"Diese Gesundheitspolitik schadet Ihrer Gesundheit!"
ID: 2001723
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) plant, dass alles Geld, welches nach dem "Terminservice- und Versorgungsgesetz" seit 2020 zur Verbesserung der Akutversorgung von Notfall- und Neupatienten in den Arztpraxen investiert worden ist, den Arztpraxen wieder entzogen werden soll. Dabei hatte Lauterbach selbst als Teil der großen Koalition diese Investition dem damaligen Gesundheitsminister Spahn vorgeschlagen. Die Praxisarbeitszeiten wurden seinerzeit per Gesetz um 25 Prozent heraufgesetzt, die zusätzlichen Arbeitsleistungen extra bezahlt , die Patienten bekamen schnellere Termine. Nun also eine Rolle rückwärts, die einer Zechprellerei ähnelt. Denn die zusätzlichen Leistungen der Arztpraxen durch zusätzliche Sprechstundenzeiten sollen weiter verpflichtend bleiben, werden aber einfach nicht mehr bezahlt.
Gleichzeitig sind die jüngsten Honorarverhandlungen zwischen den gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zur Festsetzung des allgemeinen Punktwertes und des "Globalbudgets" für die ambulante Medizin im Folgejahr ergebnislos vertagt worden, die Krankenkassen bieten unverschämt eine Nullrunde an, die KBV fordert eine Punktwerterhöhung um 5,9 Prozent. "Wir haben es hier mit einer völligen Missachtung der ambulant tätigen Arztpraxen von Seiten der Politik und der Kassen zu tun", kritisiert Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft (FÄ), am Montag in Essen. "Die Haus -und Facharztpraxen behandeln mehr als 90 Prozent aller an Covid Erkrankten. Es wird von ihnen erwartet, im Herbst nicht nur eine verstärkte Impfkampagne gegen Virusgrippe und gegen Corona durchzuführen. Auch Termine sollen kurzfristig zur Verfügung gestellt werden. Aber eine Bezahlung dafür soll es nicht geben!"
Die Arztpraxen sind wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche von der hohen Inflation betroffen, die ausgeglichen werden muss. "Die gesetzlichen Krankenkassen hingegen machen keinerlei Anstalten, ihren überbordenden Verwaltungshaushalt oder ihre Vorstandsboni zu kürzen. Das passt alles nicht mehr zusammen", so Dietrich. Nach seiner Prognose wird die Folge der politischen Ignoranz sein, dass sich Wartezeiten erheblich verlängern und Leistungen für gesetzlich Versicherte deutlich eingeschränkt werden müssen.
"Der Gipfel der Missachtung gegenüber den Arztpraxen drückt sich darin aus, dass gleichzeitig Versichertenbeiträge in Milliardenhöhe in ein ungeeignetes, unausgereiftes, ungetestetes und unsicheres Telematik-Projekt gesteckt werden. Der völlig überflüssige Tausch der Konnektoren mit Kosten von 400 Millionen Euro stellt nichts anderes als die Veruntreuung von Versichertengeldern dar", ergänzt Dr. Silke Lüder, Vizevorsitzende der Freien Ärzteschaft und niedergelassene Allgemeinärztin in Hamburg. "Wir Ärzte sollen gezwungen werden, die Arbeitsabläufe in den Praxen für elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU), e-Rezept und Elektronische Patientenakte (ePA) umzugestalten, obgleich es keinerlei Notwendigkeit dafür gibt, ganz im Gegenteil. Alle Anwendungen rauben uns Zeit und Ressourcen und gefährden damit die Versorgungssicherheit."
Die Freie Ärzteschaft fordert vor diesem Hintergrund:
1. Den Stopp von Lauterbachs Gesetz zur Demontage der ambulanten Medizin.
2. Einen Inflationsausgleich für alle Arztpraxen durch eine Punktwerterhöhung um neun Prozent, rückwirkend für 2022.
3. Den Stopp der Verschwendung von 400 Millionen Euro Beitragsgeldern der GKV-Versicherten für einen nutzlosen und maßlos überteuerten Konnektorentausch.
4. Den Stopp der Einführung von e-AU, e-Rezept und der unfreiwilligen elektronischen Patientenakte mit zentraler Datenspeicherung ("OPT-OUT Lösung").
"Zudem werden wir alle Möglichkeiten nutzen, unsere Patienten in den Wartezimmern ab sofort über diese gesundheitsschädliche Politik von Herrn Lauterbach aufzuklären. Wir rufen alle ärztlichen und psychotherapeutischen Kolleginnen und Kollegen auf, sich an den laufenden Unterschriftenaktionen und weiteren regionalen und bundesweiten Protestaktivitäten aktiv zu beteiligen", so FÄ-Vorsitzender Dietrich.
Über die Freie Ärzteschaft e.V.
Die Freie Ärzteschaft e. V. (FÄ) ist ein Verband, der den Arztberuf als freien Beruf vertritt. Er wurde 2004 gegründet und zählt heute mehr als 2.000 Mitglieder: vorwiegend niedergelassene Haus- und Fachärzte sowie verschiedene Ärztenetze. Vorsitzender des Bundesverbandes ist Wieland Dietrich, Dermatologe in Essen. Ziel der FÄ ist eine unabhängige Medizin, bei der Patient und Arzt im Mittelpunkt stehen und die ärztliche Schweigepflicht gewahrt bleibt.
Pressekontakt:
V .i. S. d. P.: Wieland Dietrich, Freie Ärzteschaft e.V.,
Vorsitzender, Gervinusstraße 10, 45144 Essen, Tel.: 0201 68586090,
E-Mail: mail@freie-aerzteschaft.de, www.freie-aerzteschaft.de,
Pressekontakt: Anja Köhler, Tel.: 0173 - 34 00 316, E-Mail:
presse@anjakoehler.net
Original-Content von: Freie Ärzteschaft e.V., übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 22.08.2022 - 09:08 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2001723
Anzahl Zeichen: 5270
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Essen
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Diese Pressemitteilung wurde bisher 306 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
""Diese Gesundheitspolitik schadet Ihrer Gesundheit!""
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Freie (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Die jüngsten Diskussionen um den Austausch der Praxis-Konnektoren und die geplante zentrale elektronische Patientenakte haben es mal wieder gezeigt: in puncto Digitalisierung geht im deutschen Gesundheitswesen Vieles schief. Welche Gefahren diese Projekte für PatientInnen und die ärztliche Schw
Statt Schwächung der ambulanten Arztpraxen durch Lauterbachs Spargesetz: / 300 Mio Euro - "Sofortgewinn" für Krankenkassen durch Verzicht auf den Austausch von Praxis-Routern ...
Experten beweisen: ein Verzicht auf den Hardware-Tausch ist möglich Gegen den Widerstand von Ärzteschaft und parlamentarischer Opposition hat Minister Lauterbach jetzt sein Spargesetz verabschieden lassen. In der Folge wird es deutliche Leistungseinschränkungen im Bereich der ambulanten Medizi
FreieÄrzteschaft: Künftig zur "Behandlung" in die Apotheke oder doch lieber zum Arzt? ...
Asthma, Bluthochdruck, Krebs oder Nierentransplantation - nach Meinung der Gesundheitspolitik können Patienten dafür künftig zur Beratung in die Apotheke gehen. Apotheker bzw. deren Angestellte "bearbeiten" die Blutdruckeinstellung oder den Medikamentenplan, an dem auch Änderungen vo
Weitere Mitteilungen von Freie
Transidentität: Wenn Kinder ihr Geschlecht ablehnen ...
Um psychische Schäden zu vermeiden, sollten Eltern ihre Sprösslinge bei der Identitätssuche unterstützen Lieber ein anderer Name und gerne auch andere Kleidung und Frisur: Wenn Kinder oder Jugendliche ihr zugewiesenes Geschlecht ablehnen, gehören sie zu den 1,5 bis 2 Prozent der transidenten
Diagnose Angiom: OP, Bestrahlung oder Verödung? ...
DORTMUND. Ein Angiom wird auch als arteriovenöse Malformation oder kurz AVM bezeichnet. Normalerweise verzweigen sich die Äste einer Arterie bis in ein Kapillarnetz, das in die venösen Kapillaren übergeht und schließlich in eine große Vene mündet. Bei einer arteriovenösen Malformation handel
Homöopathie in der Strahlentherapie ...
Im Sinne einer Integrativen Medizin, die konventionelle und komplementäre Verfahren zum Wohle des Patienten verbindet, kommt Homöopathie adjuvant bei der Strahlentherapie zum Einsatz. Die Behandlung zielt darauf, die Nebenwirkungen durch die Bestrahlung zu lindern und die Lebensqualität der Patie
Homöopathie: Kein Ausstieg aus der ärztlichen Weiterbildung ...
Noch steht sie drin in der Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer Baden-Württemberg: Die Zusatzweiterbildung im Bereich "Homöopathie". Sie soll in Ergänzung zur Facharztkompetenz zur konservativen Behandlung mit homöopathischen Arzneimitteln qualifizieren, die in Anlehnung an ind




