Hören und Verstehen mit dem Hörakustiker trainieren / Hören mit dem ersten Hörgerät will erst wieder gelernt werden
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Ein vom Hörakustiker individuell angepasstes Hörsystem kann Defizite des Gehörs bestmöglich ausgleichen. Wenn man davor eine Weile nicht mehr gut gehört hat, muss das Gehirn aber erst wieder lernen, die vielen Signale einzuordnen, die es dank Hörsystem plötzlich wieder empfängt. Mit einem Hörsystem klingen sie darum zunächst oft ungewohnt und um ein Vielfaches lauter, als man es in Erinnerung hat. Hörakustikerinnen und Hörakustiker führen deshalb im Rahmen einer Hörsystemversorgung grundlegende Hörübungen durch, die die Gewöhnung ans Hören mit Hörsystem fördern. Diese intensive und individuelle Betreuung und Beratung, bei Bedarf sogar über mehrere Wochen hinaus, ist ein wesentlicher und fester Bestandteil der Versorgung beim Hörakustiker vor Ort.
"Um die Höreindrücke ihrer Umwelt besser wahrzunehmen und die Mitmenschen besser zu verstehen, sollten Schwerhörige, die erstmals mit einem Hörsystem versorgt sind und bei denen eine Hörentwöhnung festgestellt wurde, möglichst ab dem ersten Tag gezielte Hörübungen machen", empfiehlt Marianne Frickel, Hörakustiker-Meisterin und Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker (biha).
Mit den Übungen wird neben dem Verstehen von Wörtern auch das akustische Gedächtnis, das Hören von Unterschieden und das Herausfiltern von Geräuschen trainiert. In der Gewöhnungsphase an das Hörsystem sind vor allem Geduld und Ausdauer gefragt, denn die Hörsystemanpassung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess. Es braucht Zeit sich an das wiedergewonnene Hörvermögen zu gewöhnen, das Hörsystem richtig zu bedienen und gemeinsam mit dem Hörakustiker auf die individuellen Bedürfnisse abzustimmen.
Gezielte Hörübungen unterstützen die Aktivierung des Hörzentrums im Gehirn, denn dieses kann sich nicht so schnell auf die neuen Höreindrücke einstellen. Am Anfang ist es daher ratsam, schwierige Hörsituationen mit viel Stimmengewirr, wie z.B. bei einem Restaurantbesuch, zu vermeiden. Denn dem Gehirn unbekannte Klänge drängen sich zunächst in den Vordergrund, auch wenn sie nebensächlich sind. Geräusche, die über einen längeren Zeitraum nicht wahrgenommen wurden, werden anfangs als störend erlebt. Das Gehirn muss sich erst umstellen, um das herauszuhören, was wichtig ist und Unwichtiges zu überhören. Es kann helfen Erfahrungen sowie positive und negative Situationen aufzuschreiben und diese mit dem Hörakustiker gemeinsam zu besprechen. Für diejenigen, die zu Hause mit dem Tablet üben wollen, gibt es Apps, die das Training unterstützen.
Hintergrund zum Hörakustiker-Handwerk
In Deutschland gibt es etwa 5,4 Millionen Menschen mit einer indizierten Schwerhörigkeit. Schwerhörigkeit zählt zu den zehn häufigsten gesundheitlichen Problemen. Mit über 6.800 Hörakustiker-Betrieben und ca. 15.000 Hörakustikern versorgt das Hörakustiker-Handwerk bereits ca. 3,7 Millionen Menschen in Deutschland mit modernsten Hörsystemen. Die Bundesinnung der Hörakustiker (biha) KdöR vertritt die Interessen der Hörakustiker in Deutschland.
Die Versorgungsqualität im Bereich von Hörsystemen ist in Deutschland sehr gut, das bestätigt die größte jemals von gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) durchgeführte Versichertenbefragung zur Hörsystemversorgung in Deutschland. Rund 90 Prozent der Versicherten waren "sehr zufrieden" oder "zufrieden" mit der individuellen Versorgungssituation. Und das unabhängig davon, ob der Versicherte eine mehrkostenfreie Versorgung gewählt oder eine private Zuzahlung geleistet hat.
Neben der Erstversorgung des Kunden ist der Hörakustiker auch für die begleitende Feinanpassung mit wiederholten Überprüfungen und Nachstellungen der Hörsystemfunktionen u.v.m. zuständig. Er berät zu Gehörschutz, Tinnitus und allem rund ums Hören.
Pressekontakt:
Michael Skwarciak, M.A. (biha), skwarciak@biha.de
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Datum: 31.05.2021 - 10:14 Uhr
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