ePA-Start auf Raten verschärft Unsicherheit
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(ots) - Deutsche Aidshilfe: Sicherheitslücken schließen, selbstbestimmten Umgang mit den Daten ermöglichen. Erst dann kann die elektronische Patient*innenakte zu einer guten und diskriminierungsfreien Gesundheitsversorgung beitragen.
Die elektronische Patient*innenakte (ePA) startet verfrüht und scheibchenweise: Ab heute ist sie bundesweit verfügbar, verpflichtend wird der Gebrauch für medizinische Einrichtungen erst am 1. Oktober.
Dazu sagt Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe (DAH): "Den heutigen ePA-Start beobachten wir mit großer Sorge. Technische Sicherheitslücken sind nicht glaubhaft geschlossen und ein einfacher, selbstbestimmter Umgang mit sensiblen Diagnosen ist nicht gewährleistet. Durch den Start auf Raten droht noch mehr Verunsicherung der Patient*innen. Die ePA kann viel zu einer besseren Gesundheitsversorgung beitragen - aber sie ist noch nicht einsatzbereit."
Unklare Situation bezüglich ePA-Verwendung
Patient*innen können sich ab heute nicht mehr sicher sein, ob medizinische Einrichtungen, die sie aufsuchen, bereits Zugriff auf die ePA haben. Über die automatisch eingespeisten Medikationslisten und Abrechnungsdaten können sensible Diagnosen wie HIV sichtbar werden.
Die Zahnärztin kann automatisch von der HIV-Infektion erfahren, die Orthopädin von Abhängigkeitserkrankungen und der Apotheker von der Psychotherapie. Auch Tests auf sexuell übertragbare Infektionen tauchen in der Akte auf. Die Möglichkeit, solche Informationen zu verbergen, sind völlig unzureichend.
"Der aktuelle Umgang mit Diagnosen und anderen Gesundheitsinformationen ist weder notwendig noch zumutbar. Viele Erkrankungen wie zum Beispiel HIV führen gerade im Gesundheitssystem zu Diskriminierung", sagt DAH-Vorstandsmitglied Sylvia Urban.
Die Deutsche Aidshilfe warnt bereits seit langer Zeit, dass die ePA Diskriminierung Vorschub leisten könnte. Benötigt wird eine Benutzeroberfläche, die es erlaubt, bestimmte Informationen einfach und wirkungsvoll zu verbergen oder nur für bestimmte Einrichtungen freizugeben.
Verunsicherung schadet der ePA-Einführung
"Bisher sind die Möglichkeiten, die eigenen Daten zu steuern, sehr begrenzt und viel zu kompliziert. Wenn Sicherheitslücken eindeutig nicht geschlossen und Patient*innen weiter verunsichert werden, schadet das der Glaubwürdigkeit der ePA und damit ihrer wirkungsvollen Einführung", sagt Manuel Hofmann, Referent für Digitalisierung der Deutschen Aidshilfe.
Ende 2024 hatte der Chaos Computer Club gravierende Mängel im technischen System der ePA aufgedeckt: Unbefugte hätten sich leicht Zugang zu Millionen Patient*innendaten verschaffen können.
"Nötig wäre bei der IT-Sicherheit im Gesundheitswesen ein grundsätzliches Umdenken. Es reicht nicht, immer nur einzelne Sicherheitslücken schließen zu wollen. Es braucht vollständige Transparenz, unabhängige externe Kontrolle und eine Sicherheitsarchitektur, die individuell hohen Schutzbedarfen wirklich gerecht wird", so DAH-Digitalreferent Hofmann.
Deutsche Aidshilfe unterstützt bei ePA-Nutzung
Um unter den gegebenen Bedingungen einen möglichst selbstbestimmten Umgang mit den eigenen Daten zu ermöglichen, informiert die Deutsche Aidshilfe in einer digitalen Handreichung über die ePA. Sie erläutert dort Patient*innenrechte und Möglichkeiten, die eigenen Daten zu freizugeben oder zu verbergen, bestimmte medizinische Einrichtungen auszuschließen - oder der Verwendung der Akte prinzipiell zu widersprechen.
"Mit dem pauschalen Sperren geht allerdings auch der Verlust des Nutzens der ePA einher", sagt DAH-Vorständin Sylvia Urban. "Das sollte am Ende nicht die Lösung sein müssen."
www.aidshilfe.de/epa
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Datum: 28.04.2025 - 16:32 Uhr
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