Stellungnahme zur Schließung des angewandten Geostandortes der TU Darmstadt
ID: 2205020
Geowissenschaftliche Ausbildung ist Schlüssel für Energieversorgung, Wasserwirtschaft und Infrastruktur – BDG fordert Erhalt des Studiengangs
Die geplante Schließung der Angewandten Geowissenschaften an der TU Darmstadt würde zu einem weiteren Engpass von Absolventinnen und Absolventen führen, die im Arbeitsmarkt in Hessen und deutschlandweit dringend benötigt werden - in Ingenieurbüros und Baugrundlaboren, als Freiberufler, in der Industrie sowie in Ämtern und Behörden. Bereits heute haben Arbeitgeber der freien Wirtschaft und des öffentlichen Dienstes Probleme, qualifizierte Absolventinnen und Absolventen zu finden.
Geowissenschaftler sind Experten des genutzten Untergrunds. Sie unterstützen Kommunen und Bauherren bei der Baugrunduntersuchung, Infrastrukturmaßnahmen und dem Ausbau der Geothermie. Sie sanieren Altlastenstandorte, erschließen Grundwasser für den Erhalt von Trinkwasserreservoiren und sind häufig Mitglied in den Ingenieurkammern der Länder.
Mit geowissenschaftlicher Expertise wird die nachhaltige Gewinnung von Bau- und Industrierohstoffen, von kritischen Rohstoffen sowie der sichere Nachbergbau mit der Beseitigung von Bergbaufolgen gewährleistet. Geowissenschaftler erschließen und fördern Energiequellen wie die tiefe Geothermie. Dabei sind gerade die Themen Energie und Rohstoffe Schlüsselelemente der strategischen Unabhängigkeit Deutschlands.
In behördlichen Einrichtungen wie dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) oder den in den Regierungspräsidien verorteten Bergbehörden, z. B. auch in Darmstadt, bearbeitet unser Berufsstand Genehmigungsverfahren für die
Durchführung von Bau- und Erschließungsmaßnahmen und befasst sich mit der geologischen Landesaufnahme.
Daher ist es für den Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e. V. überraschend, dass das Präsidium der Technischen Universität Darmstadt eine Schließung des Instituts für Angewandte Geowissenschaften im FB 11 (Material- und Geowissenschaften) beabsichtigt.
Das Institut für Angewandte Geowissenschaften bietet einen für die Ausbildung ingenieurtechnisch orientierter Absolventen entscheidenden angewandten Hochschulstandort. Die geplante Kürzung bedeutet faktisch das Ende dieser angewandtgeowissenschaftlichen Ausbildung in Hessen. Dabei wird geowissenschaftlicher Nachwuchs in Hessen und deutschlandweit dringend benötigt, denn der Bedarf ist bereits
höher als das Angebot an Nachwuchskräften. Studierende finden direkt nach ihrem Abschluss eine Anstellung in der Industrie, in Ingenieurbüros und Behörden.
Ohne einen geowissenschaftlich-angewandten Studiengang wird Hessen zukünftig einem eklatanten Mangel an Fachkräften gegenüberstehen, der auch nicht durch Absolventen anderer Standorte aufgefangen werden kann. In der Industrie, in geowissenschaftlichen
Ingenieurbüros und in Behörden werden zukünftig Stellen kaum mehr besetzt werden. Diese Situation besteht in gleicher Weise bereits seit einigen Jahren im Saarland.
Dass ein naturwissenschaftlicher Studiengang mit ingenieurwissenschaftlicher Anbindung und einem klaren Berufsbild und Bedarf am Arbeitsmarkt geschlossen werden soll erschließt sich uns nicht und wir fordern Universitätsleitung und Landesregierung auf, die geplante Schießung zu revidieren.
Als Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e. V. bieten wir unsere Expertise an, um gemeinsam mit dem Land Hessen, der Technischen Universität Darmstadt und weiteren Beteiligten in Dialog zu treten, um gemeinsam eine zukunftsfähige Strategie für die genannten berufsrelevanten Themen zu entwickeln.
Der BDG Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler e. V. ist die berufliche Interessenvertretung der Geowissenschaften der festen Erde in Deutschland.
Er vertritt seit über 40 Jahren die Interessen der ca. 30.000 Geowissenschaftlerinnen und Geowissenschaftler in Deutschland gegenüber Politik, Öffentlichkeit und anderen Berufsgruppen.
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Datum: 14.10.2025 - 18:33 Uhr
Sprache: Deutsch
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