Erneut Vorwürfe gegen Agrarbetrieb wegen Ausbeutung von Arbeitern
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Für zwei Wochen habe der Mann 635 Euro ausgezahlt bekommen, sagt Catalina Guia, die für "Arbeit und Leben", eine unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund getragenen Weiterbildungseinrichtung, Wanderarbeiter berät. Sie hat dem Mann und 9 weiteren Rumänen geholfen, die Baumschule zu verlassen. Wenn der Landarbeiter - wie er sagt - 108 Stunden gearbeitet hat und zu dem Auszahlungsbetrag noch 130 Euro für die von der Baumschule übernommene Anfahrt aus Rumänien und 71 Euro für die laut Sozialrecht geltende Unterkunftspauschale hinzukommen, betrug der Stundenlohn nur knapp 8 Euro. Das liegt weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 9,50 Euro. Abrechnungen habe ihm die Baumschule nicht gegeben, erzählt der Mann.
Für seinen Lohn leistete der Rumäne sehr harte Arbeit: "Ich habe täglich 250 Bäume in ein Verpackungsmaterial eingewickelt und dann auf einen Lkw geladen", sagt der Mann. "Jeder Baum wog 30 bis 40 Kilogramm, wenn er trocken war, wenn er nass war, noch mehr, und meistens waren sie nass." Auf dem Feld habe er Setzlinge gepflanzt, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Den Arbeitsvertrag auf Deutsch habe er unterschreiben müssen, obwohl er ihn nicht verstanden habe, erzählt der Rumäne weiter. "Ich habe auch keine Kopie bekommen."
Ein Kollege des 20-Jährigen erhob ähnliche Vorwürfe. Der Inhaber der Baumschule habe einem Rumänen gedroht, ihn mit einem Messer oder einer Pistole zu verletzen, wenn er schlecht arbeite. Die Wohncontainer seien kaum geheizt gewesen. Anti-Corona-Masken hätten sich die Arbeiter selbst besorgen müssen.
Beraterin Guia erzählt, dass auch mehrere andere Rumänen die Vorwürfe bestätigt hätten. Als sie sich beschwerten, sei ihnen fristlos gekündigt worden. Sie hätten den Betrieb und die Wohncontainer sofort verlassen müssen. "Sie saßen stundenlang vor dem Werkstor, ohne Pässe und ohne Geld und in der Kälte", so Guia. Erst als die Polizei anrückte, habe die Baumschule die Pässe herausgegeben, und nur nach Intervention der Beratungsstelle hätten sie ihren Lohn bekommen.
Die Baumschule wies die Vorwürfe als falsch zurück. Belege führte sie nicht an. Das Unternehmen schrieb der taz lediglich, es könne nicht auf Details eingehen, weil die Behörden sich mit dem Fall befassten. Die zuständige Staatsanwaltschaft Krefeld teilte mit, sie prüfe, ob ein Anfangsverdacht vorliege.
300.000 Saisonkräfte, die vor allem aus Osteuropa kommen, reisen in normalen Jahren ein. Die Landwirte brauchen sie etwa für die in wenigen Wochen beginnende Spargelernte. Danach holen Erntehelfer zum Beispiel Erdbeeren vom Feld.
Die Bundesregierung diskutiert derzeit, ob Landwirt*innen die Arbeitskräfte wie im Coronajahr 2020 bis zu 115 Tage ohne reguläre Sozialversicherung beschäftigen dürfen sollen, um die Zahl der reisenden Helfer*innen und somit das Coronarisiko zu reduzieren. In den Jahren ohne Pandemie hatte die Schwelle bei 70 Tagen gelegen. Mit Folgen für die Aushilfen: Auf diesem Weg angestellte Osteuropäer*innen müssen laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) die Behandlungskosten mitunter selbst zahlen. Zudem würden der deutschen Sozialversicherung hohe Summen an Beiträgen verloren gehen. Für die Arbeitgeber sind Verstöße etwa gegen das Mindestlohngesetz nur Einzelfälle. Zudem würden die meisten Betriebe eine private Krankenversicherung für ihre Saisonkräfte abschließen.
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Datum: 22.03.2021 - 11:06 Uhr
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