WDR COSMO: Corona-Warn-App: Angekündigte Sprachversionen für Arabisch und Russisch wackeln
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Mitte Juli hatte Regierungssprecher Steffen Seibert im Interview mit WDR COSMO verschiedene Sprachversionen der App angekündigt, darunter auch Arabisch und Russisch. Spezifisch zu Arabisch sagte er, dieses Update sei "sehr weit in der Vorbereitung". Erst vor rund sechs Wochen schrieb das Gesundheitsministerium noch an den Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir (Grüne), für die Warn-App seien "Russisch und Arabisch in Planung".
Zu den Gründen, warum ein Aus für die arabische Sprachversion erwogen wird, teilte das Bundesgesundheitsministerium WDR COSMO mit, "dass sich Arabisch wegen des Schriftbilds als herausfordernd darstellt und die Umsetzung mit einem deutlich erhöhten technischen Aufwand verbunden ist." Das Bundespressamt schrieb zudem, dass "die zu erwartenden Download-Zahlen der entsprechenden Sprachversion ins Verhältnis zum Aufwand der Übersetzung" zu setzen seien. Warum die russische Version für die Corona-Warn-App möglicherweise nicht erscheint, dafür gab das Gesundheitsministerium auch auf mehrfache Nachfrage hin keine Gründe an.
Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs, sieht das Argument des deutlich erhöhten Aufwands nicht als plausibel an. "Wenn man sich diese App anschaut, hat die einen relativ geringen Funktions- und Textumfang. Ich denke schon, dass das mit moderatem Aufwand zu schaffen sein sollte, diese App in egal welche Sprache zu übersetzen." Auch dass Arabisch von rechts nach links geschrieben wird sei kein großes Hindernis. "Im Rahmen eines Multi-Millionen-Euro-Projektes" müssten die Sprachversionen der Warn-App für Russisch und Arabisch eigentlich gut zu stemmen sein, so Computer-Experte Neumann zu WDR COSMO. Kleine, unabhängige Entwickler hätten oft deutlich weniger Geld zur Verfügung als das Warn-App-Projekt von Bundesregierung, Deutscher Telekom und SAP und könnten trotzdem Übersetzungen bewältigen.
Bereits erschienen ist die Corona-Warn-App auf Deutsch, Englisch, Türkisch, Polnisch, Rumänisch und Bulgarisch - letzteres wird wie Russisch mit kyrillischen Buchstaben geschrieben. Zudem ist laut Gesundheitsministerium noch eine Umsetzung auf Französisch vorgesehen. Einer Erhebung des Statistischen Bundesamts zufolge sind in Haushalten in Deutschland, in denen überwiegend eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird, Arabisch und Russisch deutlich häufiger verbreitet als beispielsweise Französisch und Rumänisch.
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Datum: 23.10.2020 - 12:57 Uhr
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