Fisch und Meeresfrüchte als Antwort auf die Klimakrise? / Umweltwissenschaftler Björn Suckow über nachhaltige Lösungen aus dem Wasser
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(ots) - Ob Fisch aus der Nordsee, Lachs aus Aquakultur oder Muscheln von der Küste: Lebensmittel aus dem Wasser sind nicht nur gesund, sie könnten auch eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel spielen. Denn im Vergleich zu Fleisch haben viele Fischarten und Meeresfrüchte eine deutlich bessere Klimabilanz. Moderne Produktionsmethoden wie die integrierte Aquakultur versprechen zusätzliche Nachhaltigkeit. Doch wie klimafreundlich ist "Blue Food" wirklich? Björn Suckow, Wissenschaftler und Mitarbeiter in der nachhaltigen Marinen Bioökonomie am Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven gibt im Interview Einblicke in nachhaltige Konzepte und erklärt, warum die Aquakultur von morgen mehr als nur satt machen kann.
Die Lebensmittelproduktion der Zukunft steht vor großen Herausforderungen: Ressourcen werden knapper, die Klimakrise verlangt nach Lösungen. Doch welche Rolle können Fisch, Muscheln und Algen dabei spielen? Julia Steinberg-Böthig vom Fisch-Informationszentrum e. V. (FIZ) hat Björn Suckow dazu befragt:
Herr Suckow, wie hängen Ernährung und Klimakrise zusammen?
Björn Suckow: Hier gibt es einen direkten Zusammenhang. Die globale Ernährung ist für rund ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich - durch Anbau, Tierhaltung, Verarbeitung, Transport, Zubereitung und Entsorgung. Wer bewusster konsumiert, kann also einen großen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz leisten.
Und wo stehen Fisch und Meeresfrüchte in diesem Zusammenhang?
Suckow: Fische wandeln ihre Nahrung besonders effizient in Körpermasse um - deutlich besser als ihre tierischen Kollegen an Land. Das heißt: Bei einer guten Produktion entstehen hier pro Gramm tierischem Eiweiß weniger klimaschädliche Gase als bei Schwein, Rind und Co. Auch verbraucht die Zucht von Organismen im Meer keine Landfläche und tendenziell weniger Trinkwasser. Algen und Muscheln verbessern darüber hinaus durch ihre natürliche Filterfunktion sogar die Wasserqualität.
Muscheln und Algen sind also besonders nachhaltig?
Suckow: Auf jeden Fall. Muscheln und Algen sind aus ökologischer Sicht kleine Helden - sie brauchen keine Zufütterung, binden CO2, reinigen das Wasser und bilden noch Lebensräume für andere Tiere wie beispielsweise Fische. Wer regelmäßig zu diesen Produkten greift, kann also ganz konkret zum Umweltschutz beitragen.
Gilt das auch für alle Fischarten?
Suckow: Natürlich gibt es Unterschiede - entscheidend ist, wie und wo Fisch produziert oder gefangen wird. Viele Arten wie Hering oder Makrele haben eine sehr geringe COâ''-Bilanz. Nachhaltige Fischerei und verantwortungsvolle Aquakultur mit zertifizierten Standards wie ASC, MSC oder Naturland können die Umwelt damit deutlich weniger belasten als etwa die Rindfleischproduktion. Vor allem Wiederkäuer wie Rinder stoßen beim Verdauen große Mengen Methan aus - ein Treibhausgas, das um ein Vielfaches klimaschädlicher ist als CO2''. Fische hingegen produzieren kein Methan und benötigen deutlich weniger Energie, da sie als Meeresbewohner nicht gegen die Schwerkraft ankämpfen müssen und ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur entspricht. Das macht sie in vielen Fällen zur klimafreundlicheren Alternative. Besonders spannend sind meiner Meinung nach integrierte Systeme.
Was bedeutet "integrierte Systeme"?
Suckow: In der sogenannten integrierten Aquakultur werden verschiedene Arten wie Fische, Muscheln und Algen gemeinsam in einem Kreislauf bzw. benachbart zueinander im Meer gehalten. Die Abfallstoffe der einen dienen den anderen als Nährstoffquelle. So entsteht ein nahezu geschlossener, ressourcenschonender Produktionsprozess. Mit dem gleichen Einsatz von Futter kann ich also viel mehr Lebensmittel produzieren. Das ist ein spannender Ansatz für die Zukunft, an dem auch ich forsche.
Heißt das, wir sollten mehr Blue Food für das Klima essen?
Suckow: Eine Ernährung, die stärker auf pflanzlichen Lebensmitteln basiert, ist für das Klima am besten. Für die, die nicht auf tierische Produkte verzichten möchten, ist Blue Food - wenn bewusst und nachhaltig gewählt - fürs Klima häufig eine bessere Alternative zu Fleisch. Wer öfter mal Fisch oder gerade Meeresfrüchte statt Fleisch isst, kann Genuss mit Verantwortung verbinden. Und damit einen Beitrag für den Schutz unseres Planeten leisten.
Aber wenn jetzt jeder Fisch statt Fleisch essen würde - wären die Bestände dann nicht auch überlastet?
Suckow: Natürlich wäre es keine Lösung, den weltweiten Fleischkonsum einfach eins zu eins durch Fisch zu ersetzen - das würde viele Bestände überfordern. Entscheidend ist, woher der Fisch stammt und wie er erzeugt wurde. Nachhaltige Fischerei, verantwortungsvolle Aquakultur und eine größere Vielfalt auf dem Teller können helfen, den Konsum klima- und ressourcenschonend zu gestalten. Qualität vor Masse, weniger, dafür aber besser und bewusst genießen - das ist der Schlüssel.
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Dipl. oec. troph. Julia Steinberg-Böthig
Große Elbstraße 133
D-22767 Hamburg
Tel. 040 / 389 25 97
Mobil: 0151 420 360 58
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Datum: 20.05.2025 - 13:00 Uhr
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