Die Weltgemeinschaft bleibt in Nahost zu zaghaft

Die Weltgemeinschaft bleibt in Nahost zu zaghaft

ID: 2122490

(ots) - Der Krieg in Nahost kennt kein Ende, weder im Westjordanland, wo Attentäter drei israelische Sicherheitsleute erschießen, noch im Gazastreifen, der weiter von der israelischen Armee bombardiert wird, oder an der Grenze zwischen Israel und dem Libanon. Und Krieg bedeutet Sterben - durch Bomben, Gewehrkugeln, Raketen oder Sprengstoff. Seit Monaten diskutieren die Konfliktparteien, Israels Regierung und die Hamas, über Vermittler, um eine Waffenruhe zu vereinbaren. Aber der immer wieder verheißene Durchbruch in diesen undurchsichtigen Gesprächen kommt nie, während die Anzahl der Getöteten steigt. Nur wenige Informationen dringen vom Verhandlungstisch nach draußen, und jede Seite macht den jeweils anderen verantwortlich für Fehlschläge.

So viel aber ist sicher: Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu besteht darauf, den Krieg auch nach einem Tausch von Geiseln gegen Gefangene weiterführen zu können und die Kontrolle der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten unter Kontrolle zu behalten. Dass sich die Hamas auf so einen Deal nicht einlassen will, ist nachvollziehbar, denn das würde bedeuten, dass ihre militärische Macht weiter dezimiert würde und der Gazastreifen abgeriegelt bliebe. Die brutale Rechnung der Hamas zielte von Anfang an darauf ab, mit den in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln Vorteile für die eigene Organisation und den Kampf gegen Israel herauszuschlagen. Wer die letzten noch lebenden Geiseln retten will, muss Kompromisse eingehen. Das fordern die Angehörigen und große Teile der israelischen Gesellschaft mit ihren Massenprotesten (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1184967.protest-in-israel-israels-regierung-unterbindet-generalstreik.html?sstr=israel). Das Leben der Menschen sollte auch Netanjahu und seinen Kabinettskollegen mehr wert sein als die Staatsräson, sich nicht von einer Terrororganisation erpressen zu lassen.

Wie notwendig ein Umdenken in der israelischen Politik ist, sieht man auch an den unhaltbaren Zuständen im besetzten Westjordanland (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1184848.kommentar-zum-krieg-in-nahost-besatzung-als-ursache-der-gewalt-im-westjordanland.html?sstr=israel). Dort fristen die Palästinenser ihr Dasein in einem rechtsfreien Raum neben gewalttätigen Siedlern, die ihre Lebensgrundlagen zerstören. Erst am Freitag töteten israelische Soldaten mutmaßlich eine Aktivistin aus den USA, die gegen die Ausweitung einer illegalen Siedlung im Westjordanland protestierte. Das "Problem" der illegalen Besatzung ist ein internationales "Problem" und geht die Weltgemeinschaft an. Die reagiert jedoch viel zu zaghaft (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1184881.sanktionen-mitgliedstaaten-blockieren-eu.html?sstr=israel), setzt einzig auf Reisediplomatie, anstatt Waffenlieferungen nach Israel zu stoppen und Sanktionen gegen die israelische Regierung (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1184882.nahost-eu-droht-israel-mit-sanktionen.html?sstr=israel) zu verhängen - wogegen es im Falle der Hamas im Übrigen nie Widerstand gab.



Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell reist an diesem Montag nach Ägypten, um Druck zu machen für eine Waffenruhe, will an einer Sitzung der Arabischen Liga teilnehmen und dann in den Libanon weiterreisen. Israel steht nicht auf dem Programm. Zufall ist das nicht, denn Borrell hat sich als einer der schärferen Kritiker der israelischen Politik erwiesen. Nur läuft sein Mandat bald ab, und es ist gewagt anzunehmen, dass ihm vorher noch der Durchbruch gelingt. Festzustellen ist dennoch ein schärferer, entschiedener Ton gegenüber der rechtsextremen israelischen Regierung seitens westlicher Politiker. Auch Deutschland macht da keine Ausnahme, nur wird die Kritik da in die deutsche Staatsräson eingepackt: Bei ihrem elften (!) Nahost-Trip unterstrich Bundesaußenministerin Annalena Baerbock, die Sicherheit Israels "bleibt deutsche Staatsräson", stellte aber klar, dass es um die Sicherheit des Landes und seiner Menschen gehe, "und nicht um die Sicherheit einer Regierung konkret oder um einzelne Regierungsmitglieder". Dieser Seitenhieb auf die Regierung Netanjahu und ihren unverantwortlichen Kurs ist aus deutschem Politikermund schon fast mutig zu nennen. Änderungen wird er freilich nicht bewirken (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1184984.frieden-in-nahost-das-diplomatische-feigenblatt-der-zweistaatenloesung.html?sstr=israel).

Pressekontakt:

nd.DerTag / nd.DieWoche
Redaktion

Telefon: 030/2978-1722


Original-Content von: nd.DerTag / nd.DieWoche, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Berliner Morgenpost/Grüne Asyl-Akrobatik/Leitartikel von Theresa Martus Berliner Morgenpost: Schranken für Putins Trolle / ein Kommentar von Madeleine Janssen zu gezielter Desinformation
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 08.09.2024 - 19:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2122490
Anzahl Zeichen: 4645

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 354 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Die Weltgemeinschaft bleibt in Nahost zu zaghaft"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

nd.DerTag / nd.DieWoche (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

"nd.DerTag": Epidemie des Versagens - Kommentar zum Ebola-Ausbruch in Zentralafrika ...
Das gleich vorweg: Nein, eine Pandemie droht von dem Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo nicht. Dafür ist das Virus und sein jetzt zirkulierender Stamm Bundibugyo nicht infektiös genug. In Deutschland kann man daher ganz beruhigt sein und der Weltöffentlichkeit seine gut ausgestat

"nd.DerTag": Die EU hat mitgeschossen - Kommentar zu europäischen Kaperbriefen für Libyens "Küstenwache" ...
Die EU-Kommission wisse um die zahlreichen Gewaltvorfälle der sogenannten libyschen Küstenwache gegenüber Retter*innen und Geflüchteten im Mittelmeer - und mahne deshalb in Libyen immer wieder die Einhaltung der Menschenrechte an. Schließlich seien die aus Brüssel finanzierten Ausbildungsmaßn

"nd.DerTag": Konversion fatal - Kommentar zu den Überlegungen von Mercedes-Benz, in die Rüstungsproduktion einzusteigen ...
Lange Zeit verstand man nach der deutschen Vereinigung unter Konversion die Umwandlung militärischer Strukturen für eine zivile Nutzung. Vor allem im Osten Deutschlands. Jetzt erfährt der Begriff eine fatale Umkehrung: Angesichts teurer Rohstoffe und kriselnder Wirtschaft sehen Konzernlenker in d


Weitere Mitteilungen von nd.DerTag / nd.DieWoche


Berliner Morgenpost: Schranken für Putins Trolle / ein Kommentar von Madeleine Janssen zu gezielter Desinformation ...
"Wir dienen Deutschland" ist ein Slogan der Bundeswehr. Auf Teile von BSW und AfD könnte man stattdessen durchaus das Motto "Wir dienen Russland" draufstempeln. Sie vertreten Positionen, die Wladimir Putin selbst, würde man ihn fragen, teils ähnlich formulieren könnte: den Kr

Berliner Morgenpost/Gefährliches Zögern/Leitartikel von Christian Kerl ...
Es sieht nicht gut aus für die Ukraine im Verteidigungskrieg gegen Russland. Die Eroberung von rund 100 russischen Dörfern in der Region Kursk ist zwar für die Moral der ukrainischen Truppe wichtig gewesen - ob die Gebietsgewinne zu halten sind, ist aber fraglich. Viel entscheidender: Das Kalkül

Berliner Morgenpost/Grüne Asyl-Akrobatik/Leitartikel von Theresa Martus ...
Die Partei wirkt beim Thema Migration hilflos - es droht der Absturz Man kann sich das, was die Grünen gerade beim Thema Migration versuchen, als eine Art politischen Seiltanz vorstellen. Vorsichtig, vorsichtig setzt die Führungsmannschaft der Partei da in luftiger Höhe ihre Schritte. Nur nicht

Frankfurter Rundschau: Rechtsruck in Paris ...
Mit Michel Barnier als Premier wird die neue Staatsführung in Paris noch stärker als bisher nach rechts tendieren. Die 166 Macron-Abgeordneten und die 66 konservativen Republikaner hinter Barnier dürften nun gemeinsame Sache machen. Sie kommen in der 577-köpfigen Nationalversammlung zwar nicht a


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z