IHK Saarland: Die Zukunft der Stahlindustrie erfordert schnelle und klare Entscheidungen
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Thomé: „Wertschöpfung, Beschäftigung und industrielle Souveränität stehen auf dem Spiel“
„Die Lage ist ernst. Die saarländische Stahlindustrie agiert in einem schwierigen Marktumfeld mit geringer Nachfrage, hohen Standortkosten und wachsendem Importdruck – mit entsprechend niedrigen Margen. Trotz dieser Bedingungen wurden bereits weitreichende Investitionsentscheidungen für den Übergang zur klimaneutralen Produktion getroffen. Damit diese Transformation wirtschaftlich tragfähig bleibt, braucht es endlich fairen Wettbewerb auf Energie-, Handels- und Beschaffungsmärkten. Berlin und Brüssel müssen jetzt liefern und ihrer Verantwortung gerecht werden. Es geht um die Zukunftssicherung unserer Stahlindustrie“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé.
Die Stahlindustrie ist eine tragende Säule der saarländischen Wirtschaft. Rund 20.000 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt an ihr, jährlich fließen etwa eine Milliarde Euro an Löhnen in die regionale Kaufkraft. Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung verbleibt in der Region – insbesondere im Maschinenbau, Handwerk, in der Logistik und bei industriellen Dienstleistern. Stahl ist zudem Grundstoff zentraler industrieller Wertschöpfungsketten. Eine geschwächte Stahlbasis hätte unmittelbare Folgen für Wohlstand, industrielle Kompetenz und strategische Souveränität.
Damit die Transformation gelingt, muss die Bundesregierung für einen dauerhaft wettbewerbsfähigen Industriestrompreis sorgen – insbesondere mit Blick auf die künftig stark steigenden Strombedarfe in der Direktreduktion und beim Einsatz von Elektrolichtbogenöfen. Ergänzend braucht es verbindliche und kurzfristig wirksame Investitionszusagen über Carbon Contracts for Difference (CCfD) sowie beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren, insbesondere für Energie- und Wasserstoffinfrastruktur. Zudem ist ein klar terminierter Ausbau des Wasserstoff-Backbones im Westen erforderlich, um Versorgungssicherheit und Investitionsfähigkeit zu gewährleisten.
Die Bundesregierung muss nun die Interessen einer wettbewerbsfähigen europäischen Stahlproduktion in Brüssel klar und mit Nachdruck vertreten. Denn die entscheidenden Weichen werden auf europäischer Ebene gestellt.
Weltweit bestehen erhebliche Überkapazitäten, insbesondere in Asien, teils stark gestützt durch staatliche Subventionen. Die Umlenkung großer Stahlmengen in den europäischen Markt trifft europäische Hersteller inmitten der Transformation.
Um auf diese Marktverzerrungen zu reagieren, hatte die IHK Saarland gemeinsam mit sechs weiteren Industrie- und Handelskammern im Rahmen der „German CCI-Steel Alliance“ zentrale Forderungen an die Europäische Kommission adressiert. Dabei ging es insbesondere um eine Weiterentwicklung der bestehenden EU-Safeguards, um marktverzerrende Importe wirksam zu begrenzen, sowie um klare und überprüfbare Herkunftsregeln („Melt and Pour“), um Umgehungsgeschäfte über Drittländer auszuschließen. Zugleich haben die Kammern ein Kontingentmodell mit quartalsweiser Vergabe vorgeschlagen, um Preisspitzen und Verdrängungswettbewerb zu vermeiden, sowie einen Krisenmechanismus, mit dem bei massiven Importanstiegen kurzfristig gegengesteuert werden kann.
Die Europäische Kommission hat daraufhin am 7. Oktober 2025 einen konkreten Maßnahmenvorschlag vorgelegt, der die zollfreien Einfuhrkontingente auf künftig 18,3 Millionen Tonnen jährlich reduziert, die Zölle außerhalb dieser Kontingente auf 50 Prozent anhebt und die „Melt and Pour“-Regel verbindlich macht, um die tatsächliche Herkunft des Stahls eindeutig nachzuweisen. Die Entscheidung des Europäischen Rates steht noch aus.
„Das sind wichtige Schritte, denen weitere folgen müssen – und zwar rasch. Jegliche Verzögerungen gefährden den Bestand der europäischen Stahlindustrie massiv“, so Thomé.
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Datum: 05.11.2025 - 15:37 Uhr
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