AOK zu Notfallreform-Plänen: Gute Ansätze, aber zu wenig Einheitlichkeit und Gefahr von Doppelstrukturen
ID: 2233290

(ots) - Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat im Oktober 2025 einen eigenen Gesetzentwurf zur Reform der Notfallversorgung und des Rettungsdienstes in den Bundestag eingebracht. Dazu findet morgen (25. Februar) eine Anhörung des Gesundheitsausschusses statt, an der auch der AOK-Bundesverband teilnimmt. Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, sieht in der Vorlage der Grünen viele gute Ansätze für die anstehende Notfallreform, die sich teilweise auch im Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums aus dem November 2025 wiederfinden.
"Nachdem das Thema Notfallreform über drei Legislaturperioden immer wieder liegen geblieben ist, können wir uns weitere Verzögerungen bei der Umsetzung nicht mehr leisten. Die geplante Reform darf nicht daran scheitern, dass sich die Länder bei den Regelungen zum Rettungsdienst querstellen.
Die mit den vorliegenden Reformvorschlägen beschriebenen Einsparungen sind durch die Notfallreform allein nicht erzielbar. Einsparungen entstehen nur mittelfristig durch echten Strukturabbau und die Verzahnung mit der Krankenhausreform und dem geplanten Primärversorgungssystem. Ohne den Abbau von Überkapazitäten und ohne eine sektorenübergreifende Steuerung bleibt das Einsparpotenzial ungehoben.
Zudem müssen noch bestehende Schlupflöcher geschlossen werden. Krankenhäuser, die kein Standort für ein Integriertes Notfallzentrum (INZ) sind, sollten zukünftig keine ambulante Notfallversorgung erbringen dürfen, da andernfalls die Planung und Einrichtung der INZ-Standorte konterkariert wird. Fehlende Weiterleitungsmöglichkeiten in die reguläre vertragsärztliche Versorgung binden darüber hinaus unnötig Kapazitäten in den INZ. Dies erzeugt einen Sogeffekt, der Patienten aus den Praxen in die Notfallzentren zieht und die Überlastung dort sogar verschärfen kann.
Die AOK begrüßt die vorgeschlagene Einführung einer verpflichtenden Ersteinschätzung als erste Anlaufstelle für Hilfesuchende. Sie soll in den neu einzurichtenden Akutleitstellen sowie in den INZ zum Einsatz kommen, um die Dringlichkeit der Fälle zu beurteilen und die Menschen an die richtige Stelle weiterzuleiten. Damit das überall nach den gleichen Regeln abläuft, braucht es aber Nachbesserungen bei den vorgelegten Entwürfen. So sollte der Gemeinsame Bundesausschuss die Vorgaben zur Ersteinschätzung sowohl für die Akutleitstellen als auch für die INZ einheitlich festlegen. Das gemeinsame Instrument zur Ersteinschätzung sollte dann perspektivisch auch von den Rettungsleitstellen genutzt und auch im Rahmen des geplanten Primärversorgungssystems zum Einsatz kommen.
Mehr Einheitlichkeit braucht es auch bei den Regelungen für die Integrierten Notfallzentren, die wir ausdrücklich begrüßen. Die Vorgaben für die INZ sollten bundeseinheitlich festgelegt werden, um überall in Deutschland eine gleichwertige Versorgungsqualität sicherzustellen. Auch diese Aufgabe sollte der Gemeinsame Bundesausschuss übernehmen.
Die Klarstellung im Entwurf der Grünen, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen in den INZ die notdienstliche Akutversorgung sicherstellen sollen, ist sinnvoll. Doppelstrukturen müssen aber unbedingt verhindert werden. Die vorgeschlagenen Regelungen im Gesetzentwurf gehen aus Sicht der AOK zu weit. Sie schaffen im Vergleich zum aktuellen Referentenentwurf des BMG eine noch weitreichendere Konkurrenz zur vertragsärztlichen Versorgung. So braucht es beispielsweise keine verpflichtende Einrichtung von KV-Notdienstpraxen an den Krankenhäusern, wenn eine vergleichbare Versorgung auch durch ein Medizinisches Versorgungszentraum oder eine Vertragsarztpraxis in unmittelbarer Nähe der Klinik erfolgen kann."
Ihr Ansprechpartner in der Pressestelle:
Dr. Kai Behrens
Telefon: 030 / 34646-2309
Mobil: 01520 / 1563042
E-Mail: presse@bv.aok.de
Original-Content von: AOK-Bundesverband, übermittelt durch news aktuellWeitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 24.02.2026 - 09:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2233290
Anzahl Zeichen: 4073
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Diese Pressemitteilung wurde bisher 200 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"AOK zu Notfallreform-Plänen: Gute Ansätze, aber zu wenig Einheitlichkeit und Gefahr von Doppelstrukturen"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
AOK-Bundesverband (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zu den Beschlüssen des Koalitionsausschusses, die unter anderem eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung vorsehen, äußert sich die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, kritisch: "Mehrere Auswertungen haben gezeigt, dass die Einführung der Krankschreib
Reimann zum Koalitionsausschuss: Die Koalition darf das zentrale Ziel der Beitragssatz-Stabilisierung nicht konterkarieren ...
Der heutige Koalitionsausschuss soll strittige Punkte bei verschiedenen Reformprojekten klären. Mit Blick auf den Gesundheits- und Pflegebereich sowie das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sagt die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann: "Politische Verhandlunge
Gesundheitsnavigator der AOK zeigt jetzt auch Krankenhaus-Leistungsgruppen an ...
Als erstes Krankenhaus-Suchportal in Deutschland zeigt der Gesundheitsnavigator der AOK jetzt die Leistungsgruppen an, die den Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Krankenhausplanung zugewiesen worden sind. Sie werden automatisch ausgespielt, wenn Interessierte nach geeigneten Klinik
Weitere Mitteilungen von AOK-Bundesverband
Zecken? Ganzjährig ein Thema: warum Tierhaltende jetzt handeln sollten ...
Ob Joggingrunde oder Spaziergang mit dem Hund im Februar, im Sommer oder im Spätherbst: Zecken machen längst keine Winterpause mehr. Genau deshalb gilt heute mehr denn je: Konsequente Zeckenprophylaxe aus der Tierarztpraxis und tägliches Absuchen der Tiere gehören zur festen Routine. Wer hier fr
Gesundheitssystem unter Zugzwang: Deutschland sieht Prävention und Eigenverantwortung als Hebel für Zukunftsfähigkeit ...
Das deutsche Gesundheitssystem steht aus Sicht der Bevölkerung an einem kritischen Punkt. Eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der HanseMerkur Krankenversicherung* zeigt: 69 Prozent der Menschen in Deutschland sind der Meinung, dass das System nicht ausreichend auf eine älter werdende Ge
Notfall- und Pflegereform Hand in Hand ...
Gemeinsames Forderungspapier vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und von Prof. Dr. Christian Karagiannidis Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN), sowie Prof. Dr. Thomas Klie und Michael
Huckepack in den Frühling – die Krötenwanderung beginnt / Der einheimische Lurch ist ein toller Nützling, er verspeist sogar Nacktschnecken ...
Erst Eis und Frost, jetzt dauerhaft Regen und milde Temperaturen – was für ein Krötenwetter! Sobald das Thermometer nachts mindestens etwa 5 Grad anzeigt und der Boden feucht ist, beginnt in der Natur ein beeindruckendes Schauspiel: Tausende Erdkröten verlassen ihre Winterquartiere und machen s




