P. Vitalis: Die Krise des Subjekts in der katholischen Kirche – Kindesmissbrauch

P. Vitalis: Die Krise des Subjekts in der katholischen Kirche – Kindesmissbrauch

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(firmenpresse) - In vielen Ländern wurde im Zusammenhang mit der katholischen Kirche über Kindesmissbrauch berichtet. Papst Benedikt XVI. hat jetzt in seinem Hirtenbrief (20.03.2010) dazu Stellungnahme genommen. Darin wird über das Symptom gesprochen, die eigentliche Quelle des Problems aber nicht genannt.

So wird in dem Brief z.B. über die „rasche Transformation und Säkularisierung“ der Gesellschaft oder über einen tiefen sozialen Wandel gesprochen. Diese Begründungen sind viel zu allgemein gehalten. In der Tat geht es hier um die Krise des Subjekts, die sich seit den 70er Jahren immer stärker ausbreitet. Das Evangelium kann ohne eine fundierte Analyse der gesellschaftlichen Probleme nicht angemessen umgesetzt werden. Die Kirchenpolitik ist eine Politik von gestern.

Das klassische Subjekt mit seiner Triebunterdrückung ist immer weniger zu realisieren. Das Zölibat als kollektive Flucht vor dem Sexualtrieb muss als Lebensform im Hinblick auf seine Aktualität dringend überprüft werden. Die Krise des Subjekts hinterlässt ihre Spuren durch Perversion und Pornographie, wie es die vielen Leidensgeschichten erzählen.

Es geht hier nicht nur darum, die individuelle Verantwortung anzunehmen, sondern auch darum, sich um die kollektive Verantwortung zu bemühen. Die Krise des Subjekts fordert die ganze Kirche heraus, die ursprüngliche Haltung des Urchristentums zu berücksichtigen, wonach die Beziehung zu Gott nicht nur intellektuell, sondern auch kräftemäßig strukturiert sein sollte.
Eine solche kräftemäßige Beziehung würde die Chance bringen, dass die Menschen ihr Triebleben nicht unterdrücken, sondern verwandeln. Die Praxis der Missbrauchsfälle zeigt, dass die ganze westliche katholische Theologie einer Erneuerung bedarf. Die „Maßnahmen“, um „junge Menschen in Pfarreien und Schulen zu schützen“, reichen nicht aus. Der Versuch Symptome einfach nur zu verhindern, „damit sie nicht wieder geschehen“, ohne ihre Entstehungsbedingungen näher begreifen zu wollen, ist eine Symptomfalle.




Pavel Vitalis schrieb: „Peter Sloterdijks religiöse Verstellungen aus der Sicht des Urchristentums“, Norderstedt, 2008
www.wachstumstrend.de

Zum Thema siehe auch: Pal Dragos: „Vom Urchristentum zur Krise des Subjekts“, Norderstedt, 2008

Leseproben: www.pal-dragos.de


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Datum: 26.03.2010 - 08:24 Uhr
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