"nd.DerTag": Trumps willige Oligarchen - Kommentar zum moralischen Niedergang der "Washington Post"
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(ots) - Manchmal muss man einen Text zweimal lesen, um ihn zu glauben. So auch jetzt, als die "Washington Post" in einem Kommentar zum Iran-Krieg förmlich zu einer militärischen Eskalation aufrief. Iran müsse kapitulieren, "oder die USA starten eine letzte Welle von Militärschlägen", forderte die einflussreiche Zeitung. US-Präsident Trump habe Teheran "jede Gelegenheit gegeben, um Frieden zu bitten", seine Geduld sei bewundernswert. Doch er müsse "die Sache zu Ende bringen".
Abgesehen davon, dass Trumps Taktieren zwischen Erpressung und scheinbarem Entgegenkommen ganz schnöde eigensüchtige Gründe hat - die Chaotisierung der Energiemärkte belastet auch die US-Wirtschaft, und Insider ziehen aus den Fieberkurven der Börse riesige leistungslose Gewinne -, sind solche kriegstreiberischen Kommentare Symptome eines journalistischen Niedergangs. Die "Washington Post" war einmal eine stolze Zeitung. In den frühen 70er Jahren beteiligte sie sich an Enthüllungen über die Rolle des US-Verteidigungsministeriums im Vietnam-Krieg, machte Front gegen den erzkonservativen Präsidenten Nixon und legte sich auch juristisch mit seiner Regierung an. Kurz darauf brachte sie Nixon mit Recherchen über seine rechtsbrecherischen Machenschaften im Wahlkampf zu Fall. Die Watergate-Affäre sorgte weltweit für Schlagzeilen.
Davon ist nur noch ein Schatten geblieben. Seit Amazon-Besitzer Jeff Bezos das Blatt gekauft hat, baute er es systematisch um. Kommentare dürfen nur noch erscheinen, wenn sie in Bezos' marktradikalem Sinn sind. Der Multimilliardär, einer der reichsten Männer der Welt, stutzte die Redaktion aus finanziellen und politischen Gründen drastisch. Eine Wahlempfehlung der Zeitung für die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris verhinderte Bezos, auch um den Preis einer massiven Abbestellungswelle.
Die Entwicklung der "Washington Post" unter Bezoz ist ein krasses, aber nicht untypisches Beispiel dafür, was passiert, wenn sich mächtige Oligarchen des digitalen Imperialismus ebenso mächtigen Rechtspopulisten unterwerfen oder sich mit ihnen verbünden. Bezos sucht den Pakt mit Trump und wirtschaftet sein Blatt moralisch herunter.
Gleiches gilt für die Plattform X (vormals Twitter) im Besitz von Elon Musk, für Facebook samt seinem Eigentümer Mark Zuckerberg und andere. Das Opfer ist die Presse- und Meinungsfreiheit, die von einer neuen Ära der Despotie bedroht wird. Denn in etlichen Ländern gehen Autokraten gegen unabhängige, kritische Medien vor. Oft unterstützt von Geldsäcken, denen entweder egal ist, wie und womit sie ihren Profit machen, oder die ausdrücklich ein rechtes Weltbild vertreten. Diesen willfährigen Helfern sollte ein ausführliches Kapitel gewidmet sein, wenn einmal die Geschichte des neuen Faschismus geschrieben wird.
Glaube niemand, dass wir in Deutschland vor einer solchen Entwicklung geschützt wären. Auch hier versuchen rechtskonservative und extrem rechte Kräfte, die politische und publizistische Freiheit anzugreifen. Das Motto der "Washington Post", das ihrem Eigentümer Bezos offenbar egal ist, lautet: "Demokratie stirbt im Dunkeln". In Deutschland gab es diese Erfahrung schon einmal.
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Datum: 04.05.2026 - 18:14 Uhr
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