Alzheimer: Wie eine neue Therapie Hoffnung weckt

Alzheimer: Wie eine neue Therapie Hoffnung weckt

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(ots) - Die Arznei Lecanemab soll Alzheimer endlich bremsen können. Wie das Präparat wirkt - und wer davon profitieren kann.

Alzheimer heilen: Klingt zu schön, um wahr zu sein? Tatsächlich weckt aktuell ein neues Medikament namens Lecanemab Hoffnungen bei Betroffenen und Angehörigen. Doch die riesigen Erwartungen können nicht erfüllt werden, sagen Experten. Das Mittel kommt nur für eine kleine Personengruppe infrage, der kognitive Abbau kann zwar verlangsamt werden - aber nicht gestoppt. Warum die Therapie dennoch einen Durchbruch darstellt, zeigt das Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau".

Kognitiver Abbau kann verlangsamt werden

In Europa stand die Zulassung von Lecanemab lange auf der Kippe. "Es gab Diskussionen darüber, wie groß die klinischen Effekte tatsächlich sind und in welchem Verhältnis Nutzen und Risiken für die Patienten stehen", erklärt Prof. Dr. Özgür Onur, Leiter der Spezialambulanz für Gedächtnisstörungen und Demenz am Universitätsklinikum Köln. Im April 2025 gab die Europäische Kommission schließlich doch grünes Licht: Ab Herbst soll Lecanemab in Deutschland verfügbar sein. Das Präparat ist ein sogenannter Antikörper. Er setzt an den für Alzheimer typischen Amyloid-Plaques im Gehirn an und bindet die Bausteine dieser Plaques, markiert sie als körperfremd. So vermittelt Lecanemab dem Immunsystem, dass es die Plaques "abholen" und entfernen kann.

Fachleute warnen aber vor überzogenen Hoffnungen. "Die Bilder vom Gehirn zeigen nach der Behandlung zwar kein auffälliges Amyloid mehr - der Effekt für die Patienten ist aber überschaubar", sagt Prof. Dr. Agnes Flöel, Direktorin der Klinik für Neurologie an der Universitätsmedizin Greifswald. Der kognitive Abbau kann binnen 18 Monaten um 27 Prozent verlangsamt werden. Ein messbarer Effekt, für Betroffene aber kaum zu bemerken, denn die Erkrankung schreitet weiter fort - nur eben langsamer.

Um mit Lecanemab behandelt zu werden, müssen Betroffene eine Reihe von Kriterien erfüllen. Dazu gehört etwa, dass die Betreffenden Alzheimer nur in einem frühen Stadium haben dürfen. Außerdem braucht es einen Nachweis für die krankhaften Amyloid-Ablagerungen im Gehirn, ein aktuelles MRT-Bild und einen Gentest. Der soll ausschließen, dass eine Patientin oder ein Patient eine doppelte Kopie des sogenannten ApoE4-Gens besitzt - bei dieser erblichen Anlage ist das Risiko für Hirnblutungen und Hirnschwellungen unter der Therapie deutlich erhöht.



Von den 1,3 Millionen Menschen mit Alzheimer in Deutschland wird daher nur ein kleiner Teil für die Behandlung infrage kommen. Klar ist: Die eigentliche Hoffnung liegt auf der Zukunft. Es stehen weitere Antikörper und Medikamente in den Startlöchern, die teilweise an einer anderen Stelle des Krankheitsmechanismus ansetzen. Özgür Onur ist optimistisch: "Es ist durchaus denkbar, dass wir Alzheimer eines Tages so früh und so gut behandeln können, dass die Symptome erst in hohem Alter auftreten - oder gar nicht mehr."

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