Reimann zum angepassten KHAG: Sonderlocken, Leerstellen und verzweifeltes Festhalten an ineffiziente

Reimann zum angepassten KHAG: Sonderlocken, Leerstellen und verzweifeltes Festhalten an ineffizienten Strukturen

ID: 2203621

(ots) - Nach wochenlangem Ringen zwischen Bund und Ländern soll am heutigen Mittwoch (8. Oktober) der angepasste Entwurf des Gesetzes zur Anpassung der Krankenhausreform (KHAG) im Kabinett beschlossen werden. Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, schaut mit gemischten Gefühlen auf die aktuelle Fassung des KHAG:

"Auf der einen Seite ist es gut, dass jetzt die Hängepartie um die Finanzierung der Transformationskosten für die Modernisierung der Krankenhäuser beendet ist. Mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf ist endlich klar, dass diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe aus Steuermitteln und nicht aus den Beiträgen der Versicherten und Arbeitgeber bezahlt wird.

Auf der anderen Seite ist mit dem vorliegenden Entwurf aber auch klar, dass es bei der Aufweichung wichtiger Qualitätsvorgaben für die Kliniken bleiben wird. Zentrale Punkte wie die bundesweit verbindlichen Erreichbarkeitsvorgaben oder die Vorgaben zur Zahl der erforderlichen Fachärzte bei bestimmten Eingriffen sollen weiterhin entfallen. Im Gegenzug werden den Bundesländern zahlreiche Hintertüren zur Abweichung von den ursprünglich verbindlich festgeschriebenen Qualitätsvorgaben geöffnet. Das ist nicht im Sinne der Patientensicherheit. Die Qualität der Versorgung sollte nicht davon abhängen, in welchem Bundesland ein Versicherter behandelt wird. Ein kleiner Lichtblick ist die neu eingefügte Verpflichtung der Länder, bei der Zuweisung von Leistungsgruppen ohne Erfüllung der vorgegebenen Qualitätskriterien das Einvernehmen mit den Landesverbänden der Krankenkassen herzustellen.

Bauchschmerzen bereiten uns die Sonderregelungen für Kliniken in Nordrhein-Westfalen, insbesondere bei der Vorhaltefinanzierung. Sie führen zu unnötiger zusätzlicher Bürokratie für alle Beteiligten, denn für die Kliniken in NRW sind dann künftig eigene Abrechnungsprozesse erforderlich.

Neben solchen Sonderlocken fallen vor allem die Leerstellen im Gesetzesentwurf auf: Eine bedarfsorientierte und fallzahlunabhängige Vorhaltefinanzierung auf Basis der Planfallzahlen sowie die Beauftragung eines Bedarfsbemessungsinstruments sucht man weiterhin vergeblich. Und auch die untauglichen Vorgaben für die neuen sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen bleiben unverändert. Hier sollte der Fokus stärker auf die ambulante Versorgung mit Übernachtungsmöglichkeit gelegt werden, damit diese Einrichtungen einen echten Mehrwert für die Versorgung an der Schnittstelle zwischen den Sektoren schaffen.



Statt die qualitätsorientierte Konzentration der Krankenhäuser konsequent voranzutreiben und gezielt die zukunftsfähigen Kliniken mit guten Behandlungsergebnissen zu fördern, setzt Schwarz-Rot beim Thema Krankenhaus-Finanzierung weiter auf das Prinzip Gießkanne. Das Füllhorn wird in Form von Rechnungsaufschlägen aus dem Sondervermögen Infrastruktur über allen Krankenhäusern ausgeschüttet. Das ist keine zukunftsgerichtete Politik, sondern verzweifeltes Festhalten an den bestehenden ineffizienten Strukturen.

Angesichts des Geldsegens für die Kliniken in Höhe von 4 Milliarden Euro möchten wir die schwarz-rote Koalition noch mal an ihre Versprechen erinnern: Weit vorne im Gesundheitskapitel des Koalitionsvertrags wird die Stabilisierung der Finanzsituation der gesetzlichen Krankenversicherung als Ziel hervorgehoben. Eine gute und schnelle Möglichkeit, der GKV zu helfen, wäre die sofortige Aussetzung der sogenannten Meistbegünstigungsklausel in der Krankenhausvergütung. Das würde die GKV-Ausgaben im Krankenhausbereich im kommenden Jahr um 1,7 Milliarden vermindern."

Pressekontakt:

Ihr Ansprechpartner in der Pressestelle:
Dr. Kai Behrens
Telefon: 030 / 34646-2309
Mobil: 01520 / 1563042
E-Mail: presse@bv.aok.de


Original-Content von: AOK-Bundesverband, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Concept Club, der Hotspot für Longevity, Fitness und Lifestyle in Berlin Mitte Ganz sicher - Der Oktober ist
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 08.10.2025 - 09:50 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2203621
Anzahl Zeichen: 3986

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Gesundheitswesen - Medizin



Diese Pressemitteilung wurde bisher 196 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Reimann zum angepassten KHAG: Sonderlocken, Leerstellen und verzweifeltes Festhalten an ineffizienten Strukturen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

AOK-Bundesverband (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Reimann zum BStabG: Dieses Gesetz ist dringlich, aber nicht nachhaltig ...
Zur heutigen 2./3. Lesung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (BStabG) und zum 2. Durchgang im Bundesrat äußert sich die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, wie folgt: "Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Stabilisierung der GKV-Finanzen ist unstrittig,

Reimann zur Notfallreform: Mehr Mut zur Steuerung ...
Heute Nacht wird das Gesetz zur Reform der Notfallversorgung in erster Lesung im Bundestag beraten. Aus diesem Anlass weist die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, auf Nachbesserungsbedarf hin und fordert mehr Mut bei der Steuerung der Hilfesuchenden in die richtige Ver

AOK begrüßt geplante Änderungen am Sparpaket - aber stabile Beiträge in den nächsten Jahren weiter ungewiss ...
Das umfangreiche Änderungspaket zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) kommentiert die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, wie folgt: "Über 60 Änderungen zeugen davon, wie sehr um dieses Gesetz gerungen wird und wie schwierig die Suche nach Komp


Weitere Mitteilungen von AOK-Bundesverband


Ganz sicher - Der Oktober ist "Cybersecurity Awareness Month" des Jahres ...
Phishing-Mails, manipulierte QR-Codes oder von der KI geklonte Stimmen: Cyberangriffe entwickeln sich rasant weiter und bedrohen weltweit immer mehr Privatpersonen und Unternehmen. Helke Michael verrät euch / Ihnen (zum weltweiten "Cybersecurity Awareness Month" im Oktober) mehr dazu. S

Welttag der mentalen Gesundheit: Mehr psychosoziale Hilfe in Krisengebieten nötig ...
Psychosoziale Unterstützung ist ein unverzichtbarer Teil humanitärer Hilfe. Zum Welttag der mentalen Gesundheit am 10. Oktober macht die Hilfsorganisation Help – Hilfe zur Selbsthilfe auf die Bedeutung psychosozialer Versorgung in Krisen- und Katastrophengebieten aufmerksam. Mindestens jeder fü

Herz und Seele in Einklang bringen! Dr. Boris Leithäuser (BNK) erklärt im Interview anlässlich des "Welttags der seelischen Gesundheit" am 10. Oktober, wie betroffenen Herzkranken geholfe ...
Was können Patienten im Vorfeld eines geplanten Herzeingriffs tun, um sich seelisch zu stärken? Dr. Leithäuser: "Ein bevorstehender Eingriff am Herzen geht nicht selten einher mit einer emotionalen Belastung aufgrund des zu erwartenden Kontrollverlustes, der Angst vor Komplikationen, vor de

Heute Protestaktion gegen GEAS-Reform zur Debatte im Bundestag - Terre des Hommes und PRO ASYL fordern: Kinder schützen, nicht wegsperren! ...
Am Donnerstag, 9. Oktober 2025, diskutiert der Bundestag zum ersten Mal im Plenum über die Umsetzung der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Deutschland (erste Lesung). Geplant sind unter anderem verstärkte Freiheitsbeschränkungen und Freiheitsentziehung für geflüchtete M


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z