COVID-19: Risiken und Chancen für TK-Unternehmen
Roman Borovits, Senior Systems Engineer bei F5, beschreibt aktuelle Herausforderungen und Lösungen für die Telekommunikationsbranche
Veränderter Datenverkehr
Die wohl größte Herausforderung stellt die Verlagerung des Datenverkehrs von den Stadtzentren und Firmengeländen in die Vororte dar. Mobilfunknetze, die auf Berufspendler ausgelegt waren, müssen nun eine immense Anzahl von Homeoffice-Arbeitern in Wohngebieten versorgen. Ähnlich sieht es beim Breitband aus: Der Traffic verläuft nicht mehr primär über Glasfasernetze und Bürogebäude, sondern über DSL-Leitungen und Privathaushalte.
TK-Unternehmen, die ihre Netzwerke vor allem in Gewerbegebieten installiert haben, wurden kalt erwischt. Sie haben sich beholfen, indem sie Dienste für Videostreaming und Videokonferenzen drosselten. Doch Qualitätseinbußen sind keine langfristige Lösung. Netzbetreiber müssen agiler werden, um sich schnell an veränderte Traffic-Strukturen anpassen zu können. Dazu ist auch eine dauerhafte Verlagerung weg von dicht besetzten Callcentern hin zu verstärktem Homeoffice nötig.
Neuartige Angriffe
Netzbetreiber und ihre Kunden sind zudem mit neuartigen Cyberangriffen konfrontiert. Deren Entwicklung wird aktuell durch Technologieexperten verstärkt, die aufgrund von Kurzarbeit oder mangelnder Beschäftigung in die Welt des digitalen Betrugs einsteigen.
Zum Beispiel attackieren Bots verschiedene Dienste gleichzeitig. So werden gestohlene Zugangsdaten auf mehreren Internetseiten zufällig oder zielgerichtet ausprobiert.
Diese Art von Angriffen lässt sich durch aktuelle Lösungen, etwa von Shape Security, erfolgreich abwehren. Denn die Algorithmen erkennen, wenn ein Bot versucht, sich Zugang zu einem Konto zu verschaffen. Die Lösungen entdecken Verhaltensmuster, die automatisierte Angriffe kennzeichnen. Zudem kommen „Fallen“ zum Einsatz, um Cyberkriminelle anzulocken und abzulenken, damit sie keine realen Konten hacken.
Mehr Anfragen von Kunden
Dem nicht genug, müssen TK-Unternehmen und andere Dienstleister auch noch vermehrte Anrufe bewältigen. Kunden, die nun mehr Zeit haben und/oder unter finanziellem Druck stehen, hinterfragen ihre Rechnungen und Tarife. Dies erhöht die Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter der Kundenbetreuung im Homeoffice. Sind die Abläufe hier nicht digitalisiert, führt dies häufig zu frustrierten Kunden.
Doch TK-Unternehmen sollten auch weiterhin mit persönlichen Ansprechpartnern im stationären Einzelhandel präsent bleiben, um aktuelle Dienstleistungen und Geräte anzubieten. So möchten Kunden neue Lösungen wie vernetzte Sicherheitskameras oder Wearables anfassen und ausprobieren. Zusätzlich lässt sich hier Aufklärungsarbeit leisten, etwa zur falschen These, 5G-Netze würden die Pandemie verstärken. Außerdem wissen viele Menschen nicht, dass der sicherste Ort für die Verwendung eines Mobiltelefons direkt neben einer Basisstation ist, da hier das mobile Endgerät mit niedriger Leistung sendet.
Richtig reagieren
Die Bewältigung dieser Herausforderungen bei gleichzeitig anlaufendem 5G-Ausbau erfordert hohe Investitionen. Doch agile TK-Unternehmen könnten insgesamt sogar besser durch die Pandemie kommen als Firmen in vielen anderen Branchen. Denn durch die eingeschränkte persönliche Interaktion nutzen die meisten Menschen noch intensiver digitale Verbindungen, wodurch sich die Umsätze erhöhen.
Aber Vorsicht: Aufgrund des neuartigen Charakters dieser Pandemie ist die Zukunft höchst ungewiss. So sind durchaus weitere kurzfristige Veränderungen im Kommunikationsverhalten der Menschen möglich. Daher besitzt für TK-Unternehmen spätestens angesichts dieser Krise Agilität die höchste Priorität.Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
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Datum: 22.06.2020 - 12:01 Uhr
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