Gender Pay Gap: große Lohnlücken in systemrelevanten Berufen
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Am höchsten fällt der Einkommensunterschied im Berufsbild der Fachärzt*innen aus. Während Frauen hier ein Jahresbruttogehalt von 74.600 Euro verdienen, kommen ihre männlichen Kollegen auf ein Einkommen von 95.100 Euro - eine Differenz von 25,5 Prozent. Der Frauenanteil beträgt hier rund 61 Prozent.
Auch in weiteren Berufen der Pflege und medizinischer Vorsorge stellten die Analysten Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern fest. Krankenpflegerinnen (37.700 Euro) verdienen rund 11,6 Prozent weniger als Krankenpfleger (42.200 Euro), während bei Altenpflegerinnen (32.600 Euro) und Altenpflegern (33.800 Euro) die Differenz immerhin 3,5 Prozent beträgt. Es handelt sich hier um Arbeitsfelder, in denen vorwiegend Frauen beschäftigt sind (Gesundheits- und Krankenpflege 80 Prozent Frauenanteil; Altenpflege 77 Prozent Frauenanteil).
Lohnlücken im Einzelhandel & in der Lebensmittelbranche: viele Frauen mit weniger Gehalt
Mit 88 und 77 Prozent sind auch die Berufe der Kassierer*innen und die der Einzelhandelskaufleute von Frauen dominierte Arbeitsfelder. Eine Einzelhandelskauffrau in der Lebensmittelbranche verdient 27.100 Euro und ihr männlicher Kollege 32.700 Euro, also 19,8 Prozent mehr. Bei Kassiererinnen beträgt die Lohnlücke -7,1 Prozent (Frauen: 27.200 Euro; Männer: 29.200 Euro).
Von der Apothekerin bis zur Online-Redakteurin: systemrelevant, aber schlechter bezahlt
Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in den übrigen systemrelevanten Berufen dieser Analyse: Die Lohnlücken zu Ungunsten der Frauen bei Apotheker*innen (-8,2 Prozent), Erzieher*innen (-5,8 Prozent), Online-Redakteur*innen (-14,3 Prozent) und Arzthelfer*innen (-1,2 Prozent) sind in nahezu allen betrachteten systemrelevanten Berufsbildern die Regel.
"Unsere Corona-Helden sind vor allem eines: Heldinnen. In vielen Branchen und Berufsbildern werden diese Heldinnen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen", sagt Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. "Corona führt uns die Ungleichheit vor Augen - in Zukunft muss sich die aktuelle Wertschätzung dringend in mehr Gleichberechtigung äußern", so Bierbach.
Equal Pay Studie 2020: große Gehaltsdifferenzen zwischen Männern und Frauen
Bundesweit und über alle Berufsbilder hinweg beträgt die unbereinigte Entgeltlücke -23,5 Prozent und die bereinigte -7,5 Prozent zu Ungunsten der Frauen, wie die Equal Pay Studie 2020 von Gehalt.de (https://cdn.personalmarkt.de/cms/pressemitteilung-equal-pay-studie-2020.pdf) bereits im März 2020 zeigte.
Zur Methodik: Gehalt.de hat 22.097 Datensätze von Beschäftigten aus ausgewählten systemrelevanten Berufen analysiert. Diese Berufe gehen aus einer Liste der Gesundheitsministerien einzelner Bundesländer (https://www.land.nrw/de/pressemit teilung/neue-leitlinie-bestimmt-personal-kritischer-infrastrukturen) hervor. Diese Pressemitteilung soll keine vollständige Liste aller systemrelevanter Berufe abbilden. Die Daten stammen größtenteils von Fachkräften und sind maximal 12 Monate alt.
Bei den Gehaltsangaben handelt es sich um Bruttojahresgehälter im Median auf Basis einer 40 Stundenwoche und 28 Urlaubstagen - inklusive variabler Bestandteile wie Boni, Prämien, Tantiemen, Provisionen und möglicher Überstundenvergütung. Die Entgeltlücke wurde in der vorliegenden Auswertung nur nach der Berufsgruppe bereinigt. Faktoren wie Region, Berufserfahrung und Bildungsabschluss wurden nicht berücksichtigt. Die Entgeltlücken sind als Differenz des Jahresgehaltes beider Geschlechter im Verhältnis zum Gehalt der Männer zu verstehen.
So lesen Sie die Daten: Der Median beschreibt die Mitte aller Daten: 50 Prozent liegen über dem Wert, 50 Prozent darunter. Der Median ist daher genauer als der Durchschnittswert, der durch Ausreißer verzerrt werden kann. Q1 bedeutet, 25 Prozent der Gehälter liegen unter diesem Wert, Q3 bedeutet, 25 Prozent der Gehälter liegen über diesem Wert.
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Datum: 27.04.2020 - 09:45 Uhr
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