Müssen Landwirte Einnahmen aus der Flächenüberlassung für naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen sofort versteuern-
ID: 1943368
Frühere Meinung der Finanzverwaltung: Einnahmen sind sofort zu versteuern
Ein Landwirt muss für mehrere Jahre für die ordnungsgemäße Bewirtschaftung der Ausgleichsflächen sorgen. Dafür bekommt er schon im Voraus Geld für die gesamte Laufzeit des Vertrags. Muss er diese Betriebseinnahme bereits bei Erhalt der Zahlung in voller Höhe versteuern?
Laut BMF-Schreiben vom 03.08.2004 müssen Landwirte mit Gewinnermittlung durch Einnahmeüberschussrechnung die Einnahmen aus Ausgleichsflächen sofort versteuern. Sie erzielen also einmalig einen hohen Gewinn. Dieser geht durch den Progressionseffekt des Steuersatzes mit einer ungünstigen einmaligen Steuermehrbelastung einher.
Landwirte, die ihren Gewinn nach Durchschnittssätzen ermitteln (13a-Betriebe), mussten die Einnahmen aus der Überlassung landwirtschaftlicher Flächen nicht gesondert versteuern, da diese mit dem Grundbetrag (350 Euro/Hektar) abgegolten waren.
Finanzverwaltung ändert ihre Rechtsauffassung: Einnahmen lassen sich über mehrere Jahre verteilen
Die Finanzverwaltung ändert nun ihre Ansicht (BMF-Schreiben vom 11.10.2021). Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs aus dem Jahr 2019. Jetzt gilt für Einnahmenüberschussrechner: Landwirte, die im Voraus eine Zahlung für einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren erhalten, dürfen die Betriebseinnahme über die gesamte Vertragsdauer verteilen. Voraussetzung ist, dass sie die Flächen für einen zeitlich bestimmbaren Zeitraum überlassen.
Beispiel:
Ein Landwirt bekommt im Jahr 2022 von einer Gemeinde 50.000 Euro für eine Ausgleichsmaßnahme. Für das Geld muss er 20 Jahre lang die naturschutzrechtlichen Auflagen einhalten und die Flächen pflegen. Nach der Neuregelung muss er bis 2041 pro Jahr nur 2.500 Euro versteuern. Früher hätte das Finanzamt bereits 2022 die vollen 50.000 Euro als Gewinn des Landwirts angesetzt.
Was das für 13a-Betriebe bedeutet
Für 13a-Betriebe hat sich die Situation verschlechtert: Die Finanzverwaltung setzt die erhaltenen Zahlungen aus der Flächenüberlassung nun als zusätzliche Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung an. Sie wird in Zukunft allerdings den Grundbetrag von 350 Euro für diese Flächen nicht mehr ansetzen. Denn: Die Flächen gelten nicht mehr als selbst bewirtschaftet. Genauso wie bei der Einnahmenüberschussrechnung dürfen Landwirte mit einem 13a-Betrieb Vorauszahlungen für einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren aber ebenfalls über die gesamte Laufzeit des Vertrags verteilen.
Für 13a-Betriebe gilt bei Forstflächen eine Ausnahme. Für diese müssen Landwirte den Gewinn immer zwingend unter Abzug pauschaler Betriebsausgaben ermitteln (§ 51 EStDV). „Dieser Gewinn erhöht dann die pauschalen Gewinnansätze für die landwirtschaftlich genutzten Flächen und gegebenenfalls auch für die Tierhaltung“, sagt Ecovis-Steuerberater Armin Fottner in Pfaffenhofen.
Armin Fottner, Steuerberater bei Ecovis in Pfaffenhofen
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: PresseBox
Datum: 24.11.2021 - 11:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1943368
Anzahl Zeichen: 3799
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Finanzwesen
Diese Pressemitteilung wurde bisher 239 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Müssen Landwirte Einnahmen aus der Flächenüberlassung für naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen sofort versteuern-"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
ECOVIS AG Steuerberatungsgesellschaft (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die Mittelstandsberatungen Ecovis und RTS werden ab dem 1. Januar 2025 untereinem gemeinsamen Markendach auftreten. Damit stärken sie ihre Präsenz und Expertise in Südwestdeutschland und bieten ihren Mandanten ein erweitertes Leistungsspektrum. Während RTS-Mandanten künftig Zugang zu einem der
Landwirtschaftliches Vorkaufsrecht: Wann gilt ein Verpächter als Landwirt- ...
Wenn Eigentümer Grundstücke an Nichtlandwirte verkaufen wollen, können Landwirte ein Vorkaufsrecht geltend machen. Wer jedoch im Sinne des Gesetzes als Landwirt gilt, ist immer wieder Gegenstand verschiedener gerichtlicher Auseinandersetzungen. Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs sorgt
Tarifermäßigung für Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft: Verlängerung der Erleichterungen bis 2028 ...
Die Bundesregierung hat die Tarifermäßigung bis 2028 verlängert und schafft damit Entlastung für die Landwirtschaft. Sie reagiert damit auf die Proteste der Landwirtinnen und Landwirte im vergangenen Winter gegen die geplante Streichung der Agrardiesel-Vergünstigung. Was die Maßnahmen für lan
Weitere Mitteilungen von ECOVIS AG Steuerberatungsgesellschaft
Gilt für die Testbetriebs-Prämie die Umsatzsteuerpauschalierung- ...
. Unklare Rechtslage: Greift bei der Umsatzsteuerpauschalierung eine Vereinfachungsregelung? Dienstleistungen fallen dann unter die Umsatzsteuerpauschalierung, wenn es sich um typische landwirtschaftliche Arbeiten handelt. Also, wenn Land- und Forstwirte für andere Land- und Forstwirte arbeiten. Al
Hofaufgabe: Den landwirtschaftlichen Betrieb steuerlich günstig aufgeben ...
Keine Hofnachfolge in Sicht, eine nicht zufriedenstellende Erlös-Kosten-Situation oder immer höhere Anforderungen an die Produktionsstandards: Viele Land- und Forstwirte suchen nach Möglichkeiten, wie sie aus der Selbstbewirtschaftung ihres Hofs aussteigen können. Das Höfesterben geht weiter. G
Bis wann können Landwirte die Regelbesteuerung beantragen- ...
Kurz vor dem Jahreswechsel stellt sich für pauschalierende Landwirte die Frage: Lohnt sich die Option zu Regelbesteuerung? Oder ist die Umsatzsteuer-Pauschalierung besser? Für die Abgabe der Optionserklärung ist eine gesetzliche Frist zu beachten. Bis wann müssen Landwirte die Optionserklärung
Sprotts Uranfonds will weitere Milliarden am Spotmarkt investieren ...
Mit dem Sprott Physical Uranium Trust (SPUT) hat Sprott Asset Management den Uranmarkt dieses Jahr im wahrsten Sinne des Wortes aufgemischt und für eine Renaissance des Uranpreises am Spotmarkt gesorgt. Denn der Preis für das strahlende Metall ist, seitdem der SPUT vor einigen Monaten an den Start




