Diakonie und Caritas: Soziale Einrichtungen nicht im Regen stehen lassen
ID: 1868839
Und über all dem schwebt wie ein Damokles-Schwert die Sorge um eine nachhaltige Finanzierung der Einrichtungen. So fassen Caritas-Präsident Peter Neher und Diakonie-Präsident Ulrich Lilie in einer gemeinsamen Pressekonferenz die gegenwärtige Lage in den beiden größten Wohlfahrtsverbänden Deutschlands zusammen.
Rettungsschirme nicht auskömmlich
Die staatlichen Rettungsschirme kompensieren das Corona-bedingte Defizit nur in gut 30 Prozent der sozialen Einrichtungen. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Umfrage der Bank für Sozialwirtschaft unter Akteuren des Sozial- und Gesundheitswesens, aus der Neher und Lilie heute erste Ergebnisse vorgestellt haben.
"Die Rettungsschirme, die die Politik gespannt hat, helfen sehr, die Folgen der Pandemie in unseren Einrichtungen und Diensten abzufedern. Sie können aber nicht alles auffangen", so Diakonie-Präsident Lilie. "Und jetzt schon ist absehbar, dass wir über den 31. März hinaus an Lösungen denken müssen. Denn wir werden bis dahin mitnichten wieder in einem normalen Modus sein."
Soziale Einrichtungen, die wegen Abstandsregeln nicht wie gewohnt ihre Dienste anbieten oder die normalerweise zur Verfügung stehenden Plätze belegen können, sind sowohl mit rückläufigen Einnahmen konfrontiert als auch mit zusätzlichen Aufwendungen. Es müssen zum Beispiel Baumaßnahmen finanziert werden, etwa um Menschen voneinander abzuschirmen, oder zusätzliches Personal, zum Beispiel um Corona-Tests durchzuführen. Gemeinnützige Träger haben aber keine finanziellen Rücklagen, von denen sie schöpfen können.
Notlagen verschärfen sich
Die Präsidenten beider Verbände sind besorgt um die Existenz der sozialen Angebote - in einer Zeit, in der diese in besonderer Weise und zunehmend gebraucht werden.
"Die Kolleginnen und Kollegen in den Beratungsstellen merken, dass sich die Notlagen verschärfen - nicht nur die finanziellen, auch die emotionalen und psychischen. Sie erwarten, dass sich diese Situation noch zuspitzen wird", so Caritas-Präsident Neher. "Die Menschen sind auf eine verlässliche soziale Infrastruktur angewiesen, auf Hilfe, die unsere Dienste nur anbieten können, wenn es sie noch gibt und wenn sie refinanziert werden."
Weihnachten als Fest der Hoffnung
Akut sind Einrichtungen und Dienste mit den Vorbereitungen der Weihnachtszeit gefordert. Das stellt vor allem die Einrichtungen in der Altenhilfe vor enorme Herausforderungen. "Die Isolation der Bewohnerinnen und Bewohner soll bei größtmöglichem Schutz vermieden werden. Dazu braucht es Testkapazitäten vor Ort, aber auch Personal, das durch Infektionen und Quarantäne-Maßnahmen von Tag zu Tag knapper wird. Die Personalsituation in der Pflege ist die größte Herausforderung. Es waren schon vor der Pandemie zu wenige Pflegekräfte im Einsatz. Corona hat gezeigt, dass das Pflegesystem dringend reformiert werden muss. Das ist die größte sozialpolitische Aufgabe 2021", so Lilie.
Die Einrichtungen und Dienste von Caritas und Diakonie setzen alles daran, dass Weihnachten auch dieses Jahr ein Fest der Hoffnung wird. Mit viel Fantasie wird versucht, Vieles möglich zu machen.
Gerade in der Pflege ist die Lage sehr angespannt, die Mitarbeitenden sind erschöpft. Dennoch wird es in den meisten Häusern Weihnachtsfeiern für die Bewohnerinnen und Bewohner geben, wenn auch nüchterner als sonst; viele haben spezielle Besuchskonzepte für die Weihnachtstage entwickelt. Auch in anderen Bereichen, beispielsweise in der Wohnungslosenhilfe und in der Jugendhilfe, gibt es Konzepte und Ideen, um Weihnachten trotz aller Widrigkeiten zu feiern.
Für ihr hohes Engagement und ihren Erfindungsgeist, natürlich auch über Weihnachten hinaus, danken Neher und Lilie sehr herzlich allen Mitarbeitenden beider Verbände. "Dieses Jahr hat die Mitarbeitenden viel Kraft gekostet. Sie haben hohen Einsatz gezeigt - und manche haben in ihrem Dienst an den Menschen auch ihre Gesundheit riskiert. Das wollen wir nicht vergessen und sind sehr dankbar dafür", so die Präsidenten.
Caritas
Die Caritas organisiert die soziale Arbeit der katholischen Kirche. Etwa 693.000 Menschen arbeiten beruflich in den über 25.000 Einrichtungen und Diensten, die der Caritas deutschlandweit angeschlossen sind. Sie werden von mehreren hunderttausend Ehrenamtlichen und Freiwilligen unterstützt. Gemeinsam betreuen und begleiten sie in Deutschland rund 13 Millionen Menschen im Jahr.
Diakonie
Die Diakonie ist die soziale Arbeit der evangelischen Kirchen. Bundesweit sind etwa 599.282 hauptamtliche Mitarbeitende in rund 31.600 ambulanten und stationären Diensten der Diakonie wie Pflegeheimen und Krankenhäusern, Beratungsstellen und Sozialstationen mit 1,18 Millionen Betten/Plätzen beschäftigt. Der evangelische Wohlfahrtsverband betreut und unterstützt jährlich mehr als zehn Million Menschen. Etwa 700.000 freiwillig Engagierte sind bundesweit in der Diakonie aktiv.
Zur Umfrage
Die Bank für Sozialwirtschaft befragt noch bis zum 20. Dezember 2020 Vorstände und Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer des Sozial- und Gesundheitswesens zu den Auswirkungen der Pandemie insbesondere auf ihre finanzielle Situation. Die hier vorgestellten Ergebnisse entsprechen dem Stand zum 11. Dezember 2020. Die Bank für Sozialwirtschaft wird die endgültigen Ergebnisse im Januar veröffentlichen. Mehr zur Umfrage unter http://www.sozialbank.de/covid-19/umfrage
Pressekontakt:
Kathrin Klinkusch, Pressesprecherin Diakonie Deutschland, Tel. +49
30-65211-1878, Email: kathrin.klinkusch@diakonie.de, www.diakonie.de
Mathilde Langendorf, Pressesprecherin Deutscher Caritasverband, Tel. +49 30
28444 743, Email: mathilde.langendorf@caritas.de, www.caritas.de
Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/111550/4792725
OTS: Diakonie Deutschland
Original-Content von: Diakonie Deutschland, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 16.12.2020 - 12:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1868839
Anzahl Zeichen: 6802
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Soziales
Diese Pressemitteilung wurde bisher 301 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Diakonie und Caritas: Soziale Einrichtungen nicht im Regen stehen lassen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Diakonie Deutschland (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Probleme in der Pflege sind seit langem bekannt: Die bereits sehr hohen Eigenanteile für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen steigen weiter, es fehlt an Personal und an Angeboten zur Entlastung von Angehörigen. Fünf Millionen Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig; mehr als dre
Presseeinladung und Terminhinweis (13. Juli 2022): Belastung einkommensschwacher Haushalte durch die Inflation ...
Unter anderem aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf globale Lieferketten und des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, erfuhren deutsche Haushalte im ersten Halbjahr 2022 einen Preisanstieg für Konsumgüter des täglichen Bedarfs, wie es ihn in der Zeit seit der Wiedervereini
Pflege braucht Aufwind: Ballon-Aktion der Diakonie zum Tag der Pflege (FOTO) ...
Unter dem Motto "Pflege braucht Aufwind" fordern Mitarbeitende der Diakonie in ganz Deutschland bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit. Am heutigen Tag der Pflege ließen sie an rund 250 Standorten lila Ballons steigen. Diese sind eine Mahnung an die Politik, den Ankündigungen endli
Weitere Mitteilungen von Diakonie Deutschland
29. Deutscher Feuerwehrtag soll 2022 stattfinden / Veranstaltung vom 20. bis 25. Juni parallel zur Interschutz / Sicherheit der Feuerwehrangehörigen hat Priorität ...
Der 29. Deutsche Feuerwehrtag soll vom 20. bis 25. Juni 2022 stattfinden: "Eine Großveranstaltung mit der Zielgruppe systemrelevanter Angehöriger der Gefahrenabwehr kann nur stattfinden, wenn das System dadurch nicht gefährdet wird. Dies ist unter den aktuellen Voraussetzungen für 2021 nich
meistro Stiftung unterstützt 350 Corona-Pfleger mit Einkaufsgutscheinen ...
Die Corona-Pandemie hatte das Jahr 2020 fest im Griff und wird uns auch im kommenden Jahr weiter begleiten. Neben den Herausforderungen für Gesellschaft und Wirtschaft steht eine Berufsgruppe oftmals im Hintergrund, die aber bei der Bekämpfung und Behandlung der Corona-Infektionen an vorderster Li
Covid-19 verstärkt Hunger und Mangelernährung weltweit / Save the Children warnt vor Anstieg von Kindersterblichkeit ...
Mangelernährung infolge der Covid-19-Pandemie erhöht das Sterberisiko von Kindern weltweit: Mehr als 150 Kinder zusätzlich pro Tag könnten in den kommenden zwei Jahren an den Folgen von Mangelernährung sterben, wenn nicht rasch gegengesteuert wird, warnt Save the Children in einem neuen Bericht
NDR Fernsehen startet in Hamburg Testbetrieb zu Verbesserung der Sprachverständlichkeit ...
Um die Sprachverständlichkeit und Barrierefreiheit im Fernsehen zu verbessern, hat der der NDR den Fernsehbegleitton "Klare Sprache" in Betrieb genommen. Das zusätzliche Audiosignal ist in Hamburg über den DVB-T2-Multiplex (K40, 626 MHz) zu empfangen. Damit möchte der NDR dem Wunsch v




