KfW Research: Mehr als 45 Mrd. EUR Investitionsrückstand in Schulen
ID: 2006806
- Moderne Schulinfrastruktur ist Voraussetzung für leistungsfähiges Bildungssystem
- Hohe Bau- und Energiekosten stellen Kommunen vor Herausforderungen
- Unterschiede in der Betroffenheit der Kommunen nehmen weiter zu
Bildung ist eine zentrale Säule des Wohlstands und der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Moderne, funktionstüchtige Schulgebäude sind eine wesentliche Voraussetzung für ein leistungsfähiges Bildungssystem. Die seit Jahren hohen Investitionsrückstände im Schulbereich geben deshalb Anlass zur Sorge. Zwar haben die Städte, Gemeinden und Kreise in den vergangenen Jahren auf neue Anforderungen durch Inklusion, Digitalisierung und die Erfordernisse der Corona-Pandemie reagiert und auch ihre Investitionen für die Schulinfrastruktur gesteigert, wie eine aktuelle Sonderauswertung von KfW Research auf Basis des bundesweit repräsentativen KfW-Kommunalpanels anlässlich des Beginns des neuen Schuljahrs zeigt. Doch die Kosten steigen schneller als die kommunalen Investitionen es tun. Der bundesweite Investitionsrückstand im Bereich Schulen lag laut KfW-Kommunalpanel zuletzt bei 45,6 Mrd. EUR im Jahr 2021 und entsprach damit dem 4,7-fachen des kommunalen Jahresinvestitionsvolumen von 9,8 Mrd. EUR im Bereich der schulischen Infrastruktur.
Neben den bereits seit geraumer Zeit steigenden Baupreisen verschärft die gegenwärtige Gas-Krise das Kostenproblem weiter: Auf die Schulgebäude entfällt ein Großteil der kommunalen Gebäudeflächen, was hohe Energiekosten und entsprechende energetische Sanierungsbedarfe mit sich bringt. Im laufenden Jahr wollen die Kommunen 10,8 Mrd. EUR in Schulgebäude investieren.
Zwar ist der Investitionsrückstand im vergangenen Jahr leicht gesunken (2020: 46,5 Mrd. EUR), insgesamt hat er sich in den vergangenen fünf Jahren hingegen trotz aller Bemühungen kaum verändert. Schulgebäude zählen damit weiterhin zu den drei größten kommunalen Bedarfsfeldern neben Straßen und Verwaltungsgebäuden.
Besorgniserregend ist dabei, dass die Unterschiede bei der Betroffenheit von hohen Rückständen zwischen den Kommunen weiter zunehmen. So vermelden im KfW-Kommunalpanel 2022 rund 17 % der Kommunen einen gravierenden Rückstand bei den Schulgebäuden und damit ein Investitionsdefizit, das die kommunale Aufgabenwahrnehmung in diesem Bereich erheblich einschränkt. Dieser Wert hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, denn im Jahr 2015 lag er noch bei nur 10 %. Gleichzeitig verharrt der Anteil der Kommunen, die im Bereich der Schulen keine oder nur geringe Investitionsrückstände wahrnehmen, auf einem nahezu unveränderten Niveau (47 % im Jahr 2015 gegenüber 45 % in der aktuellen Befragung). In der Mitte schrumpfte der Anteil der Kommunen, die "nur" einen nennenswerten Investitionsrückstand bei Schulen wahrnehmen von 43 % im Jahr 2015 auf nunmehr 39 %. Es kommt mit Blick auf die Dringlichkeit der Investitionsrückstände damit zu einer zunehmenden Polarisierung zwischen Kommunen mit guter und Kommunen mit schlechter Schulinfrastruktur.
Auch die Einschätzungen zur zukünftigen Entwicklung des Rückstandes laufen wieder auseinander. Gingen im Jahr 2019 noch 55 % der Kommunen davon aus, dass der Investitionsrückstand im Schulbereich in den kommenden Jahren sinken wird, sind es aktuell nur noch 43 %. Gleichzeitig stieg der Anteil der Kommunen, die davon ausgehen, dass der Rückstand zukünftig sogar weiter steigen wird, im gleichen Zeitraum von 20 auf 25 %.
Bei den Investitionsrückständen im Schulbereich zeigt sich ein ähnliches Bild wie bei der kommunalen Finanzlage allgemein: Hohe regionale Ungleichheiten werden durch eine positive Gesamtentwicklung überdeckt. Zukünftig muss es deshalb gerade in diesem für Deutschland wichtigen Bereich der Daseinsvorsorge darum gehen, sich nicht nur auf die Gesamtentwicklung der Kommunen zu konzentrieren, sondern in allen Regionen Deutschlands eine ausreichende Versorgung mit moderner Schulinfrastruktur sicherzustellen.
"Bildung ist ein wesentlicher Faktor für den zukünftigen Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Moderne Schulgebäude sind neben der individuellen Qualität der Lehrenden eine tragende Säule eines leistungsfähigen Bildungssystems. Die seit Jahren hohen Investitionsrückstände im Schulbereich geben deshalb Anlass zur Sorge", sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. "Erschwert wird der Aufholprozess durch die Folgen der aktuellen Krisen, denn neben Corona sind die Auswirkungen des Ukraine-Krieges getreten. Die stark steigenden Energiepreise treffen auch die Kommunen. Der Betrieb der Schulgebäude wird im Hinblick auf Strom oder Wärme deutlich teurer, sodass der finanzielle Spielraum für Investitionen enger ausfällt."
Bildung ist vor allem Ländersache. Daher obliegt es insbesondere der Landespolitik, die Rahmenbedingungen für kommunale Investitionen in die Schulen zu verbessern. Dies kann beispielsweise über die kommunalen Finanzausgleichssysteme oder spezifische Landesprogramme erfolgen. Doch in der lokalen Finanzpolitik lassen sich einzelne Haushaltsbereiche kaum isoliert betrachten. "Es ist im Zusammenspiel aller föderalen Ebenen nötig, die Handlungsfähigkeit der für die Schulgebäude zuständigen Gebietskörperschaften insgesamt zu stärken. Deshalb gilt es, die Investitionsfähigkeit der Kommunen in allen Regionen sicherzustellen, damit zentrale Infrastrukturbereiche wie Schulgebäude in einem angemessenen Umfang und Zustand bereitgestellt werden können. Dies hilft dabei, die Regionen Deutschlands wettbewerbsfähig zu halten und den Menschen auf ihrem Lebensweg neue Chancen zu eröffnen, und es trägt gelichzeitig dazu bei, dass das Land die vor ihm liegenden großen Herausforderungen überhaupt bewältigen kann", so Köhler-Geib.
Weiterführende Informationen finden Sie unter: www.kfw.de/fokus
Pressekontakt:
KfW, Palmengartenstr. 5 - 9, 60325 Frankfurt
Kommunikation (KOM), Christine Volk,
Tel. +49 (0)69 7431 3867, Fax: +49 (0)69 7431 3266,
E-Mail: Christine.Volk@kfw.de, Internet: www.kfw.de
Original-Content von: KfW, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 13.09.2022 - 10:11 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2006806
Anzahl Zeichen: 6348
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Frankfurt am Main
Kategorie:
Banken
Diese Pressemitteilung wurde bisher 157 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"KfW Research: Mehr als 45 Mrd. EUR Investitionsrückstand in Schulen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
KfW (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
- Programm läuft weiter, bis die Bundesmittel zur Zinsverbilligung aufgebraucht sind - maximal bis Jahresende - Förderkredite von bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit, Zinssatz wird aus Bundesmitteln verbilligt - Förderung adressiert gezielt den Bauüberhang - Baugenehmigung muss bei Antragstellu
KfW erweitert Förderprogramm für Strom- und Wärmeerzeugung aus erneuerbaren Energien ...
- Start am 18. Juni 2026 - Förderkredite von bis zu 150 Millionen Euro pro Vorhaben für Unternehmen jeder Größe - Förderung für Vorhaben außerhalb des EEGs Die KfW stärkt den marktbasierten Ausbau erneuerbarer Energien mit einem neuen Förderangebot. Ab sofort ergänzt das Programm "E
Dr. Susanne Maurenbrecher zum 1. Oktober zur neuen Vorständin für IT, Operations und Transaktionsmanagement bestellt ...
- Brigitte Réthier startet am 15. Juli als neue Vorständin für die Entwicklungszusammenarbeit - KfW-Verwaltungsrat verabschiedet Vorständin Christiane Laibach zum 31. Juli nach 36 Jahren in den Ruhestand Der KfW-Verwaltungsrat hat Dr. Susanne Maurenbrecher (47) mit Wirkung zum 1. Oktober 2026
Weitere Mitteilungen von KfW
Matrixport erweitert mit Cabital die Fiat-On-und Off-Ramp-Fähigkeiten ...
Die Flaggschiff-Partnerschaft ermöglicht es Nutzern, ihre Kryptowährungen problemlos und zu attraktiven Raten per Banküberweisung zu erhalten Matrixport (https://www.matrixport.com/), eines der weltweit größten Ökosysteme für Finanzdienstleistungen für digitale Vermögenswerte, gab heute
Empire State Realty Trust begrüßt Le Café, Panera Bread und Playa Bowls in drei Immobilien in New York City ...
Heute gab die Empire State Realty Trust, Inc. (https://c212.net/c/link/?t=0&l=de&o=3643130-1&h=1350178931&u=https%3A%2F%2Fc212.net%2Fc%2Flink%2F%3Ft%3D0%26l%3Den%26o%3D3643130-2%26h%3D4007185148%26u%3Dhttps%253A%252F%252Fwww.esrtreit.com%252F%26a%3DEmpire%2BState%2BRealty%2BTrust%2
Blue Matter eröffnet Büro in Boston ...
Blue Matter, ein führendes strategisches Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt auf der Biowissenschaftsbranche, freut sich, die Eröffnung eines Büros in Boston, MA, bekannt zu geben. Das neue Büro wurde am 8. September offiziell eröffnet und wird die Möglichkeiten der Kanzlei zur Betreuung vo
Artmarket.com präsentiert den Artprice 2022 Halbjahresbericht: Der Kunstmarkt kehrt im Westen zu einem starken Wachstum zurück ...
Der weltweite Umsatz mit Kunstauktionen ist im ersten Halbjahr 2022 trotz einer weiteren Covid-19-Welle in China um 8,8 % gestiegen. Artprice zählte eine Rekordzahl von Auktionstransaktionen in der ganzen Welt und beobachtet eine wachsende Begeisterung für Werke von Künstlern aus der zweiten HÃ




