Hinter dem schönen Schein
ID: 1986699
Zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni weist terre des hommes auf Kinderarbeit, Korruption und Verschleierung in der Lieferkette des Minerals Mica hin
In Indien schürfen rund 30.000 Kinder das Mineral Mica. Bedingt durch die Corona-Lockdowns, die besonders arme indische Tagelöhner trafen und ihre Kinder zum Arbeiten zwangen, ist ihre Zahl um 8.000 gestiegen. In den Abbaugebieten der rund 800 Dörfer in den indischen Bundesstaaten Bihar und Jharkhand graben Kinder wie Erwachsene Schächte bis zu 20 Meter tief und fördern das Mineral. Jüngere Kinder sortieren die Ausbeute nach Größe, die Kleinsten sind vier Jahre alt. Immer wieder brechen Schächte ein, oft kommt es zu schweren Verletzungen und Todesfällen. Die Kinder weisen massive Schnittverletzungen an den Händen auf und leiden wegen der Staubentwicklung in den Schächten unter Atemwegserkrankungen.
Indien deckte im Jahr 2020 etwa 30 Prozent des Weltmarktes für Mica mit einem Gesamtwert von 57 Millionen US-Dollar. Das Mineral ist in Autos, Elektronik, Baustoffen und Kosmetik enthalten. Allerdings ist die Gewinnung von Mica in den beiden Hauptabbaugebieten in den Bundesstaaten Bihar und Jharkhand illegal. Die terre des hommes-Recherche "Hinter dem schönen Schein" deckt auf, dass die Lieferkette von Korruption und Verschleierung geprägt ist. Die Familien verkaufen das Mica an lokale Aufkäufer*innen und erzielen einen Tagesverdienst von umgerechnet 1,40 bis 3,60 Euro. Über mehrere Zwischenhändler*innen gelangt das Mineral an weiterverarbeitende Betriebe, die die Herkunft verschleiern. In den weiterverarbeitenden Betrieben arbeiten keine Kinder, allerdings sind die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung auch dort schlecht. Mehrere Besitzer*innen berichteten terre des hommes von regelmäßigen monatlichen Schmiergeldern, die an Polizei und Behörden zu entrichten seien, um weiterarbeiten zu können. Transporte zum Hafen von Kalkutta werden häufig nachts durchgeführt, um Polizeikontrollen und weitere Schutzgeldzahlungen zu umgehen. Für den Export werden falsche Papiere ausgestellt, um die Herkunft aus illegalen Quellen zu verschleiern. Deutsche Unternehmen bestätigten terre des hommes, dass sie ihre Mica Lieferkette bisher lediglich bis zu Importeuren nachvollziehen können.
terre des hommes fordert deshalb Mica verarbeitende Unternehmen der Auto- und Elektronikindustrie sowie der Kosmetikbranche auf, ihre Lieferkette bis zu den Schürfplätzen zu prüfen und sich gemeinsam für die Legalisierung des Mica-Abbaus in Bihar und Jharkhand und die Einhaltung grundlegender Menschen- und Arbeitsrechte einzusetzen. Bisher beteiligen sich 70 Unternehmen an der gemeinsamen Initiative für verantwortliche Mica-Gewinnung (Responsible Mica Initiative), darunter BASF, L´Oréal, Merck, der Volkswagen Konzern und Daimler. "Es ist an der Zeit für eine stärkere gemeinsame Anstrengung, damit die Mica-Gewinnung endlich legalisiert wird. Die indische Regierung muss Arbeitsrechte und Mindestlöhne auch für diesen Sektor umsetzen und die Korruption bekämpfen. Nur dann können die Familien bessere Preise erzielen und wären nicht mehr auf die Mitarbeit der Kinder angewiesen", sagte Beat Wehrle, Vorstandssprecher von terre des hommes. "Wir prüfen deshalb zurzeit, ob wir mit Hilfe des neuen Lieferkettengesetzes mehr Unternehmen zu verantwortlichem Handeln bewegen können."
Verbraucher*innen haben im Moment keine Möglichkeit zu erkennen, ob das Mica in Autos, Handys oder in Kosmetik aus legalen Quellen kommt. terre des hommes bittet Verbraucher*innen, bei Unternehmen kritisch nachzufragen. "Ein Boykott oder der Ersatz durch synthetisches Mica schafft keine Abhilfe für die betroffenen Kinder und ihre Familien, denn sie würden ihre einzige Einkommensquelle verlieren. Wir wollen nicht das Schürfen von Mica beenden, sondern die Ausbeutung," so Beat Wehrle.
terre des hommes engagiert sich in der Responsible Mica Initiative (https://responsible-mica-initiative.com/) und sorgt in 100 Dörfern des Mica-Abbaugebietes in Indien dafür, dass Familien ohne die Mitarbeit der Kinder überleben können und alle Kinder die Schule besuchen.
Pressekontakt:
Für Rückfragen und Interviews: Barbara Küppers, terre des hommes-Kinderrechtsexpertin, E-Mail: b.kueppers@tdh.de, Tel.: 01 71 / 5 72 43 61
Recherche "Hinter dem schönen Schein - Kinderarbeit im Mica-Abbau in Indien" (www.tdh.de/kinderarbeitsrecherche2022)
Weitere Informationen: www.tdh.de/kinderarbeit
Tipps für Verbraucher*innen: www.tdh.de/verbraucher
Original-Content von: terre des hommes Deutschland e. V., übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 10.06.2022 - 10:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 1986699
Anzahl Zeichen: 4797
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Osnabrück
Kategorie:
Menschenrechte
Diese Pressemitteilung wurde bisher 244 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Hinter dem schönen Schein"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
terre des hommes Deutschland e. V. (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die internationale Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes verzeichnet für das Jahr 2023 ein Ertragsergebnis in Höhe von gut 48,7 Millionen Euro. Die Einnahmen kommen ganz überwiegend aus Spenden in Höhe von 22,9 Millionen Euro und Kofinanzierungen, größtenteils seitens des Bundesministerium
Zum dritten Jahrestag der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan am 15. August: / Afghanistan nicht vergessen! Bundesaufnahmeprogramm Afghanistan retten! ...
Drei Jahre nach der Machtübernahme der Taliban ist die humanitäre Situation in Afghanistan weiterhin verheerend: Mädchen ist der Schulbesuch ab der siebten Klasse verboten, Frauen dürfen weder arbeiten noch studieren oder allein das Haus verlassen. Millionen Kinder leiden unter Hunger, Ausbeutun
Gewalt gegen Geflüchtete in der Türkei: "Die Kinder trauen sich nicht mehr, das Haus zu verlassen" ...
Seit letztem Sonntag mehren sich gewaltsame Übergriffe insbesondere gegen syrische Geflüchtete in der Türkei. Während Geschäfte zerstört und Fensterscheiben eingeworfen werden, leben Schutzsuchende in Angst. In der Stadt Kayseri, in der Migrant*innen gut 5 Prozent der Bevölkerung ausmachen, k
Weitere Mitteilungen von terre des hommes Deutschland e. V.
EU-Abgeordneter Engin Eroglu setzt sich im EU-Parlament für die Rechte der Uiguren ein (FOTO) ...
Das EU-Parlament hat in der aktuellen Sitzungswoche in Straßburg mit großer Mehrheit eine Dringlichkeitsentscheidung zur Menschenrechtslage in Xinjiang und den sogenannten Xinjiang Police Files angenommen. Engin Eroglu, Europaabgeordneter der FREIE WÄHLER und Mitglied des Ausschusses für auswÃ
++ Nach Kohle- undÖlembargo: Ansturm auf neue Rohstoffquellen bedroht Menschenrechte und Umwelt ++ ...
Gemeinsame Pressemitteilung vom 09. Juni 2022 Der Angriffskrieg gegen die Ukraine droht, weit über die Region hinaus Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung in Rohstofflieferketten zu befördern. Davor warnt die "Initiative Lieferkettengesetz", ein Zusammenschluss aus mehr al
Homosexualität: in über 80 Ländern strafbar / Anlässlich des "Pride Month" fordern die SOS-Kinderdörfer ein Ende der Diskriminierung (FOTO) ...
In 80 Ländern weltweit ist es für homo- oder transsexuelle Menschen immer noch strafbar, sich offen zu ihrer Orientierung zu bekennen - bis hin zur Todesstrafe. Das geben die SOS-Kinderdörfer bekannt. "Es ist schockierend, welcher Gewalt und Diskriminierung sie immer noch ausgesetzt sind&q
Stiftung Kinderzukunft bei Spendenübergabe der Stiftung RTL ...
Durch die Spende können dringend benötigte Computer für den Onlineunterricht und das Homeschooling im rumänischen Kinderdorf erworben werden. Um als junge Erwachsene ein unabhängiges Leben fern der Not führen zu können, brauchen die Kinder eine solide Bildungsbasis. Auf diese wird bei der Sti




