Hirntumoren: Gewebestammzelle wird zur Tumorstammzelle - Schlüsselmolekül für die Krebsentstehung entdeckt
ID: 185999
Hirntumoren: Gewebestammzelle wird zur Tumorstammzelle - Schlüsselmolekül für die Krebsentstehung entdeckt
Die "Wiege" neuer Nervenzellen im erwachsenen Gehirn ist gut bekannt: Es ist die so genannte subventrikulare Zone, eine Gewebeschicht entlang der seitlichen Hirnkammern. Hier sind die neuralen oder Hirn-Stammzellen angesiedelt, die im Bedarfsfall für die Bildung neuer Nervenzellen sorgen. Die subventrikulare Zone gilt lange schon auch als Keimzelle für eine bestimmte Art bösartiger Hirntumoren - die Gliome, deren gefährlichster Vertreter das Glioblastom ist.
Wissenschaftler aus den Abteilungen von Professor Dr. Günther Schütz und Professor Dr. Peter Lichter im Deutschen Krebsforschungszentrum zeigten kürzlich bei Mäusen, dass Hirn-Stammzellen in der subventrikularen Zone durch ein bestimmtes Molekül gekennzeichnet sind: Das Protein Tlx, ein so genannter Transkriptionsfaktor, regt die Aktivität verschiedener Gene an. Beim erwachsenen Tier wird Tlx ausschließlich in Hirn-Stammzellen gebildet. Schalteten die Wissenschaftler Tlx aus, so ließen sich keine Stammzellen im Gehirn mehr nachweisen und die Neubildung junger Nervenzellen versiegte. Das Funktionieren der Stammzellen ist offenbar von der Anwesenheit dieses Proteins abhängig.
In ihrer neuen Studie machten die Teams von Günther Schütz und Peter Lichter gemeinsam mit Professor Dr. Guido Reifenberger, Universität Düsseldorf, nun die Gegenprobe: Was passiert, wenn die Tlx-Produktion gesteigert wird? Durch einen molekularbiologischen Trick veranlassten die Forscher die Hirn-Stammzellen von Mäusen zur Tlx-Überproduktion. Die Folge war, dass die Zellteilungsaktivität in der subventrikulären Zone anstieg, die Zellen ihre angestammte Umgebung, die so genannte Stammzellnische, verließen und Glioblastom-ähnliche Gewebeveränderungen ausbildeten. Schalteten die Wissenschafter zusätzlich noch das Protein p53 als wichtigste Krebsbremse experimentell aus, so entstanden aus den Krebsvorläufern invasiv wachsende Glioblastome.
Darüber hinaus entdeckten die Wissenschaftler, dass Stammzellen mit gesteigerter Tlx-Produktion die Gefäßneubildung anregen. Dies ermöglicht den Zellen, in weiter entfernte Bereiche des Gehirns einzuwandern und so das typische korallenstockartige Wachstum des Glioblastoms zu erzeugen.
"Wir erkennen Hirn-Stammzellen spezifisch an ihrer Tlx-Produktion. Wenn wir diese ankurbeln, verwandelt sich die Gewebe-Stammzelle in eine Krebs-Stammzelle, aus der bösartige Glioblastome entstehen - daher können wir nun erstmals die Hirn-Stammzellen direkt für die Entstehung von Hirntumor-Stammzellen verantwortlich machen", erklärt Günther Schütz.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie auf der Basis dieser Ergebnisse aus der zellbiologischen Grundlagenforschung neue Therapien gegen das gefährliche Glioblastom entwickeln können. Tlx scheint nicht nur im Mäuse-Gehirn eine verhängnisvolle Rolle zu spielen: Im Tumorgewebe von Glioblastom-Patienten entdeckten Lichter und Reifenberger, dass das Tlx-Gen häufig vervielfältigt ist und daher mehr Tlx-Protein gebildet wird. "Offenbar sind auch beim Menschen die Hirntumor-Stammzellen auf Tlx angewiesen. Daher können wir nun versuchen, Therapien zu entwickeln, die sich ganz spezifisch gegen Tlx-produzierende Zellen richten", beschreibt Schütz die nächsten Schritte. Mit den Mäusen, deren Hirnstammzellen zuviel Tlx produzieren, steht ihm ein ideales Modellsystem für solche Untersuchungen zur Verfügung.
Ein Bild zur Pressemitteilung steht im Internet zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de
Bildquelle: Deutsches Krebsforschungszentrum, Haikun Liu
Bildunterschrift: Glioblastom-ähnliche Gewebeveränderung im Gehirn von Mäusen, die zuviel Tlx produzieren
Hai-Kun Liu, Ying Wang, Thorsten Belz, Dagmar Bock, Andrea Takacs, Bernhard Radlwimmer, Sebastian Barbus, Guido Reifenberger, Peter Lichter und Günther Schütz: The nuclear receptor tailless induces long term neural stem cell expansion and brain tumor initiation. Genes Development, 1. April 2010
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.
Diese Pressemitteilung ist abrufbar unter http://www.dkfz.de
KontaktDr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968
presse@dkfz.de
http://www.dkfz.de
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 01.04.2010 - 19:17 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 185999
Anzahl Zeichen: 6164
pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 616 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Hirntumoren: Gewebestammzelle wird zur Tumorstammzelle - Schlüsselmolekül für die Krebsentstehung entdeckt"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
e für krebskranke Kinder Das Ziel ist es, deutschlandweit bei allen Kindern mit Krebsrückfällen nach Erbgutveränderungen zu suchen und herauszufinden, ob es Medikamente gibt, die zu genau diesem Tumor passen. Die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Kinderkrebsstiftung unterstützen nun eine
Gezielte Oxidation steuert Zellfunktionen ...
n steuert Zellfunktionen Wasserstoffperoxid (H2O2) ist ein starkes Oxidationsmittel: Es blondiert Haare, bleicht Zähne und desinfiziert Wunden. Aber H2O2 entsteht auch im Körper selbst, unter anderem als Stoffwechselprodukt der Zellatmung. Es zählt zur Gruppe der reaktiven Sauerstoffspezies (e
Erbgutanalyse von Hirntumoren wegweisend für neue Behandlungsstrategien ...
Heidelberg ? Als Teil des Internationalen Krebsgenom-Konsortiums untersucht ein Verbund von Wissenschaftlern unter der Federführung des Deutschen Krebsforschungszentrums systematisch das Erbgut kindlicher Hirntumoren (Medulloblastome und pilozytische Astrozytome). Bereits bei der ersten Datenausw
Weitere Mitteilungen von Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ)
Neue Studie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie untersucht Lernleistung im Alter - Probanden ab 80 Jahre noch gesucht ...
- Schlechtes Gedächtnis und abnehmende Lernfähigkeit sind natürliche Erscheinungen des Alterns. Doch Ausmaß und Geschwindigkeit dieser eigentlich normalen Prozesse können individuell stark variieren. Welche Voraussetzungen in der Struktur und Funktion des Gehirns gegeben sein müssen, damit sic
Sanaform.de ++ Neuer Webauftritt inkl. Online-Shop für neuartiges Abnehmprodukt ...
München, 1. April 2010 – Die Sanaform GmbH startet zur breiten Markteinführung ihres Abnehmmittels Sanacontrol eine neue Homepage mit integriertem Onlineshop. Der neue Webauftritt wurde am 1. April ins Netz gestellt. Interessierte können ab sofort auf www.sanaform.de die Gesundheits- und Wellne
„Strategien gegen Stress“ für den Gesundheitsstandort Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis ...
Vier von fünf Deutschen empfinden ihr Leben als stressig und jeder Dritte gibt an, unter Dauerstress zu stehen. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Stress sogar als das Gesundheitsrisiko Nr. 1 des 21. Jahrhunderts eingestuft. Das da Vinci Zentrum Rheinland als führender Experte auf
Skandal um fehlerhafte Brustimplantate in Frankreich: ...
Dieburg, 01. April 2010. Aktuellen Medienberichten zufolge hat der französische Hersteller von Silikonimplantaten, Poly Implant Prothèse (PIP), nicht zugelassenes Silikon für die Produktion von Brustimplantaten in Frankreich verwendet. "Viele Frauen mit Brustimplantaten müssen möglicherwei




