Kükentöten: Geschlechtsbestimmung im Ei verlängert das Elend der Legehennen - foodwatch kritisiert Aldi-Initiative
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"Wenn Handelsgiganten wie Aldi ankündigen, auf das Kükentöten zu verzichten, beendet das nicht das Elend von Millionen Legehennen. Die heute in der Agrarindustrie eingesetzten Hochleistungs-Legehennen legen sich buchstäblich krank. Die enorme Legeleistung bezahlt jede zweite Henne mit Knochenbrüchen, weil das Kalzium aus den Knochen gezogen und für die Schalenbildung verwendet wird. Hinzu kommen ausgeprägter Kannibalismus und schmerzhaft veränderte Fußballen. An Krankheit und Leid von Legehennen wird die Geschlechtsbestimmung im Ei und anschließende Aussortierung männlicher Hühnerembryonen rein gar nichts ändern", sagte Matthias Wolfschmidt, Veterinärmediziner und internationaler Strategiedirektor bei foodwatch. "Die weit verbreiteten und schwerwiegenden Verstöße gegen das im Grundgesetz verankerte 'Staatsziel Tierschutz' ignoriert die Bundesregierung hartnäckig. Wir brauchen endlich eine gesetzlich vorgeschriebene, betriebsgenaue Erfassung der Tiergesundheit in allen Ställen. Nur damit werden die unhaltbaren Zustände ans Licht kommen. Mit der 'In-ovo-Geschlechtsbestimmung' wird das Elend der Legehennen ungebremst weitergehen. Und, wie gewohnt, wird die Bundesregierung die Verbraucherinnen und Verbraucher dafür verantwortlich machen."
Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, das Kükentöten bis zur Mitte der Legislaturperiode - also zum Herbst 2019 - zu beenden. Doch noch immer werden laut Bundesagrarministerium jährlich etwa 45 Millionen männliche Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet, weil sie keine Eier legen und also wirtschaftlich wertlos sind. Die Aufzucht ist unwirtschaftlich, weil die Hähne der auf extreme Legeleistung gezüchteten Rassen kaum Fleisch ansetzen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner setzt auf eine rein freiwillige Vereinbarung mit der Geflügelwirtschaft und zudem ausschließlich auf technische Verfahren. An den katastrophalen Zuständen in der Legehennenhaltung ändere sich jedoch nichts, wenn im Brut-Ei das Geschlecht bestimmt würde und männliche Küken nicht auf die Welt kämen, so die Kritik von foodwatch.
Das Bundesverwaltungsgericht hat in einem Urteil vom 13. Juni 2019 erklärt, dass das Töten männlicher Küken nicht mit dem Grundsatz des Tierschutzes vereinbar ist - übergangsweise darf die umstrittene Praxis jedoch ohne konkrete Befristung fortgesetzt werden.
Bei der sogenannten "In-ovo-Geschlechtsbestimmung" werden durch verschiedene Methoden, zum Beispiel mit einem speziellen Infrarot-Lichtstrahl, die männlichen Hühnerembryonen identifiziert und anschließend aussortiert. Diese werden nicht ausgebrütet, sondern zum Beispiel in Futtermitteln weiterverarbeitet.
Mehr Informationen und Quellen:
- Ankündigung von Aldi: http://ots.de/Dgx6sQ
- foodwatch-Report zur Legehennenhaltung: www.foodwatch.org/de/informieren/tierhaltung/report-legehennenhaltung/ (http://mailings.foodwatch.de/cp/38612467/0f338e3c18edd-q8excb)
- Millionenfaches Kükentöten: Wie die Geflügelwirtschaft den Ausstieg torpediert und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner den Koalitionsvertrag bricht (foodwatch-Pressemitteilung, 15.11.2019): http://ots.de/sYryro
- Koalitionsvertrag zu Kükentöten (S. 86): www.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/koalitionsvertrag_2018.pdf (http://mailings.foodwatch.de/cp/38612469/0f338e3c18edd-q8excb)
- Bundesagrarministerium zu Kükentöten und Geschlechtserkennung im Ei: www.bmel.de/DE/Tier/Tierwohl/_texte/Tierwohl-Forschung-In-Ovo.html (http://mailings.foodwatch.de/cp/38612470/0f338e3c18edd-q8excb)
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Datum: 07.04.2020 - 12:57 Uhr
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