Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses kritisiert deutsche Gedenkroutinen
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Der Vizepräsident des Jüdischen Weltkongresses, Maram Stern, warnt die Deutschen in der neuen Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT vor einem routinierten Umgang mit der Schoah. Auch in diesem Jahr würden Politiker am 9. November wieder "die Schrecken des Nazi-Terrors beschreiben und das 'Nie wieder' beschwören." Es würden voraussichtlich "gute und kluge Reden sein. Und in den meisten Fällen werde ich jedes einzelne Wort unterschreiben können."
Dennoch hinterließen diese Gedenkveranstaltungen ein schales Gefühl bei ihm: "Denn ich frage mich, was sie bewirken." Zwar sei es gut, an die Geschichte zu erinnern. Auch seien die Warnungen angebracht, eine Wiederholung der damaligen Untaten nicht zuzulassen. "Aber verhindern wir so tatsächlich eine Wiederkehr autoritärer oder gar totalitärer Herrschaft? Macht uns das Gedenken immun gegen Fremdenhass und Antisemitismus?", fragt Stern. "Die Deutschen sollten sich weniger auf die Schulter klopfen als vielmehr sagen: 'Glück gehabt.'" Auch müsse ihnen klar sein: "das Wissen um die Schrecken der Schoah" habe "weder Krieg noch ethnische Säuberungen noch Völkermord verhindert."
Maram Stern fordert die deutsche Politik heraus: "Wenn sie zum Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenhass aufrufen, sind sie meines Beifalls sicher. Wenn sie der Opfer gedenken, schweige ich mit ihnen in Erinnerung an alle, die damals ihr Leben verloren. Ich freue mich über jeden, der sich dem Gedenken anschließt, über jeden, der sich für Demokratie und gegen Hass einsetzt."
Dies genüge aber nicht. Stern warnt: "Wir sollten jedoch nicht glauben, dass dies schon ausreicht, um uns vor neuen Katastrophen zu bewahren."
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Datum: 02.11.2022 - 11:00 Uhr
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