Grimme-Preis 2026: Neun Nominierungen für den WDR
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(ots) - Neun Produktionen des WDR sind für den 62. Grimme-Preis nominiert. Wer von den insgesamt 71 nominierten Produktionen und Einzelleistungen schließlich die Auszeichnungen gewinnt, wird im März bekanntgegeben.
Zwei WDR-Produktionen sind in der Kategorie Fiktion nominiert
Die Serie „naked“ (Fandango Film TV Internet Produktions/Velvet Films für WDR, Redaktion: Caren Toennissen) ist ein spannendes und hochkarätig besetztes „Love Noir“-Psychodrama basierend auf persönlichen Erfahrungen der Headautorin Silke Eggert, von Bettina Oberli aufwühlend, emotional und eindringlich inszeniert. „naked” ist die erste deutsche Serie, die sich ehrlich mit Sexsucht und Co-Abhängigkeit befasst und diese Tabuthemen anhand einer toxischen und dennoch mitreißenden Liebesgeschichte schonungslos aufzeigt.
Ebenfalls nominiert in der Kategorie ist der vierstündige Kinofilm „Die Ermittlung“ (Film Mischwaren für BR/WDR/ARTE, WDR-Redaktion: Götz Vogt). Eine Adaption des Theaterstücks „Die Ermittlung. Oratorium in elf Gesängen“ von Peter Weiss, das auf persönlichen Aufzeichnungen, Zeitungsartikeln und Protokollen des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963 bis 1965) basiert. Regisseur RP Kahl hat das Theaterstück mit 60 Schauspielerinnen und Schauspielern für die Kinoleinwand inszeniert. In unmissverständlich klarer Sprache zu einem lyrischen Klagegesang verdichtet und montiert, konfrontiert das Stück Täter und Opfer und lässt das Grauen in Auschwitz spürbar werden.
Zwei Nominierungen in der Kategorie Information & Kultur
Die dreiteilige Doku-Serie „Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff“ (WDR/SWR, Buch und Regie: Nicole Rosenbach, WDR-Redaktion: Jessica Briegmann) erzählt Aufstieg und Fall des deutschlandweit bekannten Bestsellerautors und Kinderpsychiaters Michael Winterhoff. Die einzelnen Folgen beleuchten, wie er zum gefeierten Star wurde, mit welchen fragwürdigen Methoden er Kinder behandelte und warum niemand den Arzt aufhielt. Jahrelange Recherchen von Nicole Rosenbach führten zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und schließlich zu einer Anklage in 36 Fällen wegen gefährlicher Körperverletzung. Dem Kinderpsychiater wird vorgeworfen, Diagnosen erfunden und Kinder und Jugendliche mit Psychopharmaka ruhig gestellt zu haben. Er muss sich derzeit vor Gericht verantworten. Michael Winterhoff bestreitet die Vorwürfe, alle Verschreibungen seien medizinisch begründet gewesen.
Der Dokumentarfilm „Riefenstahl“ (Vincent productions, Sandra Maischberger für WDR/SWR/NDR/BR, WDR-Redaktion: Christiane Hinz) decodiert eine der umstrittensten Frauen des 20. Jahrhunderts: Leni Riefenstahl. Als Regisseurin schuf sie ikonographische Bilder. Ihre ideologische Nähe zum NS-Regime hat sie nach dem Zweiten Weltkrieg stets zu leugnen versucht. Die Ästhetik ihrer Bilder ist präsenter denn je – und damit auch ihre Botschaft? Der preisgekrönte Regisseur Andres Veiel geht dieser Frage anhand Riefenstahls Nachlass nach – privaten Filmen und Fotos, aufgenommenen Telefonaten mit engen Wegbegleitern, persönlichen Briefen. Bild für Bild, Facette für Facette legt er Fragmente ihrer Biografie frei und setzt sie in einen erweiterten Kontext von Geschichte und Gegenwart. Leni Riefenstahl hat nur eine Darstellung ihrer Biografie zugelassen: ihre eigene. Der Nachlass einer der umstrittensten Frauen des 20. Jahrhunderts erzählt etwas anderes.
Vier Nominierungen in der Kategorie Kinder & Jugend Kinder
„Die Sendung mit der Maus – Felix Nussbaum“ (Trickstudio Lutterbeck für WDR, Redaktion: Nils Wohlfarth) erzählt die Geschichte des jüdischen Malers Felix Nussbaum, an den ein Stolperstein erinnert. Clarissa Corrêa da Silva folgt seinen Lebensstationen und zeigt, wie das Maus‑Team gemeinsam mit dem Trickstudio Lutterbeck ein lange verschollenes Trickfilm‑Drehbuch von Nussbaum und seinem Freund Michael Loewen als Animation umsetzt. Die Folge erklärt kindgerecht sein Leben, seine Verfolgung im Nationalsozialismus und seine Bedeutung anlässlich des Gedenktages für die Opfer des NS‑Regimes.
Der Film „Sieger sein!“ (DCM Pictures für MDR/SWR/WDR, Redaktion: WDR Jens Opatz) erzählt die berührende Geschichte von Mona (Dileyla Agirman). Die Elfjährige ist mit ihrer kurdischen Familie aus Syrien geflüchtet und kommt auf eine Schule im Berliner Wedding. Mona spricht schlecht Deutsch, spielt dafür umso besser Fußball. Der engagierte Lehrer Herr Chepovsky (Andreas Döhler), kurz Herr Che, erkennt ihr außergewöhnliches Talent und nimmt sie in das Mädchenteam auf. Mona ist eine Kämpferin, merkt aber bald: Nur, wenn sie und die anderen Mädchen zusammenspielen, können sie Sieger sein.
Jugend
Die zehnteilige Doku-Serie „Azubi Storys“ (i&u TV für WDR/NDR, WDR-Redaktion: Michael Kerkmann) nimmt ganz die Perspektive der Azubis ein und zeigt ihren spannenden Berufsalltag. Manchmal geht alles schief, oft wachsen sie über sich hinaus und meistens hilft eine Portion trockener Humor. Händeringend werden sie in Deutschland gesucht: Auszubildende wie angehende Schornsteinfeger, Schädlingsbekämpfer, Zimmerer oder Krankenpfleger. Sie stehen im Mittelpunkt der „Azubi Storys“. Die jungen Berufsstarter sind die Stars der Serie und in Situationen zu erleben, die sie prägen: wenn Leichtigkeit plötzlich dem Frust weicht – und es am Ende doch (meistens) klappt. Dabei ist die Doku immer nah dran, ohne zu kommentieren oder zu werten.
„Lutwi, der Junge aus der Nordstadt“ (Ehrenfilm für WDR, Redaktion: Maik Bialk und Dorothee Pitz) erzählt von Hoffnung und Träumen eines Jungen und seinen Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden. Inmitten einer aufgeheizten Debatte über Migration wagt der Film einen anderen Blick auf das gesellschaftliche Konfliktthema. Bereits 2017 wurde ein erster Dokumentarfilm über Lutwi mit dem Grimme Preis ausgezeichnet. Im aktuellen Film ist Lutwi inzwischen 22 Jahre alt. Aus ihm ist ein junger Mann geworden, der zwischen männlichem Gang-Verhalten und dem Wunsch nach einem normalen Leben hin- und hergerissen ist. Sein Traum vom Abitur ist zerplatzt – warum? Auf diese einfache Frage sucht der Film in der Dortmunder Nordstadt vielschichtige Antworten, die einen tiefen Einblick in die Schwierigkeiten des sozialen Aufstiegs von migrantischen Jugendlichen in Deutschland geben.
Eine Nominierung in der Kategorie Unterhaltung
In „Sträters Problemzonen“ (Staffel 1) (i&u Studios für WDR/MDR, WDR-Redaktion: Leona Frommelt) widmet sich Torsten Sträter mit gewohnt trockenem Humor genau den Dingen, für die sich sonst keiner zuständig fühlt: alltäglichen Absurditäten, kleinen Krisen und großen Lebensfragen. Dabei zieht er alle Register, um sein Versprechen wahr zu machen: „Ich werde nicht rasten noch ruhen, um mit meinem komplett übermotivierten Team Ihr Leben da draußen wieder geschmeidig und ruckelfrei zu machen und jede Unwucht aus Ihrem Dasein zu schmirgeln, denn Probleme sind ja auch keine Lösung“. Zum prominenten Team, das Torsten zur Seite steht, zählen Martina Hill, Olaf Schubert und Siegfried & Joy, die jedes vermeintlich banale Thema in ein episches Abenteuer verwandeln und versuchen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Für jedes Problem wird eine Lösung gefunden – manchmal lustig, manchmal hilfreich, fast immer beides.
Ab dem 31. Januar kommen in Marl die Jurys zusammen, um über die Vergabe der 16 möglichen Grimme-Preise sowie des Preises der Marler Gruppe und des Preises der Studierendenjury zu entscheiden.
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Datum: 22.01.2026 - 13:00 Uhr
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