Myanmar: 50 Prozent der Kinder können nicht zur Schule gehen - Ursachen sind Corona und eskalierende Gewalt
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Erschreckende Zahlen aus Myanmar veröffentlicht Save the Children zum heutigen Internationalen Kindertag: In den vergangenen zwei Jahren hat sich dort die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen können, mehr als verdoppelt. Nach Angaben der Kinderrechtsorganisation erhält inzwischen rund die Hälfte der Mädchen und Jungen in dem südostasiatischen Land - mehr als 7,8 Millionen - keine formale Ausbildung. In einigen Landesteilen ist die Zahl der Schüler*innen sogar um bis zu 80 Prozent gesunken.
Gründe hierfür sind vor allem die Corona-Pandemie und die eskalierende Gewalt. In Myanmar waren die Schulen aufgrund von COVID-19 15 Monate lang ganz oder teilweise geschlossen (https://en.unesco.org/covid19/educationresponse#durationschoolclosures). Auch Angriffe auf Bildungseinrichtungen nahmen zu, so dass viele Schüler*innen und Lehrer*innen Angst haben, in den Unterricht zurückzukehren.
"Jeder dieser Angriffe ist ein Angriff auf die Zukunft einer ganzen Generation in Myanmar", sagt Emma Wagner, Bildungspolitik und Advocacy Leiterin bei Save the Children. "Wir können und dürfen es nicht hinnehmen, dass diesen Kindern die Möglichkeit zum Lernen genommen wird. Die Angriffe auf Schulen müssen sofort aufhören." Auch weltweit habe COVID-19 einen beispiellosen Bildungsnotstand ausgelöst. "Save the Children hat schon früh darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder durch die Schließungen Gefahr laufen, die Schule ganz abzubrechen, weil sie zur Arbeit gezwungen oder früh verheiratet werden."
Nach Angaben der Kinderrechtsorganisation gab es in Myanmar zwischen Mai 2021 und April 2022 mindestens 260 Angriffe auf Schulen; fast drei Viertel davon waren Explosionen in den Gebäuden oder deren Nähe. Allein im April dieses Jahres wurden Sprengsätze in vier Schulen und Bildungseinrichtungen entdeckt, 33 Schulen wurden in Brand gesetzt sowie zehn Angriffe auf Lehrende und Bildungspersonal verzeichnet. Im März und April besetzten Bewaffnete darüber hinaus zehn Schulen, in denen Save the Children arbeitet - im ganzen Land dürften es noch weitaus mehr gewesen sein.
"Ich war nicht mehr in der Schule, seit sie wegen COVID geschlossen wurde", sagt Kyi*,14, aus Magway, der drittgrößten Region Myanmars. "Davor ging ich in die sechste Klasse. Wegen der Kämpfe sind die Lehrer nicht in unser Dorf zurückgekehrt. Ich denke, sie haben sich genau wie wir an einem sicheren Ort versteckt. Ich lebe jetzt in einem provisorischen Zelt im Dschungel, nachdem ich aus meinem Dorf geflohen bin."
Kyi hat einen großen Traum - und weiß, dass sie dafür eine gute Ausbildung braucht. "Der kleine Lebensmittelladen meiner Familie hat mich auf die Idee gebracht, Geschäftsfrau zu werden. Aber ich bin traurig, wenn ich an meine Zukunft denke. Um meinen Traum zu verwirklichen, muss ich zur Schule gehen. Ich möchte Englisch und viele andere Dinge lernen. Und ich möchte mich mit meinen Freunden und Lehrern treffen. Es ist schon so lange her, dass ich das konnte."
Save the Children fordert den UN-Sicherheitsrat und den Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) auf, rasch konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Zukunft der Kinder in Myanmar zu sichern. Das Land braucht außerdem dringend mehr humanitäre Hilfe, so der Appell an die internationale Gemeinschaft. Der Nothilfe-Aufruf der Vereinten Nationen für Myanmar ist bisher nur zu 10,4 Prozent finanziert.
Save the Children führt Programme in ganz Myanmar durch und setzt sich mit seinen Teams vor Ort weiterhin dafür ein, den am meisten gefährdeten Kindern zu helfen.
Über Save the Children:
Im Nachkriegsjahr 1919 gründete die britische Sozialreformerin Eglantyne Jebb Save the Children, um Kinder in Deutschland und Österreich vor dem Hungertod zu retten. Heute ist die inzwischen größte unabhängige Kinderrechtsorganisation der Welt in rund 120 Ländern tätig. Save the Children setzt sich ein für Kinder in Kriegen, Konflikten und Katastrophen. Für eine Welt, die die Rechte der Kinder achtet, in der alle Kinder gesund und sicher leben und frei und selbstbestimmt aufwachsen und lernen können - seit über 100 Jahren.
*Name zum Schutz geändert
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Save the Children Deutschland e.V.
Pressestelle -SilkeZorn
Tel.: +49 (0)30 - 27 59 59 79 - 232
Mail: silke.zorn@savethechildren.de
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Datum: 01.06.2022 - 12:19 Uhr
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