1. Deutscher Präventionsgipfel: Mehr gesunde Lebensjahre und weniger Kosten durch umfassende Präve

1. Deutscher Präventionsgipfel: Mehr gesunde Lebensjahre und weniger Kosten durch umfassende Präventionspolitik

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(ots) - Mit einer Eröffnungsrede der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken startet heute Nachmittag der 1. Deutsche Präventionsgipfel des AOK-Bundesverbands in Berlin. Angesichts steigender Sozialbeiträge, hoher Krankheitskosten und volkswirtschaftlicher Folgekosten sowie des schlechten Abschneidens Deutschlands im europäischen Public Health Index sieht Dr. Carola Reimann Deutschland unter Zugzwang: "Wenn wir das Thema politisch priorisieren und jetzt eine echte Präventionswende einleiten, gibt es die Chance auf mehr gesunde Lebensjahre, weniger Behandlungskosten und ein stabileres Gesundheitssystem", so die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes.

Tatsächlich nehme sie beim Thema Prävention bereits eine Akzentverschiebung wahr, so Reimann. Das Thema Prävention werde von ökonomischer und politischer Seite ernster genommen und höher eingestuft. "Langsam setzt sich auch hierzulande die Einsicht durch, dass Prävention nicht nur eine Frage des individuellen Lebensstils und der Eigenverantwortung ist. Umgekehrt gibt es auch mehr Offenheit für verhältnispräventive und fiskalische Maßnahmen, die sich in anderen Ländern bereits bewährt haben."

Wie präsent das Thema inzwischen ist, zeigt das Programm des Präventionsgipfels, auf dem namhafte Expertinnen und Experten aus Ökonomie, Politik und Public Health-Forschung sprechen. Unter anderem werden auch erfolgreiche Beispiele für schnell wirksame Präventionspolitik aus Litauen, Großbritannien und den Niederlanden vorgestellt. Im Zentrum des Gipfels steht die Frage, welche Einsparpotentiale im Bereich Prävention zu heben sind und was Deutschland diesbezüglich von seinen europäischen Nachbarn lernen kann.

Dass Deutschland über viel ungenutztes Präventionspotenzial verfügt, unterstreicht auf der Veranstaltung Dr. Gundo Aurel Weiler, Direktor für Prävention und Gesundheitsförderung in Europa bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Deutschland stehe vor gewaltigen demografischen und finanziellen Herausforderungen, stagniere aber seit Jahren bei der Einführung neuer Präventionsmaßnahmen. Das "größte Geberland der WHO" könne seine "Präventionspotentiale entfesseln" und das "politische Momentum für Prävention" nutzen, wenn es sich zunächst konsequent auf die Eindämmung der wichtigsten Risikofaktoren Alkohol, Tabak, Zucker, Salz, Fett und Luftverschmutzung konzentriere, so Weiler.



Um in der Gruppe der erfolgreichen Präventions-Länder mitzumischen, muss Deutschland laut Weiler den Konsum von Alkohol und Tabak signifikant senken und mehr Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung ergreifen. "So könnte Deutschland die Zahl jährlicher Krebserkrankungen um 63.000 Fälle senken und direkte Einsparungen im Gesundheitssystem von elf Milliarden Euro erzielen", so der WHO-Experte. Damit liegen die möglichen jährlichen Einsparungen durch wirksame Prävention in einer Größenordnung des für 2027 prognostizieren GKV-Finanzlochs.

Der Konsum von Tabak und Alkohol sowie ungesunde Ernährung wirken sich aber nicht nur auf die GKV-Ausgaben, sondern auf die gesamte Volkswirtschaft aus. Die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums in Deutschland werden nach Berechnungen der Universität Hamburg auf 97 Milliarden Euro geschätzt (30 Milliarden direkte Kosten), die Kosten von Adipositas auf rund 63 Milliarden Euro (29 Milliarden Euro direkte Kosten) und die des Alkoholkonsums auf 57 Milliarden Euro (17 Milliarden Euro direkte Kosten).

Es gehe nicht um Bevormundung und Verbote, sondern um positiv wirkende gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen, betont AOK-Vorständin Reimann. "Dazu braucht es eine mutige und entschlossene Präventionspolitik, die ressortübergreifend vorgeht, Gesundheit in allen Politikbereichen verankert und die das gesunde Verhalten im Alltag erleichtert." Die eigentliche Bevormundung liege darin, dass die Politik bisher viele Maßnahmen nicht umsetzt, obwohl sich die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger dies laut verschiedener repräsentativer Befragungen wünscht.

"Wir müssen das Rad nicht neu erfinden", ergänzt Oliver Huizinga, Abteilungsleiter Prävention beim AOK-Bundesverband und verantwortlich für das Programm des Präventionsgipfels. In den Niederlanden sei durch eine entschlossene Tabakpolitik die Raucherprävalenz um etwa 30 Prozent gesenkt worden. In Litauen sei es gelungen, den Alkoholkonsum stark einzudämmen. Und Großbritannien habe umfangreiche Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung auf den Weg gebracht, während Deutschland noch auf freiwillige Selbstverpflichtungen setze. "Wir hoffen, dass die Impulse aus dem Präventionsgipfel in die von der Bundesregierung angekündigte Gesetzesinitiative für Prävention einfließen. Jedenfalls können wir vieles von unseren europäischen Nachbarn lernen, um unser Gesundheitssystem langfristig zu stabilisieren."

Programm des 1. Deutschen Präventionsgipfels:

https://www.aok.de/pp/veranstaltung/1-deutscher-praeventionsgipfel/

Link zum Livestream (Übertragung ab 15:00 Uhr): https://ots.de/pbEFv8

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