten Steevens
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Verlässliche Prognosen der Autoindustrie sind in einer Phase, in der Produktion und Verkauf vielerorts weitgehend zum Erliegen gekommen sind, nicht zu erwarten. Oberstes Gebot ist die Sicherung der Liquidität. Was aber sind angemessene Maßnahmen in Reaktion auf die Pandemie? Diese Frage kann derzeit täglich neu beantwortet werden.
Die Lernphase dauert an, je weiter die Zahl der weltweit Infizierten steigt, je größer Maßnahmenpakete von Regierungen und Notenbanken zur Abfederung einer Rezession werden. Ob der Hochlauf der Produktion in China, der im März nach einem beispiellosen Rückgang im Vormonat zu beobachten war, als Signal für eine bevorstehende Normalisierung im weltgrößten Automarkt zu werten ist, muss abgewartet werden. Ebenso unsicher ist derzeit, ob sich mit einer zeitlichen Verzögerung die Automärkte in Europa und den USA rasch wieder erholen werden. Auf das Szenario eines V-förmigen Verlaufs setzt man aber offensichtlich bei Continental.
Während für die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland Kurzarbeit beantragt wird, hält der weltweit drittgrößte Zulieferer am Vorschlag einer nach dem Verlustjahr 2019 kaum sinkenden Dividende weiterhin fest. Die würde die Firmenkasse mit 800 Mill. Euro belasten. Continental sendet nach der Viertelung des Börsenwerts innerhalb von gut zwei Jahren ein Signal an die Aktionäre. Anderen Stakeholdern dürfte es in der gegenwärtigen Lage weniger gefallen.
Die breite globale Aufstellung und die verglichen mit der Krise vor gut einer Dekade nach wie vor solide Bilanzstruktur lassen erwarten, dass Continental von einer schnellen Erholung profitieren würde. Zugleich ist unklar, ob die Lieferketten intakt sein werden, wenn die Industrie ihre Produktion wieder hochfährt, und auf welchem Niveau sich die Nachfrage nach der Krise bewegen wird. Die Verschlechterung des Marktumfelds für Zulieferer hat Ratingagenturen gerade erst dazu veranlasst, Continental kritischer zu bewerten.
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Datum: 01.04.2020 - 20:45 Uhr
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