Aktueller "Uranatlas" / Atomkraft schafft keine Energieunabhängigkeit / Uran aus Russland

Aktueller "Uranatlas" / Atomkraft schafft keine Energieunabhängigkeit / Uran aus Russland ist Treibstoff für europäische AKW

ID: 1974188
(ots) -

Anlässlich des 36. Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl warnen Umweltverbände und Stiftungen vor der großen Abhängigkeit von der weltweit vernetzten Uran-Industrie. Deutschland und Europa sind nicht nur von fossilen Energieimporten abhängig, sondern auch von Uran, wie aus der Neuauflage des Uranatlas hervorgeht. Der vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam mit der Nuclear Free Future Foundation, der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Umweltstiftung Greenpeace und .ausgestrahlt herausgegebene Atlas zeigt: Etwa 40 Prozent der europäischen Uranimporte stammen aus Russland und Kasachstan. Das betrifft auch die noch laufenden deutschen AKW.

Ungeachtet dessen fordern Unionspolitiker*innen wie etwa Bayerns Ministerpräsident Söder Laufzeitverlängerungen. "Markus Söder führt eine groteske Scheindebatte", erklärt Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). "Seine Rufe nach Atomkraft sind angesichts der nuklearen Bedrohungen durch AKW im Kriegsgebiet und Putins Atombomben-Drohungen ein politisches und moralisches Armutszeugnis. Das gilt erst recht angesichts der Abhängigkeit Europas von russischem und kasachischem Uran. Auch die noch bis zum Jahresende laufenden deutschen AKW werden zum großen Teil damit betrieben."

Der russische Staatskonzern Rosatom hat im internationalen Urangeschäft eine Spitzenposition. "Über seine Beteiligungen an Uranminen in Kanada, den USA und vor allem Kasachstan ist Rosatom der zweitgrößte Uranproduzent der Welt. Mit 7122 Tonnen hat das Unternehmen einen Anteil von rund 15 Prozent an der globalen Förderung", erläutert Angela Wolff, Referentin Atom- und Energiepolitik beim BUND. "Bei der Herstellung von angereichertem Uran, das für den Betrieb von Atomkraftwerken benötigt wird, ist die Abhängigkeit noch größer: Über ein Drittel des weltweiten Bedarfs kommt vom russischen Staatskonzern."

Noch stärker ist (Ost-)Europa auf russische Brennelemente angewiesen: 18 Reaktoren in der EU können nur mit sechseckigen russischen Brennelementen betrieben werden: in Finnland, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und in Bulgarien. "Um die beiden slowakischen Atomkraftwerke mit neuen Brennelementen versorgen zu können, durfte am 1. März sogar eine russische Il-76-Transportmaschine mit Sondergenehmigung landen", kritisiert Uwe Witt, Referent Klimaschutz und Strukturwandel bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung. "Wenn Europa die Anhängigkeit von Russland im Energiebereich wirklich beenden will, muss es auch im Atombereich seine Zusammenarbeit mit Russland schnellstmöglich einstellen." Rosatom hingegen setzt auf Expansion: Neben drei AKW in Russland sollen 35 weitere in Ägypten, Bangladesch, Belarus, Bulgarien, China, Finnland, Indien, im Iran, in der Türkei, Ungarn und in den Vereinigten Arabischen Emiraten gebaut werden.



Die große Abhängigkeit Europas von Russland bei Uran und Brennelementen für Atomkraftwerke bringt auch die EU-Kommission in Zugzwang, unterstreicht Armin Simon von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt. "Die EU-Kommission hat noch vor wenigen Wochen die Aufnahme von Atomkraft und fossilem Gas in die EU-Taxonomie maßgeblich mit Versorgungssicherheitsaspekten begründet. Diese Begründung hat sich für alle sichtbar als falsch herausgestellt. Anders als behauptet, trägt Atomkraft gerade nicht zur Versorgungssicherheit bei. Jetzt nur einen Importstopp für atomare Brennstoffe aus Russland zu verhängen, wie es das EU-Parlament bereits gefordert hat, greift zu kurz. Atomkraft und fossiles Gas haben in der EU-Taxonomie nichts verloren. Die EU-Kommission muss ihre Position hierzu revidieren. Ansonsten muss das EU-Parlament die Notbremse ziehen."

Mit Blick auf die Klimakrise fügt Horst Hamm, geschäftsführender Vorstand der NFFF und Projektleiter der Uranatlanten-Reihe, an: "Atomenergie ist nicht der Energieträger der Zukunft. Jenseits von gravierenden Umweltsünden beim Uran-Abbau oder der Gefahren beim Betrieb, zeigt die zweite Auflage des Uranatlas: Atomkraft trägt nichts zur Lösung der Klimakrise bei. Der Bau neuer Atomkraftwerke ist zu teuer und viel zu langsam, um zukünftig etwas für den Klimaschutz bewirken zu können." Nicht einmal bestehende Kernkraftwerke sind im Vergleich zu erneuerbaren Energien noch konkurrenzfähig, wie das Beispiel USA im Uranatlas zeigt: Sechs US-Reaktoren wurden vorzeitig stillgelegt, weitere sollen folgen.

"Die erneuerbaren Energien sind inzwischen preisgünstiger als Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerke, auch wenn man deren Folgekosten nicht mitrechnet", sagt Heinz Smital, Atom-Campaigner von Greenpeace. "Selbst alte und abgeschriebene Anlagen können oft nicht mehr mithalten." Der neue Uranatlas liefert dazu die aktuellen Daten und Fakten: eine Kilowattstunde Sonnenstrom lässt sich mit neuen Kraftwerken in Süddeutschland für rund drei Cent erzeugen, mit Windrädern in Norddeutschland für knapp unter vier Cent. Und wenn man sonnenreiche Länder betrachtet, wird es noch günstiger: Im ölreichen Saudi-Arabien ist ein 600 Megawatt-Solar-Projekt ans Netz gegangen, das die Kilowattstunde für 1,04 US-Cent generiert. Weltrekord!

Weitere Informationen: Der aktualisierte Uranatlas 2022 erklärt auf mehr als 50 Seiten mit eindrucksvollen Grafiken den Weg des Urans. Neue Kapitel zu Frankreich, Tschechien, Kanada und den USA beleuchten die Gefahren des Uranbergbaus. Mit dem Atlas zeigen die fünf Herausgeber*innen, warum Uran im Boden bleiben muss.

Den Uranatlas finden Sie unter: www.bund.net/uranatlas, www.nuclear-free.com/uranatlas, www.rosalux.de/uranatlas oder unter www.ausgestrahlt.de/uranatlas

Bestelladresse Uranatlas: bestellung@rosalux.de, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Straße der Pariser Kommune 8A, D-10243 Berlin

Faktenblatt "Atomkraft und die Abhängigkeit von Russland" finden Sie unter: www.rosalux.de/uranatlas

Kontakte:

Uwe Witt, Referent Klimaschutz und Strukturwandel der Rosa-Luxemburg-Stiftung, 030-44310-135 oder 0170-2082 879, Uwe.Witt@rosalux.org

Dr. Horst Hamm, Projektleiter Uranatlas, 01577/1543231, h.hamm@nuclear-free.com

Angela Wolff, BUND-Expertin für Energiepolitik, Klima und Atom, 030 27586 562, angela.wolff@bund.net

Armin Simon, .ausgestrahlt, 0163-8832446, presse@ausgestrahlt.de

Heinz Smital, Greenpeace-Experte für Atomkraft, 0171-8780803, heinz.smital@greenpeace.org

Pressekontakt:

Jannine Hamilton
Presse | Politische Kommunikation | Rosa-Luxemburg-Stiftung
Straße der Pariser Kommune 8A | 10243 Berlin
E-Mail: jannine.hamilton@rosalux.org
Telefon: 030-44310-479 | Mobil: 0173-6096103

Original-Content von: Rosa-Luxemburg-Stiftung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Die neue Bedeutung von Energiemanagement MISSION NOW - Kongressreihe
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 21.04.2022 - 10:48 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1974188
Anzahl Zeichen: 6978

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Energie & Umwelt



Diese Pressemitteilung wurde bisher 283 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Aktueller "Uranatlas" / Atomkraft schafft keine Energieunabhängigkeit / Uran aus Russland ist Treibstoff für europäische AKW"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Rosa-Luxemburg-Stiftung (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Schicksal Treuhand - Treuhand-Schicksale / Eröffnung der Wanderausstellung der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Zeitzeug*innen am 4. Juli ...
Die Treuhandpolitik traf die Ostdeutschen 1990 wie ein Schicksalsschlag. Waren sie im Herbst 1989 noch selbstbewusst für Freiheit und Demokratie auf die Straße gegangen, nahm ihr Leben nun eine unerwartete Wendung. 9.000 volkseigene Betriebe mit insgesamt 4,1 Millionen Arbeitsplätzen sollten von

Krisenpuffer gegen die Inflation / Wirtschaftsprofessorin Isabella Weber präsentiert neue Studie / Gemeinsame Pressemitteilung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung ...
Der Aufbau von nationalen, regionalen und globalen öffentlichen Nahrungsmittelspeichern kann zusammen mit weiteren Maßnahmen zur Preisstabilisierung auf den globalen Agrarmärkten und zur Begrenzung der Inflation beitragen, analysiert die renommierte Ökonomin Isabella Weber in einer heute veröff

Zwei Jahre nach Melilla-Nador / Neue Beweise für Verantwortung marokkanischer und spanischer Behörden an Gewaltexzessen gegen Schutzsuchende ...
Zwei Jahre nach dem rassistischen Massaker vom 24. Juni 2022 am Grenzzaun zwischen der marokkanischen Stadt Nador und der spanischen Enklave Melilla legt die Organisation Border Forensics heute neue Beweise für die Verantwortung spanischer und marokkanischer Behörden für den Tod und die Verletzun


Weitere Mitteilungen von Rosa-Luxemburg-Stiftung


TÜV SÜD: Einsparungen von bis zu 30 Prozent möglich ...
Vor dem Hintergrund explodierender Energiepreise müssen alle Möglichkeiten zur Reduzierung des Energieverbrauchs und der Energiekosten genutzt werden. Im Gebäudebereich kann die Gebäudeautomation bzw. die Gebäudeleittechnik einen wichtigen Beitrag zur energetischen Optimierung leisten. Nach Ein

Circontrol ist jetzt nach dem deutschen Eichgesetz zertifiziert (FOTO) ...
Im Januar dieses Jahres erhielt Circontrol eine der strengsten Zertifizierungen im Bereich des Zahlungsverkehrs und der Datenverwaltung in der Europäischen Union. Der spanische Hersteller und Vertreiber von Ladegeräten für Elektrofahrzeuge hat die Zertifizierung für das deutsche Eichrecht erha

TERMINAVISO: Live-Webcast zu den Ergebnissen Jänner - März 2022 ...
Die OMV lädt Sie ein, die Präsentation der Ergebnisse Jänner - März 2022 via einem Live-Webcast für Journalistinnen und Journalisten zu verfolgen. Die Ergebnisse werden von Alfred Stern, OMV Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor, und Reinhard Florey, OMV Chief Financial Officer, präsenti

Equinix begibt grüne Anleihen im Wert von 1,2 Milliarden Dollar in seiner vierten Emission, um Nachhaltigkeitsinitiativen zu fördern ...
Equinix, Inc. (Nasdaq: EQIX), das globale Unternehmen für digitale Infrastruktur, gab heute bekannt, dass es im Rahmen seiner vierten Emission grüne Anleihen (3,90 % Senior Green Notes) im Wert von 1,2 Mrd. US-Dollar mit Fälligkeit im Jahr 2032 („grüne Anleihen“) herausgegeben hat. Die grÃ


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z