Ost- und West-Gehälter: gleiche Bedingungen, 3.600 Euro weniger Gehalt (FOTO)
ID: 1847658

(ots) - 30 Jahre nach der Wiedervereinigung verdienen ostdeutsche Arbeitnehmer*innen nach wie vor weniger als ihre westdeutschen Kolleg*innen. Doch lässt sich dieses Gefälle anhand von Faktoren wie Lebenshaltungskosten, Gender Pay Gap oder Branchen erklären? Die Analyst*innen von Gehalt.de sind dieser Frage anhand von 143.953 Datensätzen nachgegangen. Laut der Auswertung beträgt das Gefälle rund 7.440 Euro im Jahr (16,9 Prozent). Lediglich ein Bruchteil der Lücke lässt sich begründen. So verdienen Ostdeutsche trotz vergleichbarer Arbeit jährlich 3.600 Euro (8,1 Prozent) weniger. Außerdem sticht im Branchen- und Berufsvergleich vor allem der Industriesektor mit hohen Gehaltsdifferenzen zwischen Ost und West hervor.
Laut der Analyse von Gehalt.de beträgt das Einkommen für Beschäftigte in Westdeutschland 43.900 Euro, Arbeitnehmer*innen in Ostdeutschland erhalten einen Jahreslohn in Höhe von 36.500 Euro. Demnach beträgt die Lohnlücke insgesamt 7.400 Euro (16,9 Prozent).
8,1 Prozent weniger Gehalt - trotz nahezu identischer Arbeit
Diese Lücke lässt sich zum Teil durch bestimmte Faktoren erklären: 595 Euro (1,4 Prozent) sind auf die Firmengröße und 576 Euro (1,3 Prozent) auf die Branche zurückzuführen. Ein weiterer Faktor ist die Berufswahl - sie macht einen Unterschied von 244 Euro aus (0,6 Prozent). "Im Vergleich zum Osten sind im Westen größere Unternehmen und lukrativere Branchen vertreten, die höhere Gehälter zahlen. Die strukturellen Unterschiede zwischen neuen und alten Bundesländern erklären, warum mehr als drei Prozent des Lohngefälles auf die Faktoren Firmengrößen, Branchen und Berufe zurückzuführen sind", so Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de.
Der Einfluss der DDR-Historie ist immer noch spürbar
Zudem spielt das Geschlecht eine Rolle: 150 Euro (0,3 Prozent) stehen hiermit in Zusammenhang. Dazu Philip Bierbach: "Die DDR-Historie prägt Ostdeutschland bis heute, denn immer noch sind in den neuen Bundesländern traditionell mehr Frauen berufstätig als in den alten. Da in Deutschland Frauen bei gleicher Arbeit immer noch niedrigere Gehälter als Männer beziehen, bestärkt dies den Gehaltsunterschied zwischen Ost und West."
Lebenshaltungskosten erklären 5,3 Prozent der Lücke
Darüber hinaus haben die Analyst*innen von Gehalt.de die Lebenshaltungskosten berücksichtigt, die laut des Instituts für Wirtschaftsforschung[1] im Osten und Westen stark voneinander abweichen. So lassen sich 2.300 Euro (5,3 Prozent) des Gehaltsunterschieds auf diesen Faktor zurückführen. Andere Faktoren wie Ausbildung, Berufserfahrung oder die Position haben einen sehr geringen Einfluss - zusammengefasst kommen sie auf 0,02 Prozent.
Kleinere Lohnlücken unter Führungskräften
Die Lohnlücken variieren zudem danach, ob Beschäftigte Personalverantwortung tragen oder nicht. Unter Fachkräften beträgt die Lohnlücke insgesamt rund 6.400 Euro (15,6 Prozent), wovon sich 8,4 Prozent auf den regionalen Faktor zurückführen lassen. Bei Führungskräften hingegen ist die Lohnlücke kleiner und liegt unbereinigt bei rund 11.300 Euro (12,3 Prozent). Rund 2.400 Euro (2,6 Prozent) lassen sich hier auf den regionalen Unterschied zurückführen.
Fast 25 Prozent Lohnunterschied innerhalb der Metallindustrie
Im Branchenvergleich sticht vor allem die Metallindustrie hervor: Hier liegt die unbereinigte Lücke bei 24,5 Prozent. Beschäftigte im Osten verdienen 32.500 Euro und damit rund 10.600 Euro weniger im Jahr als Westdeutsche (43.100 Euro). "Die Metallbranche gehört zum Industriesektor und ist damit ein Bereich, dessen Vergütungsstrukturen wenig mit öffentlichen oder vergleichbaren Tarifverträgen zu tun haben", so Bierbach. Zum Vergleich: In der Dienstleistungsbranche liegt die Lücke bei 14,4 Prozent und in Krankenhäusern bei 14,2 Prozent. In der Forschung ist sie vergleichsweise gering (8,8 Prozent).
Unter den Berufsgruppen fällt die Lücke bei Zerspannungsmechaniker*innen (23,2 Prozent) und den Elektriker*innen (19,8) vergleichsweise hoch aus. Niedrig ist sie zum Beispiel unter Redakteur*innen mit 7 Prozent.
"30 Jahre nach der deutschen Einheit ist die Bundesrepublik in vielen Dingen vereint. Hinsichtlich der Gehaltsstrukturen stellen wir jedoch immer noch große Differenzen zwischen Ost und West fest, die sich nur teilweise durch strukturelle Bedingungen begründen lassen. Der regionale Faktor spielt beim Thema Gehalt offensichtlich noch immer eine große Rolle", so Bierbach abschließend.
Weitere Informationen und Inhalte finden Sie unter: https://www.gehalt.de/news/ost-west-vergleich-gehaltsunterschiede-in-deutschland
Methodik
Die Berechnung der bereinigten und der unbereinigten Lohnlücke zwischen Ost und West erfolgt mittels der sogenannten Oaxaca-Blinder-Zerlegung. Dabei wird die Lücke zerlegt in einen (oder mehrere) Teile, der (die) auf unterschiedliche Ausstattungen von Einflussfaktoren zurückzuführen ist - der verbleibende Teil ist die bereinigte Lücke nach den Faktoren Unternehmensgröße, Branche, Beruf, Geschlecht, Ausbildung, Position und Kommunikations-Anforderungen. Dies geschieht auf Basis der Gehalt.de-Datenbank und den darin erhobenen Faktoren.
Hinsichtlich der Lebenshaltungskosten wurde das Preisniveau anhand von Ergebnissen des Instituts für Wirtschaftsforschung recherchiert. Diese 5,6 Prozent werden logarithmisch in die ursprünglich ebenfalls logarithmisch berechnete Lücke integriert.
Die Analyse wurde durch Dr. Korbinian Nagel, Arbeitsmarktökonom der Gehalt.de GmbH, betreut und durchgeführt.
Die unbereinigte Entgeltlücke
Hierfür werden die Gehälter der Beschäftigten aus Ost- und Westdeutschland in ihrer Gesamtheit miteinander verglichen. Sie wird "unbereinigte" Entgeltlücke genannt, da die Verhältnisse innerhalb der beiden Gruppen ungleich sind. Es gibt zum Beispiel weitaus mehr größere Unternehmen im Westen, die höhere Gehälter zahlen können. Dadurch verschiebt sich das Lohngefälle automatisch Zugunsten des Westens und zu Ungunsten des Ostens.
Die bereinigte Entgeltlücke
In dieser Methode werden nur Gehälter unter identischen Bedingungen miteinander verglichen. Das bedeutet, dass für den Vergleich zwischen Ost- und Westgehältern die Branche, der Beruf, das Geschlecht, die Unternehmensgröße, die Ausbildung, die Lebenshaltungskosten und die Berufserfahrung der Beschäftigten gleich sind. Der einzige verbleibende Unterschied ergibt sich dann durch die Region. Da hier alle (von Gehalt.de erhobenen) Faktoren gleich sind - bis auf die Region - wird dieser Wert "bereinigte" Entgeltlücke genannt.
So lesen Sie die Daten: Alle absoluten Zahlen sind Median-Werte. Der Median beschreibt die Mitte aller Daten: 50 Prozent liegen über dem Wert, 50 Prozent darunter. Im Vergleich zum Mittelwert kann der Median weniger durch Ausreißer verzerrt werden.
Über die Gehalt.de GmbH
GEHALT.de ist das führende Gehaltsportal im deutschsprachigen Raum und gehört zur Gehalt.de GmbH. Das Hamburger Unternehmen wurde 1999 gegründet und spezialisiert sich auf digitale Vergütungsdienstleistungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Zu den weiteren Marken gehören Gehaltsvergleich.com und das Firmenkundengeschäft Compensation Partner. Seit 2019 ist die Gehalt.de GmbH mehrheitlich Bestandteil der StepStone Gruppe.
Pressekontakt:
Nick Marten
Head of Public Relations
Gehalt.de GmbH
Straßenbahnring 19 | 20251 Hamburg | Germany
mailto:marten@gehalt.de
Tel.: 040 4134 543 900
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/128884/4719736
OTS: Gehalt.de
Original-Content von: Gehalt.de, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 29.09.2020 - 09:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1847658
Anzahl Zeichen: 7921
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Hamburg
Kategorie:
Arbeit
Diese Pressemitteilung wurde bisher 376 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Ost- und West-Gehälter: gleiche Bedingungen, 3.600 Euro weniger Gehalt (FOTO)"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Gehalt.de (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Gehälter von IT-Kräften sind im Jahr 2020 um 1,6 Prozent gestiegen. Trotz Corona entwickeln sich die Löhne im Vergleich zu anderen Berufsbereichen überdurchschnittlich gut. Zu diesem Ergebnis kommen die Vergütungsanalyst*innen von Compensation Partner im Rahmen der IT-Studie 2021. Beschäft
Bonuszahlungen 2021: So hoch ist das zusätzliche Gehalt in Deutschland (FOTO) ...
Bonuszahlungen trotz Krise? Davon geht jeder Vierte Beschäftigte in Deutschland fest aus. Ein Drittel aller Arbeitnehmer sowie ca. zwanzig Prozent der Arbeitnehmerinnen rechnen im Jahr 2021 mit einer Auszahlung der variablen Vergütung. Das geht aus einer Erhebung der Hamburger Unternehmen Statista
Gender-Pay-Gap: In diesen Branchen ist die Lücke besonders groß (FOTO) ...
Bei gleichem Beruf, gleicher Position sowie gleicher Arbeit und trotz identischer Berufserfahrung und Ausbildung verdienen Frauen rund 5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Auch in systemrelevanten Branchen wie dem Lebensmitteleinzelhandel (12 Prozent) ist der Gender-Pay-Gap besonders gro
Weitere Mitteilungen von Gehalt.de
Arbeitgeber kommunizieren an den Bewerbern vorbei / Candidate Experience 2020-Umfrage von softgarden zeigt: Recruiting braucht dringend neue Standards (FOTO) ...
Während die meisten Arbeitgeber in Stellenanzeigen und Karrierewebsites aktuell auf austauschbare Reklame à la "erstklassige Karrierechancen" setzen, wünschen sich Bewerber etwas ganz anderes: Transparenz in Form von belastbaren Informationen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Recruit
Zweifach ausgezeichnet: Santander beste Bank für "Diversity& Inclusion" und "kleine und mittelständische Unternehmen" (FOTO) ...
- Santander ausgezeichnet als "Best Bank for Diversity and Inclusion" und als "Best Bank for SMEs" (kleine und mittelständische Unternehmen). - Euromoney betonte die ambitionierten Ziele von Santander in Bezug auf Diversität und Inklusion sowie die Schwierigkeiten bei der
Betriebliche Gesundheitsförderung: Bis zu 600 Euro jährlich steuerfrei vom Chef (FOTO) ...
Arbeitgeber können ihren Angestellten bestimmte Gesundheitskurse finanzieren - steuerfrei. Früher lag die Grenze bei 500 Euro im Jahr, seit 2020 sind bis zu 600 Euro möglich. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) zeigt, welche Bedingungen erfüllt sein müssen. Seit de
"Austausch ist wichtiger denn je!"- Umgang mit Corona in der Arbeitswelt als Schwerpunkt der Arbeitsschutz Aktuell Digital (VIDEO) ...
ARBEITSSCHUTZ AKTUELL Digital 2020 vom 6. - 8. Oktober 2020 mit Themenschwerpunkt Corona-Pandemie / Erstmals realisiertes Digitalformat bietet persönliche Kontakte und größere Reichweite / Staatssekretärin Katrin Schütz spricht von "Pionierleistung" der Macher / Auch Themen wie psychi




