„Wehrpflicht für Unternehmen“: BearingPoint präsentiert Strategiepapier für eine gesamtgesellschaftliche Sicherheitsvorsorge
Die Management- und Technologieberatung BearingPoint zeigt in einem aktuellen Strategiepapier, wie die deutsche Wirtschaft systematisch in die nationale Sicherheitsvorsorge eingebunden werden sollte. Ziel ist eine resiliente Gesamtgesellschaft, die nicht nur im klassischen Verteidigungsfall funktioniert, sondern heute schon gegen permanente hybride Angriffe geschützt ist. Auch die Wirtschaft würde profitieren, Unternehmen wären krisenfester. Bisher seien die relevanten Branchen nicht bereit für eine Krisensituation, so die Analyse.
Infografik: "Wehrpflicht für Unternehmen", Bildquelle: BearingPoint(firmenpresse) - Frankfurt am Main, 25. Februar 2026 – Ob im NATO-Bündnisfall in kürzester Zeit Soldaten verlegt werden müssen, einer anhaltenden hybriden Bedrohung zu begegnen ist oder ein strategischer Rüstungswettlauf stattfindet – für all diese Szenarien schlägt BearingPoint eine „Wehrpflicht für Unternehmen“ vor. In einem heute veröffentlichten Strategiepapier skizziert die Management- und Technologieberatung, wie sich die deutsche Wirtschaft in die nationale Sicherheitsvorsorge einbinden lässt. Alle relevanten Unternehmen, insbesondere Betreiber kritischer Infrastrukturen, systemrelevante Produzenten und große Logistik-/IT-Dienstleister, sollen hinsichtlich ihres potenziellen Beitrags zur Landesverteidigung „gemustert“ werden und einen individuellen Krisenfahrplan erhalten.
Moderne Bedrohungen beginnen nicht erst im Krisenfall, sondern täglich im Cyberraum
Deutschland erlebt seit Jahren einen stetigen Anstieg koordinierter Cyberangriffe, Sabotageversuche und Desinformationskampagnen gegen kritische Infrastrukturen, Unternehmen und staatliche Stellen. Diese Angriffe sind Teil einer globalen Auseinandersetzung, die unterhalb der Kriegsschwelle stattfindet, aber mit hohem strategischem Schaden.
„Unternehmen stehen heute an der vordersten Front eines hybriden Konflikts, ganz ohne dass ein Krieg erklärt wurde“, sagt Gerrit Aufderheide, Leiter Cybersecurity bei BearingPoint und Mitautor der Studie. „Cyberangriffe auf Energie-, Produktions- oder Kommunikationssysteme sind kein Randphänomen mehr. Sie sind präzise orchestrierte Angriffe auf unseren wirtschaftlichen Kern. Deutschland fehlt dafür bislang eine systematische, staatlich koordinierte Einbindung der Wirtschaft. Hybride Angriffe richten sich zudem nicht nur gegen Technik, sondern auch gegen Vertrauen – Vertrauen in Unternehmen, Marken, Produkte, Lieferketten. Deshalb müssen Unternehmen auch fähig sein, orchestrierte Desinformationskampagnen zu erkennen, einzuordnen und schnell zu kontern.“
Während Länder wie Finnland oder Schweden seit Jahren enge, verpflichtende Strukturen zwischen Staat, Wirtschaft und Sicherheitsbehörden aufgebaut haben, bleibt Deutschland in der Vorbereitung auf hybride Bedrohungen deutlich zurück.
Strategischer Pakt für Resilienz: wirtschaftlich sinnvoll und sicherheitspolitisch notwendig
BearingPoint schlägt daher eine „Wehrpflicht für Unternehmen“ vor: Ein dreistufiges Modell, mit dem sämtliche sicherheitsrelevanten Unternehmen in Deutschland hinsichtlich ihrer Fähigkeiten, Schwachstellen und Ressourcen „gemustert“ werden – analog zur Wehrpflicht früherer Jahre, jedoch auf Unternehmen übertragen.
„Unsere Analyse zeigt, dass eine moderne Verteidigungsfähigkeit nicht nur Panzer, Truppen oder Munition braucht, sondern vor allem resiliente digitale, logistische und kommunikative Infrastrukturen“, sagt Reinhard Geigenfeind, Globaler Leiter Public & Health Services bei BearingPoint und Mitautor der Studie. „Deshalb brauchen wir einen Sicherheitsverbund aus Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Ohne eine robuste Wirtschaft kann Deutschland keinen einzigen hybriden Angriff langfristig abwehren, geschweige denn einen Bündnisfall bestehen.“
Dreistufiges Modell: von Sensibilisierung bis Zertifizierung
Das BearingPoint-Konzept zur Wehrpflicht für Unternehmen sieht drei Stufen vor:
1. Grundausbildung: Unternehmen benennen Krisenkoordinatoren, werden an sichere Kommunikationssysteme angeschlossen und erstellen Basis-Notfallpläne.
2. Spezialausbildung: Individuell mit Behörden abgestimmte Krisenfahrpläne werden verbindlich fixiert. Schlüsselpersonal nimmt an Krisenübungen teil.
3. Reservistenprinzip: Regelmäßige Übungen und Updates. Ein Gütesiegel „Resilience Ready“ zeichnet vorbereitete Betriebe aus.
Warum Unternehmen profitieren – Resilienz als Wettbewerbsvorteil
Das Modell verbessert nicht nur die staatliche Sicherheitsstruktur, sondern erhöht auch die betriebliche Widerstandskraft und Wettbewerbsfähigkeit:
• geringere Ausfallrisiken
• geringere Versicherungs- und Finanzierungskosten
• höhere Compliance und ESG Konformität
• bessere Positionierung in sicherheitskritischen Lieferketten
• reputationsförderndes Sicherheitsprofil
Deutschland steht am sicherheitspolitischen Wendepunkt
„Hybride Konflikte sind die neue Realität und die Angriffe, die wir heute sehen, sind erst der Anfang.“, so Reinhard Geigenfeind. „Wenn Deutschland nicht jetzt handelt, geraten wir in eine strategische Verwundbarkeit, die sich nicht mehr kurzfristig schließen lässt.“
Das Strategiepapier benennt auch offene Fragen: Reicht eine freiwillige Vereinbarung oder sind gesetzliche Verpflichtungen nötig? Sind die Sicherstellungsgesetze aus dem Kalten Krieg noch zeitgemäß für hybride Bedrohungen? „Diese Fragen müssen politisch geklärt werden", so Geigenfeind.
Das Strategiepapier schlägt eine dreijährige Roadmap vor, eng verzahnt mit dem militärischen OPLAN DEU und der Nationalen Sicherheitsstrategie.
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