Klimabilanz im Blick: Wie nachhaltige Fischerei und Aquakultur zur CO2e-Reduktion beitragen

Klimabilanz im Blick: Wie nachhaltige Fischerei und Aquakultur zur CO2e-Reduktion beitragen

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(ots) - Die Klimabilanz der Ernährung rückt zunehmend in den Fokus von Politik, Wissenschaft und Verbrauchern. Besonders tierische Lebensmittel stehen dabei im Zentrum der Diskussion. Doch ein fairer Vergleich gelingt nur, wenn alle relevanten Treibhausgase berücksichtigt werden - nicht nur CO2, sondern sämtliche Emissionen in CO2-Äquivalenten (CO2e). Wie Fisch im Klimavergleich zu Fleisch abschneidet, welche Rolle nachhaltige Fischerei und Aquakultur spielen und warum Fisch mehr ist als nur eine Proteinquelle, erklärt Oliver Spring, Nachhaltigkeitsmanager bei Nomad Foods.

Die Klimaziele sind klar definiert: Soll die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad Celsius begrenzt werden, müssen Treibhausgasemissionen in allen Bereichen konsequent sinken. Neben Energie und Verkehr rückt zunehmend auch die Ernährung in den Fokus. Denn was auf unseren Tellern landet, hat messbare Auswirkungen auf das Klima. Landwirtschaft, Tierhaltung, Landnutzung und Verarbeitung verursachen weltweit mehr als ein Drittel der Emissionen. Entsprechend wächst das Interesse an der Frage, welche Lebensmittel besonders emissionsintensiv sind - und wo sich wirksam CO2e einsparen lässt. Doch reicht es aus, dabei nur auf CO2 zu schauen? Oliver Spring beschäftigt sich seit vielen Jahren mit CO2e-Bilanzen von Lebensmitteln und verantwortet bei Nomad Foods die Analyse von Klimadaten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Im Gespräch mit dem Fisch-Informationszentrum e.V. ordnet er die aktuellen Entwicklungen ein.

Wenn wir über die Klimabilanz von Lebensmitteln sprechen: Was wird beim Thema CO2-Fußabdruck häufig übersehen?

Oliver Spring: Wenn wir nur auf CO2 schauen, unterschätzen wir häufig die tatsächliche Klimawirkung eines Lebensmittels. Denn neben CO2 entstehen in der Lebensmittelproduktion weitere Treibhausgase wie u.a. Methan oder Lachgas, die deutlich stärker wirken. Um diese Unterschiede vergleichbar zu machen, werden alle Emissionen in CO2-Äquivalente umgerechnet. Erst CO2e zeigt also den gesamten Klimaeffekt. Gerade in der Landwirtschaft ist das entscheidend - denn hier entstehen neben CO2 auch andere, deutlich wirksamere Treibhausgase. Würde man nur CO2 betrachten, würde man die Klimawirkung massiv unterschätzen. CO2e sorgt dafür, dass Emissionen aus unterschiedlichen Quellen fair und transparent bewertet werden können.



Welche Rolle spielen Treibhausgase wie Methan oder Lachgas insbesondere im Vergleich zwischen Rindfleisch und Fisch?

Oliver Spring: Sie zeigen, wie unterschiedlich Emissionen überhaupt entstehen. Rinder sind Wiederkäuer. In ihrem mehrkammerigen Magen - vor allem im Pansen - entsteht bei der Verdauung Methan, das direkt an die Atmosphäre abgegeben wird. Diese Emissionen gehören zur natürlichen Verdauung des Tieres und fallen während seines gesamten Lebens an. Beim Fisch entstehen keine vergleichbaren biologischen Treibhausgase. Hier hängt der CO2e-Wert vor allem vom Energieeinsatz bei Fang oder Zucht ab. Deshalb unterscheiden sich die Klimaprofile deutlich.

Wie groß ist der Unterschied in der Klimabilanz zwischen Fisch und anderen tierischen Lebensmitteln wie Rind, Schwein oder Geflügel?

Oliver Spring: Die Unterschiede sind deutlich. Rindfleisch weist dabei die höchsten CO2e-Werte auf. In einem Vergleich der hierzulande beliebtesten tierischen Lebensmittel (Rind, Schwein, Huhn, Fisch) steht Rind an erster Stelle, gefolgt von Schwein, dann Geflügel - und am Ende Fisch. In unseren Berechnungen zeigt sich beispielsweise: Eine typische Portion Rind verursacht etwa das Neunfache der CO2-Äquivalente einer vergleichbaren Portion Fisch.

Das sind enorme Unterschiede. Aber auch bei Seafood gibt es sicher Unterschiede. Welche Faktoren beeinflussen die CO2e-Bilanz von Fisch?

Oliver Spring: Beim Wildfang ist vor allem der Energieeinsatz entscheidend, der aufgewendet werden muss, um den Fisch zu fangen - etwa durch Kraftstoffe. Je tiefer eine Fischart im Meer lebt, desto höher ist in der Regel der Energieaufwand. Ein Beispiel ist der Alaska-Seelachs: Er lebt in großen Schwärmen relativ näher an der Wasseroberfläche als viele andere Fischarten und lässt sich dadurch mit vergleichsweise geringerem Energieeinsatz fangen. Grundsätzlich gilt: Je effizienter eine Flotte arbeitet, desto niedriger ist der CO2e-Wert pro Kilogramm Fisch. Moderne Schiffe, optimierte Routen und gut gemanagte Bestände tragen dazu bei, Emissionen weiter zu senken.

Und wie sieht es in der Aquakultur aus?

Oliver Spring: Die CO2e-Bilanz der Aquakultur wird vor allem durch das Futter bestimmt, bis zu 90 Prozent des gesamten CO2e-Fußabdrucks können allein darauf entfallen (Ausnahme: Muscheln). Die Futterzusammensetzung unterscheidet je nach Spezies, ein Lachsfutter enthält andere Zutaten als ein Garnelenfutter. Wie das Futter gewonnen beziehungsweise angebaut wird, spielt ebenso eine wichtige Rolle. Wird das Futter effizient produziert, verbessert sich die Klimabilanz deutlich. Auch vorgelagerte Prozesse des Futters, Technik und Management haben Einfluss.

Wie viel Einfluss haben Faktoren wie Transport oder Verpackung?

Oliver Spring: Transport oder Verpackung fallen im Vergleich meist weniger stark ins Gewicht. Der größte Hebel liegt tatsächlich im Fang beziehungsweise in der Zucht selbst - und genau dort setzen nachhaltige Fischerei und verantwortungsvolle Aquakultur an.

Fisch wird häufig als hochwertiges Lebensmittel beschrieben. Welche Rolle spielt er aus Ihrer Sicht in einer nachhaltigen Ernährung?

Oliver Spring: Fisch ist zweifellos ein hochwertiges Lebensmittel. Ihn beispielsweise auf Protein zu reduzieren, greift zu kurz. Er liefert je nach Art ein breites Paket an Nährstoffen wie Vitamin B12, Vitamin D, Jod, Selen und Omega-3-Fettsäuren, das weit über die reine Eiweißversorgung hinausgeht. Dieser Mehrwert macht ihn in einer ausgewogenen Ernährung besonders relevant. Auch der Blick auf die Treibhausgase spricht für Fisch: Viele Fischarten weisen im Vergleich zu anderen terrestrischen Lebensmitteln tierischen Ursprungs einen außergewöhnlich niedrigen CO2e-Fußabdruck auf. Das heißt: Ernährungsphysiologische und ökologische Vorteile kommen hier zusammen - eine Kombination, die Fisch insgesamt sehr attraktiv macht.

Was können Verbraucher Ihrer Meinung nach konkret tun, um ihren CO2e-Fußabdruck im Rahmen der Ernährung zu verbessern?

Oliver Spring: Ein wichtiger Schritt ist, sich bewusst zu machen, dass nicht alle Lebensmittel die gleiche Klimawirkung haben. Der Blick auf CO2-Äquivalente hilft, Unterschiede besser einzuordnen - gerade bei tierischen Produkten. Wer Emissionen reduzieren möchte, kann beispielsweise häufiger zu Lebensmitteln mit günstigen CO2e-Profilen greifen. Dazu zählen viele Fischarten und Meeresfrüchte. Besonders günstig sind etwa pelagische Fischarten, die in großen Schwärmen leben, und Muscheln, die kein zusätzliches Futter benötigen und mit minimalem Ressourceneinsatz wachsen. Gleichzeitig lohnt es sich, beim Einkauf auf nachhaltige Fischerei und effiziente Produktionsmethoden zu achten. Dabei helfen Kennzeichnungen wie das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council), das Fisch und Meeresfrüchte aus nachhaltiger Wildfischerei kennzeichnet - oder das ASC-Siegel (Aquaculture Stewardship Council) als Zertifikat für gezüchteten Fisch und Meeresfrüchte aus nachhaltigeren Aquakulturen. Und nicht zuletzt gilt: Vielfalt bleibt entscheidend. Eine ausgewogene Ernährung kombiniert unterschiedliche Lebensmittelgruppen - auch pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse und Hülsenfrüchte. Genau darin liegt aus Klimasicht zusätzliches Potenzial.

Pressekontakt:

Fisch-Informationszentrum (FIZ) e.V.
Dipl. oec. troph. Julia Steinberg-Böthig
Große Elbstraße 133
D-22767 Hamburg
Tel. 040 / 389 25 97
Mobil: 0151 420 360 58
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