THM an Langzeitforschungsprojekt zu Sozinianern beteiligt
Briefe aus dem 16. bis ins 18. Jahrhundert sind Datengrundlage

(PresseBox) - Am Anfang steht der Briefwechsel der Sozinianer, Menschen, die sich über viele europäische Länder hinweg miteinander vernetzt und die Aufklärung vorbereitet haben. Sie sind aus dem Protestantismus hervorgegangen, ihre Anhänger waren etwa von 1550 bis 1750 aktiv.
Das Forschungsprojekt Projekt „Religion und Naturwissenschaft im Umbruch: Sozinianische Briefwechsel und Inedita digital“ hat das Ziel, alle erhaltenen sozinianischen Briefwechsel sowie weitere Quellen digital zugänglich und wissenschaftlich auswertbar zu machen. Unter Federführung der Stiftung Johannes a Lasco Bibliothek Große Kirche Emden wird es in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften Mainz, der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) realisiert. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. K?stutis Daugirdas aus Emden und Prof. Dr. Andreas Kuczera von der THM.
Seit 2018 transkribieren wissenschaftliche Mitarbeitende die meist handschriftlichen Briefseiten, das bedeutet, sie schreiben diese in einer digitalen Datenbank ab. Zeitgleich edieren sie die Briefe: Sie fügen textkritische und sachliche Kommentare an sowie inhaltliche Zusammenfassungen der einzelnen Briefe. Auf diese Art sind im ersten Forschungsprojekt „Die sozinianischen Briefwechsel. Zwischen Theologie, frühmoderner Naturwissenschaft und politischer Korrespondenz“ in acht Jahren bereits über 2000 Briefe digitalisiert und 900 davon detailliert erschlossen worden.
An dieser Stelle kommt die THM mit Kuczera ins Spiel, der auch eng mit der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz zusammenarbeitet. Er hat nicht nur eine Datenbank für die Historiker erstellt, in die sie die Texte einzeln eintragen können. Diese können dank der Unterstützung von Kuczera und seinem Team mit einer neuartigen Graphdatenbank arbeiten.
Während bei traditionellen digitalen Editionen Personen, Orte und Sachen verschlagwortet werden können, sodass Interessierte nach diesen Begriffen suchen können, ermöglicht eine graphbasierte digitale Edition auch, Zusammenhänge aufzuzeigen. Informationen aus verschiedenen Konstellationen, beispielsweise Theologie, Philosophie, Philologie, Astronomie und Politik, lassen sich vernetzt wie in einer Art Mindmap anzeigen. „Das ermöglicht es, komplexe geisteswissenschaftliche Forschungsdaten, die verschiedene Interpretationen zulassen, darzustellen“, erklärt Kuczera.
Um alle Briefe, aber auch Zeichnungen zu edieren, die in insgesamt 14 verschiedenen Sprachen verfasst sind, wird das wissenschaftliche Team über 20 Jahre benötigen. „Die vergangenen acht Jahre mit einer Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft waren eine Art Vorprojekt. Anhand der gewonnenen Erkenntnisse haben wir errechnet, dass wir 21 Jahre benötigen werden, um alle Quellen zu edieren“, erklärt Prof. Kuczera. Solche Langzeitprojekte werden im Akademienprogramm gefördert. Sie werden je zur Hälfte vom Bund und den Ländern getragen. „Damit bekommen wir ab 2026 für die nächsten 21 Jahre auch eine volle Stelle an der THM, um die digitale Editionstechnik weiterzuentwickeln und an die Bedarfe der Historiker anzupassen“, erklärt Kuczera. Aktuell ist mit dem Projekt Sebastian Enns Promotionsvorhaben verknüpft, das über die THM und den Forschungscampus Mittelhessen (FCMH) koordiniert wird. Enns ist der leitende Informatiker und zuständig für die Webseite und die Webentwicklung. Sein Promotionsthema ist die Datenmodellierung in digitalen Editionen. Ein weiteres Projekt zur Digitalisierung der Sozinianerbriefe hat Kuczera mit einer Masterarbeit verbunden. Darin soll eine lokale Künstliche Intelligenz eingebunden werden, die inhaltliche Fragen direkt auf Basis der edierten Briefe beantworten und die entsprechenden Textstellen verlinken soll.
Die Projektwebseite wird an der THM verwaltet und ist unter sozinianer.mni.thm.de/home erreichbar. Die Seite funktioniert auch in der mobilen Ansicht am Smartphone.
Das Akademienprogramm und die Akademienunion:
Das Akademienprogramm besteht seit 1979/80. In ihm fördern Bund und Länder gemeinsam langfristig angelegte Forschungsprojekte in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften. Es umfasst bei einem Finanzvolumen von rund 80 Millionen Euro insgesamt 127 Vorhaben mit rund 192 Arbeitsstellen (Stand: 2025).
Das Programm wird von der Akademienunion koordiniert. In ihr sind die acht Akademien der Wissenschaften in Deutschland vereint. Sie sind Gelehrtengesellschaften und Forschungseinrichtungen in einem. Die Mitglieder widmen sich langfristig angelegten Forschungsprojekten, die interdisziplinär sind und zur geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung beitragen. Dazu gehören beispielsweise die Erstellung wissenschaftlicher Wörterbücher, Lexika oder kritischer Gesamtausgaben bedeutender Philosophinnen und Philosophen und Komponistinnen und Komponisten, aber auch Langzeitbeobachtungen an der Schnittstelle zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Die Akademien schaffen hierdurch Wissensspeicher für die Zukunft und stellen Grundlagen für die Nutzung des von ihnen aufgearbeiteten Wissens durch Wissenschaft und Öffentlichkeit bereit, wie die Akademienunion auf ihrer Webseite schreibt.
Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) ist eine der größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) in Deutschland und bietet über mehr als 80 Studiengänge an 12 Fachbereichen und das duale Studienangebot von „StudiumPlus“ an. Die Hauptstandorte Friedberg, Gießen und Wetzlar liegen verkehrsgünstig in der hessischen Rhein-Main-Region. Die derzeit mehr als 15.600 Studierenden der THM profitieren von bewährten Studienbedingungen und kleinen Lerngruppen sowie von der Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen. Unter den HAWen zeichnet sich die THM durch ihre anwendungsbezogene Forschungsstärke aus. Neben acht eigenen, interdisziplinären Kompetenzzentren besteht eine Zusammenarbeit mit den Universitäten in Gießen und Marburg, über die auch kooperative Promotionen in den Ingenieurwissenschaften möglich sind. Als erste HAW eröffnete die THM 2016 zudem ein eigenständiges Promotionszentrum und besitzt seither das Promotionsrecht für den Doktoringenieur.
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) ist eine der größten Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) in Deutschland und bietet über mehr als 80 Studiengänge an 12 Fachbereichen und das duale Studienangebot von „StudiumPlus“ an. Die Hauptstandorte Friedberg, Gießen und Wetzlar liegen verkehrsgünstig in der hessischen Rhein-Main-Region. Die derzeit mehr als 15.600 Studierenden der THM profitieren von bewährten Studienbedingungen und kleinen Lerngruppen sowie von der Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen. Unter den HAWen zeichnet sich die THM durch ihre anwendungsbezogene Forschungsstärke aus. Neben acht eigenen, interdisziplinären Kompetenzzentren besteht eine Zusammenarbeit mit den Universitäten in Gießen und Marburg, über die auch kooperative Promotionen in den Ingenieurwissenschaften möglich sind. Als erste HAW eröffnete die THM 2016 zudem ein eigenständiges Promotionszentrum und besitzt seither das Promotionsrecht für den Doktoringenieur.
Datum: 04.02.2026 - 10:39 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2229239
Anzahl Zeichen: 6510
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Ulrike Kammler
Stadt:
Gießen
Telefon: +49 (641) 309-1041
Kategorie:
Internet-Portale
Diese Pressemitteilung wurde bisher 171 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"THM an Langzeitforschungsprojekt zu Sozinianern beteiligt"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Technische Hochschule Mittelhessen (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Eine gute Präsentation kann Türen öffnen – im Studium, im Berufsleben und manchmal sogar auf die ganz große Bühne. Der 22-jährige StudiumPlus-Student Anton Baranov hat genau daraus eine Geschäftsidee gemacht. Mit seiner App „Pitch Coach“, die Menschen beim Üben von Vorträgen unterstü
KI soll Fahrzeuge am Geräusch erkennen lernen ...
Vorbeirollende Züge, eine stark befahrene Straße vor der Haustür: Alltagslärm kann für viele Menschen zur Belastung werden. Um herauszufinden, wie viel Lärm Anwohnerinnen und Anwohner in einigen Kommunen Osthessens bereits ausgesetzt sind, hat THM-Professor Dr.-Ing. Thomas Steffens ein Messnet
Zell- und Gentherapie mehr Menschen zugänglich machen ...
Gen- und Zelltherapeutika ermöglichen die Behandlung bislang schwer therapierbarer Krankheiten, wie bestimmter Krebsarten oder Erbkrankheiten. Noch steht diese Therapieform nur wenigen Patientinnen und Patienten zur Verfügung – ein wesentlicher Grund sind die komplexen und bislang noch unzureich
Weitere Mitteilungen von Technische Hochschule Mittelhessen
GENIOS eBIB führt KI-Unterstützung für die Recherche in öffentlichen Bibliotheken ein ...
Ein neuer Rechercheassistent erleichtert öffentlichen Bibliotheken den Zugang zu den Inhalten der GENIOS eBIB. Die Informationsplattform von GBI-Genios für öffentliche Bibliotheken erhält einen KI-gestützten Rechercheassistenten. Das neue Tool versteht natürlichsprachliche Fragen und liefer
Wenn Regulierung Verantwortung fordert– EU AI Act und KI-Ethik in der Weiterbildung ...
Künstliche Intelligenz ist längst Teil betrieblicher Entscheidungen und digitaler Lernumgebungen. Mit dem EU AI Act reagiert die Europäische Union auf diese Entwicklung und verankert rechtliche Leitplanken für den Einsatz von KI. Damit wird deutlich: Der Umgang mit KI ist nicht nur eine technisc
Zusammenarbeit für bessere Konnektivität: purtel.com und Axiros starten purWiFi ...
Der Anbieter IP-basierter Dienste für Netzbetreiber und IP-Plattformbetreiber purtel.com bringt gemeinsam mit Axiros, einem weltweit führenden Anbieter von Lösungen für Geräte- und Servicemanagement, purWiFi powered by Axiros auf den Markt. Dabei handelt es sich um eine sofort einsetzbare Lösu
5 Jahre Birlingo– oder wie das Marketing eine App von 0 auf 7-stelligen Umsatz bringen kann. ...
Eine neue Sprache zu lernen, ist der Traum vieler Menschen. Und viele nutzen Sprachlernapps, um diesen Traum wahr zu machen. Neben den Apps der großen Anbieter hat sich auf diesem übersättigten Markt in den letzten fünf Jahren ein Newcomer etabliert: die Sprachlern-App Birlingo der Online-Market




