Apothekenreform bietet Entwicklungschancen, lässt Unterfinanzierung der Apotheken aber völlig offen / Fortbildungskongress pharmacon
ID: 2225044

(ots) - Der Regierungsentwurf zur Apothekenreform zeigt aus Sicht der Bundesapothekerkammer Wertschätzung für den apothekerlichen Heilberuf und bietet Chancen für die Weiterentwicklung der Apotheken. Der Entwurf des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz' (ApoVWG) liegt seit kurzem vor. "Mit der Apothekenreform ist eine Leistungserweiterung für die deutschen Apotheken vorgesehen. Apotheken vor Ort sind kein Kostenfaktor, sie sind Stabilisatoren: Sie entlasten das Gesundheitssystem, Arztpraxen und Krankenhäuser. Apotheken sind weit mehr als Ausgabestellen für Packungen, sie sind Teil der Daseinsvorsorge", sagte Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer gestern anlässlich der Eröffnung des Fortbildungskongresses pharmacon. "Ein zentraler Paradigmenwechsel ist die stärkere Orientierung an pharmazeutischer Leistung. Beratung, Medikationsanalysen, pharmazeutische Betreuung chronisch Erkrankter - das sind keine 'Add-ons', sondern Kernleistungen moderner Pharmazie. Wenn diese Leistungen politisch gewollt sind, dann müssen sie dauerhaft, auskömmlich und bürokratiearm vergütet werden.
Hoffmann ging auch auf den politisch gewollten Bürokratieabbau ein: "Jede neue Leistung darf nicht mehrere neue Formulare erzeugen. Wir brauchen Vertrauen in die Profession - und mutigere Deregulierung. Bürokratie, die keine Versorgungsqualität verbessert, widerspricht dem gesetzlichen Grundsatz der Wirtschaftlichkeit."
Hoffmann sagte zu den vielfältigen Aufgaben der Apotheken: "Unsere Apotheken sind vielerorts ein niedrigschwelliger Erstkontakt, Lotsen im Versorgungssystem, Sicherheitsanker bei Medikationsfragen und nicht selten der letzte verbleibende Gesundheitsstandort vor Ort. Diese Realität muss Ausgangspunkt jeder Reform sein. Apotheken können Brücken bauen zwischen Arztpraxis und Klinik, zwischen Verordnung und Anwendung, zwischen Therapieplan und Lebensrealität. Das fünfte Sozialgesetzbuch eröffnet ausdrücklich die Möglichkeit sektorenübergreifender Versorgungsformen. Wenn wir dieses Gesetz ernst nehmen, dann müssen Apotheken systematisch einbezogen werden - insbesondere bei chronischen Erkrankungen, Polymedikation und Übergängen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. Ein Medikationsplan ohne die Expertise der Apothekerinnen und Apotheker bleibt unvollständig."
Gleichzeitig kritisierte Hoffmann in seiner Eröffnungsrede die chronische Unterfinanzierung des Apothekensystems. "Zwischen unserem gesetzlichen Auftrag und der ökonomischen Realität klafft zunehmend eine Lücke. Das ist kein Betriebsunfall, das ist das Ergebnis eines Systems, das zu lange auf Verschleiß gefahren wurde. Diese Lücke muss politisch geschlossen werden. Wir brauchen das finanzielle Bekenntnis der Politik, dass die Leistungen der Apothekerschaft etwas wert sind! Wir fordern vehement die im Koalitionsvertrag angekündigte, finanzielle Planungssicherheit mit nachhaltigen Rahmenbedingungen."
Eine klare Absage erteilte Hoffmann den Plänen für Apotheken ohne Apotheker, auch als befristete Erprobungsklausel. "Die persönliche und fachliche Leitung einer Apotheke muss immer in der Verantwortung einer Apothekerin oder eines Apothekers liegen. Das ist für uns unabdingbar. Unsere heilberufliche Verantwortung kann mit Blick auf die Arzneimitteltherapiesicherheit auch nicht zeitweise durch eine andere Berufsgruppe wahrgenommen werden. Zudem ist es für Apotheken ein strukturelles Risiko in Richtung Aufhebung des Fremdbesitzverbotes und gefährdet uns als freier Heilberuf. Das Bundesgesundheitsministerium hat uns in diesem Punkt gehört und dem Kabinett Änderungen im Vergleich zum ersten Referentenentwurf vorgelegt. Das sind wichtige Schritte - allerdings enthält der Kabinettsentwurf immer noch mögliche Pilotprojekte, die unsere Forderung unterlaufen."
Mehr Informationen auf www.abda.de
Pressekontakt:
Benjamin Rohrer, Pressesprecher, 030 40004-131, b.rohrer@abda.de
Dr. Ursula Sellerberg, Stellv. Pressesprecherin, 030 40004-134, u.sellerberg@abda.de
Original-Content von: ABDA Bundesvgg. Dt. Apothekerverbände, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 19.01.2026 - 07:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2225044
Anzahl Zeichen: 4252
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Schladming
Kategorie:
Banken
Diese Pressemitteilung wurde bisher 169 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Apothekenreform bietet Entwicklungschancen, lässt Unterfinanzierung der Apotheken aber völlig offen / Fortbildungskongress pharmacon"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
ABDA Bundesvgg. Dt. Apothekerverbände (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Deutschlands Apothekerinnen und Apotheker begrüßen einzelne Neuerungen in der Arzneimittelversorgung, die am heutigen Freitag im Bundesrat im Rahmen einer Verordnung beschlossen werden sollen. Zugleich lehnen sie die finanzielle Schwächung der Apotheken ab, die ebenfalls am heutigen Freitag wenig
Krankenkassen sanieren, ohne Apotheken zu schwächen ...
Die ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ruft die Bundestagsabgeordneten dringend dazu auf, von einer neuen finanziellen Belastung der rund 16.000 Apotheken abzusehen. Hintergrund ist: Am morgigen Mittwoch berät der Gesundheitsausschuss des Bundestages über das Gesetz zur Stabilis
Spargesetz: Apotheken haben schon Milliarden eingespart - neue Belastungen nicht möglich ...
Deutschlands Apothekerinnen und Apotheker unterstützen das Ziel, die Finanzierung der Krankenkassen zu stabilisieren. Zugleich kritisieren sie eine geplante, erneute wirtschaftliche Belastung der Apotheken. Denn nach Jahren der chronischen Unterfinanzierung sind weitere Belastungen schlichtweg übe
Weitere Mitteilungen von ABDA Bundesvgg. Dt. Apothekerverbände
Akkodis positioniert AI-Core als Flaggschiff seines globalen Produktportfolios und beschleunigt damit die intelligente Transformation ...
Akkodis präsentiert AI-Core als erstes Produkt einer neuen Generation eigener KI-Lösungen. Es kombiniert fortschrittliche multimodale Technologien, Domain-Expertise und menschliche Fähigkeiten, um eine sichere, skalierbare intelligente Transformation mit messbaren Ergebnissen zu ermöglichen. A
TARGOBANK ist 20 Jahre lang "Top Employer" ...
- Düsseldorfer Bank zum zwanzigsten Mal in Folge als "Top Employer Deutschland" ausgezeichnet - Positiv bewertet wurden u.a. familienfreundliche Mitarbeiterleistungen - TARGOBANK stellt weiter ein: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Einheiten der Bank gesucht Das international et
Wie sicher sind Bankschließfächer wirklich? ...
Warum überhaupt ein Bankschließfach? Viele Menschen möchten wertvolle oder unersetzliche Dinge nicht zu Hause aufbewahren. Gerade in Zeiten niedriger Zinsen und hoher Inflation gewinnen Sachwerte wie Gold oder Schmuck an Bedeutung. Bankschließfächer gelten nach wie vor als eine der sichersten
KfW Research: Deutschland fällt bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung stark zurück ...
- Seit 2019 stagnieren die inflationsbereinigten FuE-Ausgaben in Deutschland - Länder wie Südkorea, Japan und die USA dagegen erhöhen ihre FuE-Investitionen deutlich - Gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen notwendig Deutschland fällt bei seinen Ausgaben für Forschung und Entwicklung im in




