Chancen der E-Zigarette für Rauchentwöhnung werden in Deutschland massiv unterschätzt / Wissenschaftler fordern: Politik muss Potenzial in Blick nehmen und Forschung besser unterstützen
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Stöver bezeichnete das hochkarätig besetzte Online-Symposium, das von über 800 Personen im Web verfolgt wurde, als Erfolg. Er sagte: "Die Vortragenden haben den aktuellen Forschungsstand zur E-Zigarette differenziert aufbereitet und die Chancen für die Rauchentwöhnung in den unterschiedlichen Kontexten klar aufgezeigt."
Die wichtigsten Aussagen und Erkenntnisse im Überblick
Dr. med. Thomas Hering , Facharzt für Pneumologie, Allergologie und Schlafmedizin mit dem Schwerpunkt Tabakentwöhnung, bezeichnete es als weit verbreitete gravierende Fehleinschätzung, dass E-Zigaretten genauso schädlich seien wie Tabakzigaretten. Er berichtete, dass E-Zigaretten als Ersatzprodukte bei der Rauchentwöhnung wesentlich besser angenommen würden als beispielsweise nikotinhaltige Kaugummis.
Prof. Dr. med. Martin Storck , Direktor der Klinik für Gefäß- und Thoraxchirurgie am Städtischen Klinikum Karlsruhe, stellte klar, dass Nikotin selbst Krankheiten wie Arteriosklerose nicht fördere. Die schädliche Wirkung gehe vom Tabakrauch aus. Erfahrungen aus Schweden und Norwegen zeigten, dass die Raucherquote in der Bevölkerung durch die Verwendung von Ersatzprodukten wie Snus deutlich gesenkt werden könne. Storck sagte, dass Langzeitdaten zu E-Zigaretten und Tabakerhitzern derzeit noch ausstünden. Er sprach sich für eine differenzierte Risikokommunikation an Raucher aus, die die Potenziale der E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung explizit berücksichtige.
Ute Mons, Epidemiologin und Public-Health-Wissenschaftlerin am Deutschen Krebsforschungszentrum sagte: "Im bestimmungsgemäßen Gebrauch haben E-Zigaretten nur einen Bruchteil des Krebsrisikos von Tabakzigaretten." Ein Umstieg sei daher auf jeden Fall zu begrüßen. Sämtliche ihr bekannten Studien hätten das Potenzial von E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung deutlich gezeigt. Natürlich sei eine vollständige Entwöhnung wünschenswert, aber in der Praxis oft nicht realistisch. Von sogenanntem dualem Konsum, also dem Rauchen von Verbrennungs- und E-Zigaretten riet sie in jedem Fall ab. Es sei weiterhin erstaunlich, sagte Mons weiter, dass die ausgewogene und differenzierte Risikokommunikation bei Rauchern in Deutschland nicht ankomme. Sie kritisierte zugleich, dass die politische Unterstützung für den Forschungsansatz der Risikominimierung derzeit noch nicht ausreichend vorhanden sei. Forschungsanträge würden abgelehnt, in Großbritannien sei man in der Diskussion und der sachlich-nüchternen Bewertung von Möglichkeiten der E-Zigarette bei der Rauchentwöhnung viel weiter.
Daniela Jamin, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences und Mitautorin des Ratgebers E-Zigarette, ergänzte, dass der Irrglaube, dass E-Zigaretten gefährlicher als klassische Zigaretten seien, selbst unter Ärzten und Apothekern weit verbreitet sei. So würden 69 Prozent der Ärztinnen und Ärzte und sogar 91 Prozent der Apothekerinnen und Apotheker das Konzept der Risikominimierung gar nicht kennen und sich unzureichend über die E-Zigarette informiert fühlen. Es fehle daher derzeit schlicht am Faktenwissen. Außerdem verwies Jamin auf die Chancen der E-Zigarette im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Sie befürwortete die Organisation von Gesundheitstagen und die Verstärkung entsprechender Informationsangebote in Unternehmen.
Stöver kündigte das nächste Symposium zur E-Zigarette für den 15. Oktober 2020 an. "Uns geht es darum, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in konkretes politisches Handeln umgesetzt werden können. Daher werden wir weiter daran arbeiten, den für Raucherinnen und Raucher vielversprechenden Ansatz der Risikominimierung, englisch Harm Reduction, in Deutschland noch bekannter zu machen. Ich glaube, dass die politische Diskussion zur Rauchentwöhnung um unsere Erkenntnisse nicht herumkommt und Harm-Reduction-Ansätze künftig stärker fördert."
Ein Video-Mitschnitt des Webinars wird in Kürze auf Youtube zur Verfügung gestellt: https://www.youtube.com/channel/UC-Kcgvz8dNU7cTrxP0Mhqqw/featured
Weitere Informationen zu dem Symposium finden Sie zudem hier: http://ots.de/7idy5t
Pressekontakt:
Prof. Dr. Heino Stöver
Studiengangsleitung Suchttherapie und Sozialmanagement in der Suchthilfe (M.A.),
FUAS
T: +49 162 133 45 33
M: hstoever@fb4.fra-uas.de
Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/136903/4607780
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Datum: 27.05.2020 - 15:41 Uhr
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