Beschädigte Koalition / Kommentar von Raimund Neuß zu den Umständen der Kanzlerwahl von Friedrich

Beschädigte Koalition / Kommentar von Raimund Neuß zu den Umständen der Kanzlerwahl von Friedrich Merz

ID: 2169952

(ots) - Gleich mit dem ersten Tag seiner Kanzlerschaft hat Friedrich Merz einen besonderen Platz in den Geschichtsbüchern sicher - allerdings keinen, den er sich hätte wünschen können. Eine Kanzlerwahl, die im ersten Anlauf scheitert und wiederholt werden muss, die hat es in der Geschichte des Bundestages noch nicht gegeben. 18 Stimmen fehlten Merz im ersten Wahlgang zur Kanzlermehrheit - ein mehr als deutliches Signal. Eine Demütigung, auch wenn es dann im zweiten Wahlgang klappte.

Wer aus den Reihen der schwarz-roten Koalition gegen Merz gestimmt hat, wird vermutlich nie herauskommen. Dass sich die meisten, die ihm ihre Stimme verweigerten, dann im zweiten Durchgang umentschieden, mag die Einschätzung rechtfertigen, dass es hier eher um das Zusammentreffen vieler Einzelentscheidungen ging als um eine konzertierte Aktion.

Mögliche Motive für die Destruktion per Stimmkarte gibt es viele - in beiden Lagern: Der strategische Fehler von Merz, noch vor der Wahl AfD-Stimmen für seine Anträge zur Migrationspolitik in Kauf zu nehmen; das wechselseitige Beharken von SPD und CDU beim Thema Mindestlohn; die erst am Montag verkündeten Personalentscheidungen, mit denen SPD-Chef Lars Klingbeil manche Parteifreunde gegen sich aufgebracht haben mag. Dazu die Unzufriedenheit in der Union mit den Ausnahmeregeln bei der Staatsverschuldung.

Aber was immer einzelne Abgeordnete jeweils bewegt haben mag - bei den 18 Unbekannten fragt man sich, ob sie die dramatische Situation begriffen haben, in der unser Land steht. Welche sachlichen Einwände oder welche Vorbehalte gegen einzelne Personen es bei wem auch immer geben mag - nichts davon kann die Entscheidung rechtfertigen, mit dem neuen Bundeskanzler zugleich auch die gesamte Regierung schon am ersten Tag aus den eigenen Reihen heraus zu beschädigen und zu schwächen. Eine Regierung, die - unabhängig davon, ob man beispielsweise den Kanzler oder den Vizekanzler nun besonders schätzt oder nicht - die aktuell einzig verfügbare Option bietet, unser Land einigermaßen sicher durch eine extrem gefährliche Zeit zu steuern.



Was sich da gestern beobachten ließ, war ein verantwortungsloses Spiel mit der eigenen Stimme in einem Bundestag, in dem eine vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch bewertete Partei die zweitstärkste Fraktion bildet. Und das angesichts des größten Krieges in Europa seit 1945, der die Sicherheit unseres ganzen Kontinents bedroht, angesichts hybrider russischer Angriffe auf unser Land, angesichts der unberechenbaren Außen-, Sicherheits- und Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump.

Ein wenig Hoffnung mag man aus dem Umdenken der meisten anfänglichen Verweigerer im zweiten Wahlgang schöpfen. Die Regierungsmitglieder und die Fraktionsführungen der Koalitionsparteien müssen jetzt alles daran setzen, den eigenen Abgeordneten zu vermitteln, welche Aufgabe erste Priorität hat: die Sicherung unseres demokratischen Gemeinwesens nach innen und nach außen. Nur wenn sie das schaffen, werden sie auch die Bürgerinnen und Bürger überzeugen können.

Pressekontakt:

Kölnische Rundschau
Raimund Neuß
Telefon: 0221/1632-555
print@kr-redaktion.de


Original-Content von: Kölnische Rundschau, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Selbstverschuldetes Scheitern NRW-Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne): Chaos um Kanzlerwahl stärkt die AfD
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 06.05.2025 - 18:36 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2169952
Anzahl Zeichen: 3362

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Köln



Kategorie:

Politik & Gesellschaft



Diese Pressemitteilung wurde bisher 483 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Beschädigte Koalition / Kommentar von Raimund Neuß zu den Umständen der Kanzlerwahl von Friedrich Merz"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Kölnische Rundschau (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Kriegsverbrechen als Strategie / Kommentar von Raimund Neuß zum vierten Jahrestag der Aufdeckung des Massakers von Butscha ...
Auf das Aufatmen folgte das Entsetzen: Die Erinnerung an den historischen Sieg der ukrainischen Armee in der Schlacht um Kiew ist untrennbar mit der an die Aufdeckung der Massaker in Butscha und anderen Vororten der ukrainischen Hauptstadt verbunden. Die Morde von Butscha sind nicht damit zu erklä

Wider jedes Königsgehabe - Frank Überall (Kölnische Rundschau) über die Demonstrationen gegen Donald Trump in den USA ...
Königliches Gehabe passt nicht zu einer Demokratie - jedenfalls nicht, wenn es statt um bloße Repräsentation darum gehen soll, einsam und allein Entscheidungen zu treffen. Die "No Kings"-Demonstrationen in den USA zeigen, dass in Krisenzeiten der Ruf nach einer ordnenden Hand zwar durch

Auch ein Sieg kann Sorgen machen / Raimund Neuß zum Wahlergebnis in Rheinland-Pfalz ...
Rückkehr in die Staatskanzlei nach 35 Jahren: Die rheinland-pfälzische CDU von Gordon Schnieder jubelt. Endlich, endlich hat sie die Wählerinnen und Wähler überzeugen können, dass sie ein plausibles personelles und inhaltliches Angebot hat. Seit dem Sturz von Bernhard Vogel 1988 hatte sich ei


Weitere Mitteilungen von Kölnische Rundschau


Merz‘ Kanzlerwahl: Fehlstart ins Regierungsamt ...
Am Anfang gleich ein Desaster: Nach über 20 Jahren als Möchtegern-Bundeskanzler muss Friedrich Merz, den seine Parteifreundin Angela Merkel schon 2002 ausbremste, nun auch zweimal antreten um seinen Wunschposten zu ergattern. Im Bundestag verpasste der CDU-Chef die nötigen Stimmen und musste in d

Selbstverschuldetes Scheitern ...
Wie konnten die Spitzen von Union und SPD die Lage so falsch einschätzen? Man musste am Dienstag zwischen den einzelnen Krisensitzungen im Reichstagsgebäude nur in die kalkweißen Gesichter von Friedrich Merz und Lars Klingbeil blicken, um festzustellen, dass sie und ihre jeweiligen neuen Fraktion

Dicke Schramme / Die historische ie historische Niederlage im ersten Wahlgang wirft Fragen auf, die weit über die Person Merz hinausgehen. ...
Einen Eintrag hat Merz in den Geschichtsbüchern auf jeden Fall. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik ist jemand bei der Kanzlerwahl im ersten Wahlgang gescheitert. Die Menschen in der Bundesrepublik waren immer stolz darauf, dass ihr politisches System mit höchster Verlässlichkeit arbeit

Deutschland in unruhigen Zeiten ...
Seit der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 galten die USA stets als Vorbild für eine freiheitliche Demokratie. Die Vereidigung von Donald Trump am 20. Januar 2025 als 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika war jedoch eine Zäsur für die Weltpolitik und für die Demokratie. Es


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z