Berliner Morgenpost: Signal an die Ampel / Leitartikel von Thorsten Knuf zur Grünenspitze

Berliner Morgenpost: Signal an die Ampel / Leitartikel von Thorsten Knuf zur Grünenspitze

ID: 2126658

(ots) - Das ist ein Paukenschlag - und zwar einer, der Folgen für die gesamte Berliner Ampel haben könnte: Der Bundesvorstand der Grünen tritt zurück, allen voran die beiden Parteivorsitzenden Ricarda Lang und Omid Nouripour. Bis zum Parteitag im November führt der Vorstand noch die Geschäfte, dann soll ein neues Team ran. "Es braucht einen Neustart", sagte Nouripour am Mittwoch zur Begründung. Die Grünen hatten zuletzt Wahlen in Serie verloren, erst am Sonntag waren sie in Brandenburg aus Landtag und Regierung geflogen. Auch im Bund geht es in den Umfragen nur noch abwärts.

Man kann es nicht anders sagen: Die Ökopartei ist bei den Wählern unten durch. Lange Zeit hatte es so ausgesehen, als könnte sie im Gegensatz zu den Koalitionspartnern SPD und FDP wenigstens noch ihre Kernwählerschaft zuverlässig an sich binden. Aber selbst das scheint vorbei zu sein. Wenn man so will, sind Lang und Nouripour die Sicherung, die durchbrennt, um die grünen Kabinettsmitglieder um Vizekanzler Robert Habeck zu schützen. Der hat ein Interesse daran, die Partei jetzt noch stärker als bisher auf seine Person auszurichten - und auf seine geplante Kanzlerkandidatur.

Habeck war vor dem Eintritt der Grünen in die Regierung selbst Parteichef. Da die Parteisatzung nicht zulässt, dass er als Minister zugleich ein Vorstandsamt ausübt, dürfte er nun versuchen, möglichst viele Getreue im Führungsgremium zu installieren. Ob die traditionell diskussionsfreudige Partei und ihr linker Flügel das mit sich machen lassen, sei einmal dahingestellt. Als Kanzlerwahlverein werden sich die Grünen mit ihrer basisdemokratischen Tradition vermutlich nie verstehen.

Ohnehin wird Habeck schon einige Mühe haben, seine eigenen Leute und die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die Grünen nächstes Jahr eine Chance haben können im Rennen um das Kanzleramt. In bundesweiten Umfragen ist die Partei zum Teil auf unter zehn Prozent abgesackt. Aus dieser Position heraus lässt sich kaum begründen, dass es einen grünen Kanzlerkandidaten braucht. Der Grat zwischen Ehrgeiz und Lächerlichkeit kann manchmal ziemlich schmal sein.



Lang und Nouripour stehen seit 2022 an der Grünen-Spitze. Angetreten sind sie ehedem mit dem Arbeitsauftrag, die Partei zusammen- und dem grünen Minister den Rücken freizuhalten. Für die endlosen, lähmenden Streitereien innerhalb der Regierung und zwischen den Ampel-Fraktionen sind sie nicht vorrangig verantwortlich. Dass sie trotzdem den Weg freimachen für andere, verdient Respekt.

Der überraschende Rücktritt von Lang, Nouripour und dem übrigen Grünen-Vorstand sendet auch ein Signal an die Koalitionspartner SPD und FDP. Erstmals hat die miserable Darbietung der Ampel personelle Konsequenzen auf höchster Ebene. Bei den beiden anderen Koalitionspartnern ist man noch lange nicht so weit.

In der SPD zweifeln zwar viele, ob es tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist, mit dem unpopulären Kanzler Olaf Scholz in den Bundestagswahlkampf 2025 zu ziehen. Mit Verteidigungsminister Boris Pistorius gäbe es eine Alternative. Die offene Revolte wagt bei den Sozialdemokraten bisher aber niemand.

Und bei den Liberalen scheint sich die Frage, ob Kurs und Auftreten von Parteichef Christian Lindner einen Beitrag zur eigenen Misere geleistet haben könnten, bislang gar nicht zu stellen. Ein Jahr ist es noch bis zur Wahl. Das Beben an der Grünen-Spitze legt den Schluss nahe: Der richtige Zeitpunkt, um Personalien zu klären, ist jetzt.

Pressekontakt:

BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 - 878
bmcvd@morgenpost.de


Original-Content von: BERLINER MORGENPOST, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zum Rücktritt von Ricarda Lang und Omid Nouripour Bundesarbeitsgericht - Beurteilungsspielraum des Betriebsrats beim Schulungsformat?
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 25.09.2024 - 19:15 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2126658
Anzahl Zeichen: 3802

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 332 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Berliner Morgenpost: Signal an die Ampel / Leitartikel von Thorsten Knuf zur Grünenspitze"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

BERLINER MORGENPOST (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

"Berliner Morgenpost" Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den


Weitere Mitteilungen von BERLINER MORGENPOST


Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zum Rücktritt von Ricarda Lang und Omid Nouripour ...
Der Personalwechsel an der Spitze wird für eine Rückkehr zu Wahlerfolgen nicht reichen. Dafür müssen sich die Grünen auf die Frage einlassen, warum sich die Ampel-Verdrossenheit bei so vielen Wählern vor allem an ihnen festmacht, warum Begriffe wie Bevormundung oder gar Gängelung so häufig m

Kommentar von "nd.DerTag" zum Rücktritt der Grünen-Spitze ...
Eine Überraschung war es schon, dass Ricarda Lang, Omid Nouripour und der Rest des Grünen-Vorstands ihren Rückzug aus der Parteiführung zum nächsten Parteitag erklärt haben: Sie wollten den Weg freimachen für einen Neuanfang. Das Gesicht des Neuanfangs soll Robert Habeck werden. Nicht an der

Grüne Aufgabe ...
Kurz nach der dritten von drei desaströsen Landtagswahlen haben Omid Nouripour, Ricarda Lang und der restliche Bundesvorstand der Grünen erklärt, dass sie ihre Ämter niederlegen. Es ist ein Paukenschlag, der ihrer "geliebten Partei" in der Krise einen Neustart ermöglichen soll. Und da

Bonner Hassprediger klagt gegen seine Abschiebung - Abdul Alim Hamza soll gedroht haben, seine kleine Tochter zu töten ...
Knapp zwei Wochen nachdem der salafistische Hassprediger Leonis Hamza, alias Abdul Alim Hamza, in Abschiebehaft genommen wurde, hat der 32-jährige Kosovare Rechtsmittel beim Kölner Verwaltungsgericht eingelegt. Am vergangenen Dienstag habe der Bonner Extremist über seine Anwälte einen Eilantrag


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z