In Verteidigung der Migrationsgesellschaft

In Verteidigung der Migrationsgesellschaft

ID: 2123204

(ots) - Aktuell versucht die Bundesregierung im Einklang mit fast allen Oppositionsparteien im Bundestag das Asylrecht auszuhebeln. Es braucht ein Bekenntnis zur Migrationsgesellschaft und eine Politik der Solidarität, fordert die Frankfurter Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international.

"Der aktuelle Abwärtstrend im Asyl- und Migrationsrecht ist eine Politik gegen unsere Gesellschaft", urteilt Valeria Hänsel, Referentin für Flucht & Migration bei medico international. Die jüngsten rechtswidrigen Forderungen - z.B. die Abweisung von Asylantragssteller:innen an den Außengrenzen; die Einführung einer Bezahlkarte für Geflüchtete; das Aussetzen internationaler Menschenrechtsverträge - gründen in dem Glauben, dass sich Sicherheit durch eine Politik des Rassismus erzielen lassen würde. "Über 20 Millionen Menschen haben in Deutschland eine Migrationsgeschichte", bemerkt dazu Hänsel: "Unsere gesellschaftliche Reichhaltigkeit, die das Leben erst lebenswert macht, ist auch den unzähligen Grenzübertritten zu verdanken."

Groß angelegte Angriffe gegen Personengruppen werden für gewöhnlich zuerst am schwächsten Glied in der Kette erprobt. "In diesem Fall blicken wir auf eine jahrelange Politik der Entrechtung gegenüber Menschen zurück, die sich gezwungen sahen, ihr Heimatland zu verlassen und ihren Weg nach Europa anzutreten", führt sie weiter aus und verweist auf die hohen Inhaftierungszahlen unter den Geflüchteten, wenn sie erstmals europäisches Festland betreten.

Der Fonds für Bewegungsfreiheit

"Immer wieder werden Geflüchtete als Schleuser gebrandmarkt. Sie werden in juristischen Schnellverfahren zu überdimensionalen Haftstrafen verdonnert, ohne dabei auf einen adäquaten Rechtsbeistand hoffen zu können", beobachtet die Migrationsexpertin. Aus diesem Grund ruft medico international Anfang September 2024 den Fonds für Bewegungsfreiheit ins Leben. Mit den darüber gesammelten Spenden werden Menschen unterstützt, die an den Rändern Europas unrechtmäßig in Gefängnissen sitzen. Aus dem Fonds werden Prozess- und Anwaltskosten finanziert ebenso wie Unterstützung im Alltag der Inhaftierten bereitgestellt. Dazu Hänsel: "Mit dem Fonds für Bewegungsfreiheit zeigen wir auf, dass Migration kein Verbrechen ist."



In Griechenland sitzen über 2000 Geflüchtete wegen des Vorwurfs des Schleuserei im Gefängnis. Die Prozesse dauern im Schnitt 37 Minuten und das Urteil lautet durchschnittlich auf 46 Jahre Haft. In Italien geht man davon aus, dass seit 2013 ca. 3200 Menschen aufgrund dieses Vorwurfs festgenommen wurden. In Spanien sind zwischen 2022 und 2023 aufgrund ähnlicher Vorwürfe 500 Menschen kriminalisiert worden. Die Dunkelziffer dürfte in allen Ländern weitaus höher sein.

"Mit dem Fonds werden wir dieser Ungerechtigkeit entgegentreten. Diese praktische Solidarität von unten gilt es auszubauen und zu stärken", kommentiert Migrationsreferentin Hänsel und verweist auf den Bumerangeffekt, den die rechtsgerichtete Politik an den Außengrenzen nach Innen haben wird. "Die Spirale der Entrechtung und Verachtung wird vor den Menschen innerhalb Deutschlands nicht aufhören. Wer für seine eigene schlechte Bildungs-, Sozial- und Wohnungspolitik Sündenböcke finden will, muss immer wieder aufs Neue Schuldige produzieren. Doch die gesellschaftlichen Probleme werden bleiben", so Hänsel abschließend.

Weitere Informationen rund um den Fonds für Bewegungsfreiheit finden Sie auf https://www.medico.de/bewegungsfreiheit

Für Rückfragen & Interviewwünsche:

Valeria Hänsel, Referentin für Flucht & Migration, +49 175 94 19 016, haensel@medico.de
Timo Dorsch, Pressereferent, +49 160 40 66 331, dorsch@medico.de


Original-Content von: medico international e.V., übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Flüchtlingsschutz ist Teil unserer demokratischen Werte / Gemeinsamer Appell an die Bundesregierung Sieg für die Energiewende: Von Deutscher Umwelthilfe vor Gericht unterstützter Mieter darf Balkonkraftwerk anbringen
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 11.09.2024 - 09:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2123204
Anzahl Zeichen: 3936

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Frankfurt/Main



Kategorie:

Menschenrechte



Diese Pressemitteilung wurde bisher 208 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"In Verteidigung der Migrationsgesellschaft"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

medico international e.V. (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Nothilfe von unten in Venezuela ...
Das Ausmaß der Katastrophe ist auch Tage nach den zwei Erdbeben noch unklar. Hunderttausende Menschen sind auf Unterstützung angewiesen, Zehntausende noch immer vermisst, mindestens 1000 Menschen sind gestorben. Die Frankfurter Hilfsorganisation medico international unterstützt mit 20.000 Euro di

Klimaschäden: RWE & Heidelberg Materials sollen haften ...
43 Bäuer*innen aus der pakistanischen Provinz Sindh, eine der von den verheerenden Überschwemmungen 2022 am stärksten betroffenen Regionen, nehmen die deutschen CO2-Großemittenten RWE und Heidelberg Materials in die Verantwortung. Mit einem heute versandten Aufforderungsschreiben verlangen sie e

Gaza: Gesundheitszentren von medico-Partner zerstört ...
Am Morgen des 22. und 24. September hat die israelische Armee Gesundheitseinrichtungen der medico-Partnerorganisation Palestinian Medical Relief Society (PMRS) im Gazastreifen angegriffen. Dabei wurde das zweistöckige Al Samer Gesundheitszentrum am 22.9. vollständig zerstört. Es war eine der letz


Weitere Mitteilungen von medico international e.V.


Sieg für die Energiewende: Von Deutscher Umwelthilfe vor Gericht unterstützter Mieter darf Balkonkraftwerk anbringen ...
- Erfolgreiche Verhandlung: Berliner Mieter darf nach langem Rechtsstreit Balkonkraftwerk anbringen - Wohnungsgenossenschaft lenkt nach Klage ein und lässt unangemessene Forderungen für Anbringung fallen - DUH kritisiert Leerstellen im angekündigten Balkonkraftwerke-Gesetz und fordert schne

Roland Berger-Studie: Nur jedes fünfte Unternehmen spricht sich hohen Reifegrad in Generativer Künstlicher Intelligenz zu ...
- 49% der Unternehmen betrachten ihre GenAI-Implementierung noch als unreif - Größte Potenziale für Automatisierung (93%) und Qualitätsverbesserung (87%) in der Funktion "Kundenbeziehungen, Vertrieb und Marketing" - 55% befragter Führungskräfte erwarten hohe Auswirkungen auf Jobprof

Tee bestätigt seinen guten Ruf. Deutsche Tee-Hersteller positiv gestimmt. ...
Ein stabiles Hoch beim Absatz, steigende Umsätze trotz leichtem Konsumrückgang und neue Produktideen, die neue Zielgruppen auf den Geschmack bringen. Im gerade erschienen Tee Report 2024 mit dem Titel "Tee tut gut und Gutes." zieht der Deutsche Tee & Kräutertee Verband auf 30 Seiten

OMQ optimiert Kundenservice mit intelligenten KI-Chatbots ...
OMQ, ein führender Anbieter von KI-basierten Kundenservicelösungen, stellt seinen innovativen Chatbot (https://omq.ai/de/produkte/chatbot/) vor, die es Unternehmen ermöglichen, Anfragen ihrer Kunden rund um die Uhr effizient und automatisiert zu beantworten. Die selbstlernenden Chatbots passen si


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z