US-Dollar: Über Einäugige und Blinde
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US-Dollar: Über Einäugige und Blinde
Das wirtschaftliche Auseinanderdriften innerhalb der Währungsunion ist für den Euro eine langfristige Hypothek, Verschuldungsprobleme belasten aber auch den US-Dollar.
In den nächsten Monaten begünstigen das stärkere Wachstum sowie ein zunehmender Zinsvorteil den Greenback gegenüber dem Euro.
Der US-Dollar verbucht in diesem Jahr Gewinne. Insbesondere gegenüber dem Euro konnte die US-Währung zulegen. Handelsgewichtet fällt das Plus aber recht bescheiden aus. Denn im Vergleich zum Japanischen Yen oder einigen Rohstoffwährungen verlor der US-Dollar sogar an Wert. Damit ist der Euro-Dollar-Rückgang bis auf 1,33 wohl vorwiegend als Euro-Schwäche zu betrachten. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung um 1,35 US-Dollar.
Über weite Teile des Vorjahres galt der Greenback als die Krisenwährung, die aufgrund der hohen Staatsverschuldung sowie einer extrem expansiven Geldpolitik erheblich abwertete. Ende November lag der Euro-Dollar-Kurs noch bei 1,51. Nachdem allerdings im vergangenen Dezember die führenden Ratingagenturen das Euromitglied Griechenland herunterstuften, geriet die Verschuldungsproblematik des Landes in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Risikoaufschläge für die Staatsanleihen erhöhten sich kräftig und lagen in der Spitze bei rund 4 Prozentpunkten gegenüber Bundesanleihen. Die Sorgen um einen griechischen Staatsbankrott sprangen teilweise auf andere schuldengeplagte Euro-Mitgliedsländer über. Der Euro wertete gegenüber US-Dollar und anderen Währungen merklich ab. Sogar die Währungsunion insgesamt wurde infrage gestellt. Kurzfristig hat sich die Situation um Griechenland etwas beruhigt. Die griechische Regierung hat ein drastisches Sparprogramm angekündigt. Die Emission von Staatsanleihen ist geglückt, die Risikoaufschläge auf griechische Papiere sowie auf Anleihen anderer Mitgliedsländern der Währungsunion sind etwas zurückgegangen. Die Regierungschefs der EU-Länder hatten zunächst ihre generelle Bereitschaft für Hilfsmaßnahmen erklärt und sich mittlerweile auf ein Rettungspaket unter Einbeziehung des IWF geeinigt. Ist die Griechenlandkrise für den Euro damit bereits ausgestanden?
Der Höhepunkt der Griechenlandsorgen scheint zunächst überschritten zu sein. Aber es werden wohl auch in der Zukunft noch Zweifel bestehen, ob die Regierung ihre Sparmaßnahmen realisieren kann. Doch die akuten Ängste dürfte die Politik weiter verringern können. Eine andere Frage ist jedoch, wie lange Griechenland eine solche Austeritätspolitik durchhalten kann oder ob schon in wenigen Jahren die Probleme in ähnlichem Ausmaß wiederkehren. Auch für andere Euromitgliedsländer wie Spanien oder Portugal, die im Vergleich zu Griechenland unter deutlich geringeren Finanzierungsschwierigkeiten leiden, gibt es mittel- und langfristig einige Fragezeichen. Diese Länder leiden nicht nur mehr oder weniger unter hohen Haushaltsdefiziten bzw. einer hohen Staatsverschuldung. Die massiven Leistungsbilanzdefizite stellen langfristig vielleicht sogar die größere Herausforderung dar. Sie sind das Resultat einer Verschlechterung der Wettbewerbsposition, die u.a. der markante Anstieg der Lohnstückkosten in diesen Ländern in den letzten Jahren belegt. Die Korrektur dieser Defizite könnte gesamtwirtschaftlich sogar schmerzlicher ausfallen als die Haushaltskonsolidierung.
Die Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion können allenfalls langfristig gelöst werden. Ein Ende der Währungsgemeinschaft ist dennoch äußerst unwahrscheinlich. Jedoch wird dieser Anpassungsprozess in einigen Euro-Ländern das Wachstum spürbar belasten. Wegen des schwachen Wachstums dürften die Inflationsrisiken in der Eurozone moderat bleiben, so dass die Europäische Zentralbank einen größeren zeitlichen Spielraum besitzt als die US-Fed, um ihre Geldpolitik wieder zu normalisieren. Niedrige Zinsen bedeuten in der Regel eine schwächere Währung. Oder strebt die EZB sogar eine höhere Inflationsrate an, da die strukturellen Anpassungsprozesse in einigen Eurozonenländern dadurch erträglicher würden? Doch der Fall einer bewusst höher angestrebten Teuerung wäre auf die Dauer noch negativer für eine Währung. Steht der Euro damit vor einer langjährigen Talfahrt?
Bevor man diese Frage bejaht, sollte man sich einfach an die Diskussion des letzten Jahres erinnern, die damals unter umgekehrten Vorzeichen stattfand. Der US-Dollar würde demnach massiv abwerten, da die USA ein beträchtliches Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit aufweisen. Die Sorge wuchs, dass die ausländischen Anleger ihr Vertrauen in den Greenback verlieren und aus der noch führenden Reservewährung fliehen könnten. Die Sparbemühungen von US-Präsident Obama kann man maximal als zaghaft bezeichnen. Der Budgetfehlbetrag unterscheidet sich nicht deutlich von dem aus Griechenland. Die Staatsverschuldung liegt, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, deutlich niedriger als in Griechenland, aber in ähnlicher Höhe wie in der gesamten Eurozone. Das US-Außenhandelsdefizit hat sich in der Rezession jedoch merklich auf 3 % am BIP verringert. Zudem stellen die USA die führende Reservewährung und den global wichtigsten Kapitalmarkt und haben damit weitere Vorteile gegenüber dem Euro. Langfristig müssen die USA auch ihre Hausaufgaben machen, d.h. ihre Defizite reduzieren. Ob nun Europäer und US-Amerikaner auf die Dauer ihre Probleme besser lösen, kann kaum vernünftig beurteilt werden. Allerdings können die politischen Prozesse in einem Staat wohl leichter durchgesetzt werden als in einer Währungsunion. Darüber hinaus haben die USA in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt, dass sie sehr rigide sparen können.
Angesichts der unklaren Langfristperspektive hilft vorerst nur die kurze Sicht. Hier hat der US-Dollar Vorteile. Die US-Wirtschaft dürfte 2010 mit rund 3 % etwa doppelt so stark wachsen wie die der Eurozone. In den USA war die Stimulierung vonseiten der Geld- und Fiskalpolitik stärker. Die neuesten Sparprogramme in einigen Ländern belasten das Wachstum in der Eurozone zusätzlich. Offensichtlich erweist sich die US-Wirtschaft aber auch als anpassungsfähiger. Die Unter-nehmen haben in den USA die Kosten deutlich verringert und nun wieder Spielraum für neue Investitionen. Die Lage am amerikanischen Arbeitsmarkt ist derzeit schwierig, jedoch mehren sich hier die positiven Signale. Eine Verbesserung ist bereits am Horizont, was die angeschlagenen US-Verbraucher stützen wird. Es gibt sicherlich noch erhebliche Probleme in der US-Wirtschaft. Der Immobilienmarkt bereitet nach wie vor Sorgen. Auch die Banken, vor allem die kleinen und mittleren, stecken teilweise in Nöten und stellen deshalb nur sehr zurückhaltend Kredite bereit. Insgesamt überwiegen allmählich die positiven Aspekte.
Die US-Notenbank kann deswegen im Jahresverlauf ihre sehr expansive Politik zurückfahren und im zweiten Halbjahr vor der EZB mit Zinserhöhungen beginnen. An den Kapitalmärkten bewegen sich die Zinsdifferenzen deshalb auch zu Gunsten des Greenback. Dies setzt den Euro-Dollar-Kurs unter Druck, im Jahresverlauf dürfte der Wechselkurs bis auf 1,30 zurückgehen. Häufig preisen die Devisenmärkte eine solche Entwicklung bereits im Vorfeld ein, so dass der US-Dollar seine Kursgewinne zum Zeitpunkt einer ersten Zinsanhebung schon abgeschlossen hat. Der Euro könnte sich danach im späten Jahresverlauf wieder erholen. Welche der beiden Währungen langfristig nun die Blinde und welche die Einäugige ist, bleibt vorerst offen. Vor Kraft strotzen beide nicht.
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Datum: 30.03.2010 - 14:17 Uhr
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