BVR: EZB sollte Zinswende vorbereiten
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"Das Auslaufen des pandemiebedingten Notfall-Anleihekaufprogramms PEPP der Europäischen Zentralbank ist ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zur Normalisierung der Geldpolitik", kommentiert Dr. Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) das heutige Ergebnis der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Doch sollten anschließend die Anleihekäufe im Rahmen des zusätzlich bestehenden Programms APP schneller zurückgeführt werden als derzeit von der EZB vorgesehen. Sie plant eine Fortführung des APP bis mindestens zum Herbst 2022. "Falls sich im kommenden Jahr der Preisanstieg nicht zügig entspannt, benötigt die Geldpolitik Handlungsfreiheit, um den Leitzins schrittweise erhöhen zu können. Die EZB darf keinen Zweifel daran lassen, dass sie einem anhaltenden Inflationsdruck mit der nötigen Entschlossenheit entgegentritt", so Martin weiter. Schließlich habe sich die EZB bereits seit Längerem dazu bekannt, den Leitzins erst nach einem Auslaufen der Anleihekaufprogramme zu erhöhen. Demgegenüber habe die britische Notenbank heute bereits den Zinserhöhungszyklus eingeläutet und auch die US-Notenbank habe mehrere Zinsschritte im Jahr 2022 in Aussicht gestellt.
Der BVR bedauert die Entscheidung der EZB, auf eine Anpassung des Tieringfaktors zu verzichten. Der Tieringfaktor führt zu einer teilweisen Entlastung der Kreditinstitute von Zinszahlungen auf deren Einlagen bei der Notenbank. Seit der Einführung des Tieringfaktors im Oktober 2019 ist dieser unverändert geblieben, obwohl die Einlagenbestände der Kreditinstitute sehr stark gestiegen sind. Die wachsenden Einlagen der Kreditinstitute sind letztlich eine Folge der Anleihekäufe der EZB. Die Einlagen der Kreditinstitute oberhalb der vorgeschriebenen Mindestreserve lagen Anfang Dezember bei rund 4.500 Milliarden Euro, bei der Einführung des Tieringfaktors hatten diese im Oktober 2019 noch bei 1.700 Milliarden Euro gelegen. Mit dem starken Anstieg der Einlagen ist bei einem unveränderten Tieringfaktor ein entsprechend starker Anstieg der zu verzinsenden Einlagen verbunden.
Der aktuelle Anstieg der Inflation im Euroraum auf zuletzt 4,9 Prozent im November dieses Jahres ist nach Einschätzung des BVR überwiegend durch Sonderfaktoren geprägt, wie etwa die pandemiebedingt sehr niedrigen Energiepreise im vergangenen Jahr. Aus Sicht des BVR ist es weiterhin wahrscheinlich, dass der Anstieg der Verbraucherpreise 2022 nachlässt und zum Jahresende 2022 die Marke von 2 Prozent, die dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB entspricht, erreicht. Doch müsse die Geldpolitik wachsam sein und handeln, wenn sich abzeichne, dass sich die Inflation oberhalb von 2 Prozent verfestige.
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Datum: 16.12.2021 - 15:16 Uhr
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